Was macht Fender zur Lieblingsmarke? 

Wir haben Kreative aus verschiedenen Agenturen nach ihrer persönlichen Love Brand gefragt. Heute: Dirk Weiskopf, Head of AI & Creative Technical Lead bei der Hirschen Group.
asw-12er-Header-love-brand-story-Fender-c_Freepik
Jimi Hendrix, David Gilmore, Kurt Cobain: Viele der größten Rockgitarristen waren und sind ihnen erlegen - den Gitarren von Fender. (© Fender / Montage: Marcus Weyerke)

Wenn ich an die 90er-Jahre zurückdenke, dann sehe ich Kurt Cobain, Kathleen Hanna und Tom Morello – und in ihren Händen immer wieder Fender-Gitarren. Damals habe ich mir noch keine Gedanken über Marketingstrategien gemacht, aber rückblickend ist klar, was da passiert ist. 

Fender begegnete mir in genau den richtigen Momenten und im richtigen Alter und wurde so ganz natürlich zu einer meiner Love Brands. Und ehrlich gesagt, habe ich nie groß hinterfragt, ob Fender objektiv besser war als andere Marken. Es war die richtige Marke, weil die richtigen Leute sie spielten. Und das übertrug sich auch auf mich und damit galt: Wer eine Fender in der Hand hielt, wusste Bescheid. Das war einfach so. Keine Diskussion nötig.

Dirk Weiskopf_c_Hirschen Group
Die Gitarrenmarke Fender ist Dirk Weiskopf zum ersten Mal auf dem Schulhof und im Proberaum begegnet. Damit wurde er zum Teil der Szene, die er bis heute bewundert. (© Hirschen Group)

Kleine Riffs und große Szene 

Meine Fender-Community versammelte sich auf dem Schulhof und im Kellerproberaum. Dieser Mikrokosmos war klein und vor allem laut, aber wenn ich auf die Kopfplatte der geliehenen Jaguar eines Freundes schaute, fühlte sich das viel größer an. Klar, wir schrammelten nur vor uns hin, aber mit einer Fender in der Hand waren wir Teil einer Szene, der Szene. 
 
Für die Wahrnehmung der Marke war elementar wichtig, dass sich die Stars nicht nur mit ihren Instrumenten für Werbung fotografieren ließen, sondern dass sie sie auch auf der Bühne mit vollem Einsatz nutzten. Dazu passten dann auch Kooperationen wie die mit Kurt Cobain bei der Entwicklung der Fender Jag-Stang.

Die Zugehörigkeit zur Szene ist der eine Aspekt der Marke. Der andere, mindestens genauso wichtige, ist die persönliche Geschichte, die sich zwischen Mensch und Instrument entwickelt. Denn eine Fender altert nicht einfach, sie sammelt Erfahrungen. Jede Delle, jeder Kratzer erzählt von einem Moment, einem Song, einer Nacht im Proberaum oder von unterwegs. Gerade in digitalen Zeiten sorgt das für etwas Bleibendes. Die Gitarre wird zu einem Teil der eigenen Geschichte, unabhängig davon, ob man je auf einer großen Bühne steht oder nicht. 

Fast Forward ins Jahr 2025 

Diese emotionale Verbindung ist nach wie vor wichtig, nur die Plattformen haben sich verändert. Heute wird diese Geschichte nicht mehr ausschließlich in Holz und Lack geschrieben, sondern vor allem digital. Die erste Aufnahme in einer Recording-App oder ein geteiltes Sound-Preset, das sind die ersten digitalen Kerben im Logbuch der nächsten Musikergeneration. Daher ist es nur logisch, dass man Fender nicht nur im Gitarrenshop, sondern auch im App-Store findet. 

Die Herausforderung für viele Marken besteht nun darin, diese digitalen Momente genauso spürbar zu machen, wie die echten Dellen im Lack, und sich gleichzeitig treu zu bleiben. Wer das schafft, verwebt analoge Leidenschaft und digitale Möglichkeiten zu einer großen, stimmigen Geschichte. Doch auch ein Traditionsunternehmen wie Fender steht unter dem Druck von Effizienz und Skalierung. Aktuell gelingt Fender dieser Balanceakt, denn die strategische Abwägung, wo und wie Technologie eingesetzt wird, wirkt konsequent und durchdacht.
 
Und genau hier zeigt sich etwas Grundsätzliches: Das „Wie“ der technischen Umsetzung ist selten das Problem, denn technisch findet man Lösungen für praktisch jede Anforderung. Doch bevor wir ins „Wie“ einsteigen, braucht es den Mut zur strategischen Selbstreflexion: „Sollten wir das überhaupt tun? Was sagt das über uns aus?“ Diese Fragen erfordern den ehrlichen Blick auf den eigenen Markenkern. Und genau dieser Blick schützt Marken davor, für kurzfristige Optimierungsgewinne ihre eigene Substanz aufs Spiel zu setzen.