Man könnte meinen, das EU-Parlament hätte gerade die Verbraucher gerettet. Hat es aber nicht. Es hat stattdessen beschlossen, dass ein Burger aus Erbsen künftig kein Burger mehr sein darf. Weil – nun ja, weil Burger nur aus Rind sein dürfen. Oder Schwein. Oder notfalls aus Pferd, wenn man nicht so genau hinschaut.
Eine Petitesse? Klar. Angesichts von Kriegen, Klimakrise und sonstigen Katastrophen, ist das etwa so wichtig wie die Frage, ob der Papst katholisch ist. Aber – und hier wird’s interessant – dieser Beschluss ist keine Petitesse. Er ist ein Lehrstück in Sachen Lobbyismus. Ein Meisterwerk der vorgeschobenen Gründe.
Don’t call it „Schnitzel“
Die geschätzte Abgeordnete Céline Imart warnt vor einem „echten Verwechslungsrisiko“. Man stelle sich vor: Der brave Bürger greift ins Kühlregal, will eine Wurst kaufen, und – oh Schreck! – es ist Tofu drin. Eine Katastrophe. Die Nährwerte stimmen nicht! Das arme Lamm – äh, der Verbraucher.
Aber Frau Imart – EVP-Fraktion, CDU und CSU lassen grüßen – will die Landwirte schützen. Rührend. Die armen Landwirte, denen die bösen Veganer das Geschäft kaputtmachen. Mit ihren Erbsen-Burgern und Soja-Schnitzeln. Man könnte fast eine Träne verdrücken.
Deutschland ist übrigens der größte Markt für diese Produkte in Europa. Es wird doppelt so viel davon hier produziert wie vor fünf Jahren. Der Markt hat entschieden. Die Leute kaufen das Zeug. Freiwillig. Ohne Zwang. Einfach so.
Godo Röben, ehemals Rügenwalder Mühle, hat es in unserem Gespräch auf den Punkt gebracht: Märkte verändern sich. Marken brauchen Mut. Und die Politik? Die klammert sich an alte Strukturen wie ein Ertrinkender an den Strohhalm. Oder wie ein Landwirt an sein Rindvieh.
Veggie: Nicht die Sprache wird hier geschützt, sondern ein altes Geschäftsmodell
Röben hat einen ganzen Markt transformiert. Hat aus einer Metzgerei einen Pionier der pflanzlichen Ernährung gemacht. Und jetzt soll die Rügenwalder Mühle 60 Produkte umbenennen. Weil irgendwer in Brüssel findet, dass „Wurst“ nur aus Tier sein darf.
Dabei ist Scheuermilch auch keine Milch. Kokosmilch auch nicht. Und Leberkäse – nun ja, da ist weder Leber noch Käse drin. Aber das stört niemanden. Das ist Tradition. Das ist anders. Hier geht’s nicht um Verbraucherschutz. Hier geht’s um den Schutz eines Geschäftsmodells. Eines alten. Eines, das spürt, dass ihm die Felle davonschwimmen. Oder die Rinder. Je nachdem.
Und während man in Brüssel also die Sprache reguliert, darf in Deutschland fröhlich weiter Zuckerwerbung an Kinder ausgespielt werden. Kein Problem. Ein Eingriff in den Markt wäre ja gefährlich. Aber beim Veggie-Burger – da hört der Spaß auf.
Kreative Namens-Alternativen sind gefragt
Die Marken werden sich etwas einfallen lassen. Vielleicht heißt es künftig „Pläntzli“, „Grünling“ oder „Nicht-Wurst-aber-ähnlich“. Wir sind kreativ. Wir schaffen das.
Aber der Beigeschmack bleibt. Nicht die Sprache wird hier geschützt, sondern Pfründe. Alte Strukturen. Angst vor Veränderung. Wollen wir hoffen, dass niemand versehentlich einen Schluck Scheuermilch nimmt. Verwechslungsgefahr. Sie wissen schon.






