Marketing ist Zukunftsgestaltung. Weshalb Marketer zu Optimismus geradezu verpflichtet sind, zumal am Jahresauftakt. Trotz aller Krisen? Trotz aller Krisen! „Mut heißt nicht, keine Angst zu haben, sondern Dinge trotzdem zu tun“, schrieb dieser Tage eine Kommunikatorin der grünen Business-Community.
Dinge trotzdem tun: Damit sind wir bei Denttabs. Die Berliner Firma, die nachhaltige Zahnputztabletten vertreibt, hat Ende 2025 mit einem enormen Kraftakt die Insolvenz abgewendet. Und einen neuen Partner gewonnen: Die gemeinnützige Viversus AG aus dem Harzstädtchen Langelsheim, bekannt durch Bildungsprojekte für Kinder, wie Grillninjas. Die Kooperation soll Denttabs eine halbe Million Euro bringen.
Coole Aktion: Denttabs-Fans werden zu Aktionären
Der Deal ist ungewöhnlich und pfiffig, „absolutes Neuland“, sagt Denttabs-CEO Axel Kaiser. Und funktioniert so: Viversus hat 10 000 gemeinnützige Aktien ausgegeben. Die werden zugunsten von Denttabs verkauft, Stückpreis 50 Euro. Das Geld geht komplett an das Start-up, im Gegenzug erhält Viverus Anteile an Denttabs (und wird an potenziellen Gewinnen beteiligt). Jetzt müssen nur noch genügend Denttabs-Fans ins Portemonnaie greifen.
Steuerlich absetzbar ist die gute Tat nicht, und es gibt auch keine Dividende. „Einfach Haltung zeigen“ lautet die Losung der Initiatoren, wobei „einfach“ durchaus im Wortsinn zu verstehen ist: Privatleute können die Vorzugsaktien bequem im Onlineshop ordern. Zur Zielgruppe zählen überdies Unternehmen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und im Wege des steuerfreien Sachbezugs zu Viversus-Aktionären machen können.
Auch wenn, wie die absatzwirtschaft auf Anfrage erfuhr, bisher erst 300 Aktien verkauft wurden: Kaiser und Viverus-Chef Mario Bergmann träumen bereits von einer Hauptversammlung im Millerntor-Stadion des FC St. Pauli. Wie auch immer die Sache ausgeht – es ist auf jeden Fall eine coole Marketingaktion.
Erfahrungsschatz zur Co-Kreation online gestellt
Haltung beweist auch die scheidende Geschäftsführung von „Du bist hier der Chef“. Sechs Jahre hatte Gründer Nicolas Barthelmé für sein Ziel einer demokratischen Marke gekämpft; Kunden sollten als Co-Kreatoren über Beschaffenheit und Preis von Produkten mitbestimmen. Erfolge gab es: Tausende Verbraucher ließen sich zum Mitmachen animieren; Milch und Eier schafften es in die Regale von Rewe.
Dass ein Durchbruch trotzdem nicht gelang, lastet Barthelmé dem Handel an: „Angst vor Transparenz, vor Preisoffenheit.“ Vielleicht waren die Produkte für den aufwendigen Kreationsprozess auch zu margenschwach – künftig wird „Du bist hier der Chef“ jedenfalls ehrenamtlich von einem Verein geführt.
Um es potenziellen Nachahmern leichter zu machen, haben die Macher ihren Erfahrungsschatz als „Open Source Kompost“ ins Netz gestellt, vom Wirkungsbericht bis zur Produktkalkulation. Respekt!
Wassermangel durch KI – ein Thema in Davos
Traditionell blickt die Business Community – auch die grüne! – im Januar nach Davos, auf die Botschaften, die vom Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums ausgehen. Bei aller berechtigter Kritik an dem Eliten-Spektakel – eins kann man den Veranstaltern nicht vorwerfen: Dass sie dem Zeitgeist erliegen und nachhaltige Themen von der Tagesordnung streichen.
„How can we build prosperity within planetary boundaries?“ lautet eine der fünf Leitfragen des diesjährigen Meetings. Es geht unter anderem um Innovationen zur Verhinderung von Wassermangel. Ein weithin unterschätztes, für Unternehmen und Investoren jedoch hochrelevantes Thema, wie auch ein Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung zeigt.
Zumal Wasser in vielen Regionen der Welt nicht nur wegen des Klimawandels knapp wird, sondern auch wegen des KI-induzierten Booms von Datenzentren und deren enormen Bedarfs an Kühlwasser.
Sogar Veuve Clicquot transformiert mit Canopy seine Lieferkette
Tech-Konzerne haben das Problem erkannt, Salesforce etwa greift es offensiv in seiner „Nature Positive Strategy“ auf. Nicht überall jedoch führt Erkenntnis zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen; in vielen Unternehmen passen Selbstbeschränkung und Wachstumsorientierung schlecht zusammen. Was hilft?
Vielleicht kreative Ansätze wie die der Umweltorganisation Canopy, die praktische Alternativen zu umweltschädigenden Lieferketten bietet: Die Projekte CanopyStyle (Mode) und Pack4Good (Verpackung) vernetzen Marken, Designer und innovative Zulieferer, frei einsehbare Datenbanken nennen Bezugsquellen für Ökopapier und Ökostoffe. Mehr als 950 Brands machen schon mit, darunter Hugo Boss und Veuve Clicquot.
Das könnte doch Vorbildfunktion haben. Auch Wasser lässt sich recyceln, mehrfach sogar, Anbieter für Spezialtechnik wie Veolia oder Suez sind vorhanden. Was fehlt, ist eine intelligente B2B-Plattform zur Vernetzung. Findet sich ein kluger Marketer, der in diese Richtung weiterdenkt?
Eine gute Woche noch, und behalten Sie die Zukunft im Blick!


