Je schwieriger die Zeiten, desto mehr wird über Resilienz gesprochen – die Fähigkeit also, sich an wechselnde Marktbedingungen anzupassen und für die Zukunft zu rüsten. Logisch ist das nicht: Eigentlich müsste man über Widerstandsfähigkeit in guten Zeiten nachdenken und nicht erst in der Krise. Hut ab vor denen, die sich antizyklisch verhalten.
Und damit zum Thema Nachhaltigkeit, das im Augenblick gewiss keine Konjunktur hat. Ob es um Selbstverpflichtungen zu Net Zero geht, um nachhaltige Geldanlagen oder grüne Gründungen: Die Fakten sprechen für sinkendes Interesse. Und doch gibt es – aus Sicht der Green Economy erfreulich viele – Belege dafür, dass unter dem Mainstream eine starke Gegenströmung fließt.
Umweltbelastungen digitaler Kampagnen besser verstehen
Der US-Dienstleister Integral Ad Science (IAS), spezialisiert auf Mediamessung und -optimierung, verkündete gerade den Ausbau seiner Kooperation mit der Mediaplattform Good-Loop. Kunden werden künftig über die CO₂-Emissionen ihrer digitalen Werbung informiert, für jede Ad Impression weltweit und ohne zusätzliche Kosten. Damit Werbetreibende die Umweltauswirkungen ihrer Kampagnen besser verstehen und steuern können.
„Wir glauben, dass dieses Maß an Transparenz unerlässlich ist, um echte Veränderungen in der gesamten Branche voranzutreiben“, lässt sich IAS-CEO Lisa Utzschneider zitieren. Ein wichtiges Signal, auch wenn IAS weder der erste noch der einzige Schrittmacher auf diesem Feld ist.
Resilienz und Nachhaltigkeit bedingen einander
Was das mit Resilienz zu tun hat? Widerstandsfähigkeit und Nachhaltigkeit verhalten sich zueinander wie Markt und Marke: Sie bedingen einander. Ein schwaches Unternehmen wird kaum in Nachhaltigkeit investieren; ein nicht nachhaltiges Geschäftsmodell wiederum ist längerfristig nicht überlebensfähig.
Auch IAS ist ja keine Agentur für Weltverbesserung, sondern denkt an die Zukunft: Angesichts von Emissionsgesetzen und Nachhaltigkeitszielen von Marken entwickele sich die Messung von CO₂-Emissionen „immer mehr zu einer zentralen Säule der Mediaqualitätsmetriken“.
Trump, KI-Hype und Konsumschwäche hin oder her – es ist nur eine Frage der Zeit, bis Nachhaltigkeit wieder oben auf der Agenda steht. Die Notwendigkeit zeigt gerade wieder der Bericht über den Zustand der Umwelt der Europäischen Umweltagentur.
Alarm in der Immobilienbranche: Unsanierte Gebäude werden zu Ramsch
In der Immobilienwirtschaft stellen jetzt die ersten Fondsmanager fest, dass sie auf Gebäuden sitzenbleiben, die nicht nachhaltig sind. Sie lassen sich schlecht vermieten. Viele Mieter, renommierte Unternehmen zumal, legen Wert auf vorzeigbare „grüne“ Flächen und niedrige Nebenkosten.
Genau deshalb will diese Immobilien aber auch niemand kaufen: Bei einer aktuellen Umfrage räumte mehr als die Hälfte der Vermögensverwalter ein, ihre Transaktionsziele nicht erreicht zu haben; im Klartext: Sie wurden die Buden nicht los. Vier von fünf der befragten Immobilienprofis erwägen Umbau und Modernisierung.
Höchste Zeit, möchte man ihnen zurufen: 2027 wird EU-weit ein Emissionshandel für den CO₂-Ausstoß von Gebäuden eingeführt. Dadurch werden die Betriebskosten für unsanierte Immobilien erheblich steigen. Es hat schon seinen Grund, dass die Anfang Oktober in München stattfindende Expo Real, größte Immobilien-Fachmesse Europas, ihre Sonderfläche Transform & Beyond dieses Jahr deutlich erweitert.
Sonne, Wind und Batterien – eine perfekte Zukunftskombination
Auch in der Energiebranche gibt es weitsichtige Player. Die in Karlsruhe beheimatete EnBW eröffnete im schwäbischen Gundelsheim den ersten Kombi-Energiepark Deutschlands mit Photovoltaik, Windrädern und Batteriespeichern. Die Energiequellen sollen sich ergänzen: Bei Sonnenschein ist es weniger windig, ein bewölkter Himmel geht oft einher mit einer steifen Brise. Fallen beide aus, kommt der Strom aus den Speichern.
„Der Energiepark zeigt dadurch im Kleinen, wie die verschiedenen Technologien im Energiesystem der Zukunft ihre Stärken verbinden“, erläutert EnBW. Hoffentlich nimmt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche von dem zukunftsweisenden Konzept Notiz. Im Augenblick scheint sie vor allem damit beschäftigt zu sein, den Gegenwind wegen ihrer Ausbaupläne für Gaskraftwerke auszuhalten.
Nachhaltige Botschaften witzig verpacken?
Um die Resilienz der Kreativbranche sorgt sich derweil der Bundesverband Marketing Clubs und gibt Führungskräften Tipps, wie sie trotz Rezession und Budgetkürzungen nachhaltig gute Stimmung verbreiten können.
Das BAM! Bock auf Morgen Festival hat noch eine andere Idee: Lachen ist bekanntlich gesund, baut Stress ab und setzt Glückshormone frei. Wie wäre es, grüne Botschaften gerade in schwierigen Zeiten mit Witz und Esprit zu verkaufen?
Auf dem Event Anfang November sprechen Marketer der Bio-Safterei Voelkel, die mit Humor sogar bei Heavy-Metal-Fans reüssiert, und des Mehrwegspezialisten Recup (Kampagne „Ente stinksauer“). Viel Spaß!
Eine gute Woche noch, und behalten Sie die Zukunft im Blick!
