Ich komme aus dem Landkreis Kulmbach. Für alle, die das nicht einordnen können: Kulmbach ist die heimliche Hauptstadt des Bieres. Nicht selbst ernannt, sondern durch die Geschichte legitimiert. Die älteste Bierprobe der Welt wurde dort gefunden, eine 3.000 Jahre alte Amphore. Das Bayerische Brauereimuseum steht dort. Die Kulmbacher Brauerei braut dort mehr als 30 verschiedene Sorten. Das EKU 28, einst das stärkste Bier der Welt, kommt von dort. Wenn man in so einer Stadt aufwächst, entwickelt man unweigerlich ein Bewusstsein dafür, was Bier sein kann, sein soll – und was es besser nicht ist.
Das Schöne und gleichzeitig auch das Schwierige daran: Dieser Maßstab reist mit einem, egal wohin man geht.
Als ich 2011 nach Hamburg zog, stand ich vor dem, was Oberfranken „die Herausforderung“ nennen würden: norddeutsches Bier. Helles: wässrig. Pils: ohne Ecken. Lager: riecht irgendwie nach nichts. Ich will niemandem zu nahe treten, aber wer mal einen Schluck frisch gezapften Mönchshof aus einem Keramikkrug getrunken hat, der weiß, wovon ich spreche. Das war mein ernüchterndes Fazit, bis ich Ratsherrn begegnet bin.

Hamburg braut – und meint es ernst
Es war in einer kleinen Bar im Schanzenviertel. Ein Freund bestellte die grüne Flasche. Kein großes Tamtam, kein Pitch. Einfach: „Trink mal!“ Ich trank und musste kurz nachdenken. Da war Tiefe, da war Charakter, da war ein Bier, das etwas zu sagen hatte.
Ratsherrn ist 2012 in den historischen Schanzenhöfen neu auferstanden – als Wiedergeburt einer Marke, die eigentlich fast in den Händen von Großkonzernen verschwunden wäre. Stattdessen: inhabergeführt, unabhängig, mit einer Mikrobrauerei, in der kontinuierlich experimentiert wird. Slow Brewing statt Massenproduktion, regionale Zutaten statt Kostendruck, Klasse statt Masse – und das nicht als Marketingformel, sondern als gelebte Betriebsphilosophie.
Was eine Love Brand von einem guten Produkt unterscheidet
Gute Biere gibt es viele. Love Brands nicht. Was Ratsherrn für mich zur Love Brand macht, ist die Haltung dahinter. Die Brauerei hätte es sich einfach machen können: ein mainstreamtaugliches Pils, ein ordentliches Lager, fertig. Stattdessen haben die Hamburger eine Marke aufgebaut, die tatsächlich etwas riskiert. Die sagt: Wir sind nicht für jeden. Wir sind für die, die Bier ernst nehmen – ohne es ernst zu nehmen.
„Cool bleiben, Ratsherrn trinken.“ Dieser Satz sitzt. Nicht weil er clever ist, sondern weil er stimmt. Es gibt eine Entspanntheit in der Marke, die sich nicht erzwingen lässt. Die Sternschanze als Heimat, das inhabergeführte Team, die saisonal wechselnden Sorten aus der Mikrobrauerei – all das strahlt eine Authentizität aus, die in einer Welt von Konzernbieren zunehmend zur Rarität wird.
Großes Kompliment für Ratsherrn
Ich bin aus Franken, ich bin mit den besten Bieren Deutschlands aufgewachsen, und ich sage trotzdem: Ratsherrn gehört in dieselbe Konversation.
Das ist kein kleines Kompliment.
Wer eine Marke baut, die Menschen wie mich – mit eingewurzelten Bierüberzeugungen und regionaler Verweigerungshaltung – trotzdem überzeugt, der hat verstanden, was eine Love Brand im Kern ausmacht: Sie spricht nicht zu allen. Aber zu denen, die sie anspricht, spricht sie so ehrlich, dass keine andere Marke dagegen ankommt.
Auf Ratsherrn. Und auf das, was Bier sein kann, wenn jemand es wirklich will.






