Marken-Award 2026 – Die Gewinner: Alnatura 

Alnatura gewinnt den Marken-Award in der Kategorie „Gesellschaftliches Engagement“. Der Darmstädter Bio-Händler entwickelt Initiativen für Partnerschaftlichkeit und Tierwohl aus seiner Unternehmensidentität heraus.
Glaubwürdig, wertebasiert und missionsgetrieben – das begründet den Erfolg der Marke Alnatura.
Glaubwürdig, wertebasiert und missionsgetrieben – das begründet den Erfolg der Marke Alnatura. (© Alnatura, Montage: Wolfram Esser)

Alnatura bleibt seit seiner Gründung 1984 den eigenen Grundsätzen treu. Da wären zum Beispiel die Hilfen für Bauern, die auf Bio umstellen. „Gemeinsam Boden gut machen“ heißt die Initiative, mit der Alnatura den aufwendigen Schritt unterstützt, finanziell ebenso wie durch Rat und Netzwerk. Was anderswo als „nice to have“ unter der Rubrik Corporate Citizenship liefe, wurzelt bei Alnatura tief im eigenen Selbstverständnis: Der Bio-Händler und Markenhersteller begreift Lieferanten als Partner eines ganzheitlichen Marktauftritts. „Biolandbau ist unsere Basis“, sagt Geschäftsführerin Petra Schäfer.  

Seit Gründung der Initiative 2015, gemeinsam mit dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu), wurden mehr als 21.000 Hektar Fläche umgestellt. 144 Höfe profitierten bislang von dem Projekt, dessen Schirmherrschaft Bundesumweltminister Carsten Schneider übernommen hat. Und das ist nur eine von vielen Initiativen, mit denen Alnatura das Prinzip Verantwortung lebt.  

Der Hersteller und Händler unterstützt Bauern seit vielen Jahren bei der Umstellung auf Bio-Landwirtschaft.
Der Hersteller und Händler unterstützt Bauern seit vielen Jahren bei der Umstellung auf Bio-Landwirtschaft. (© Alnatura)

Initiativen aus der Belegschaft heraus 

Glaubwürdig, wertebasiert und missionsgetrieben – das begründet den Erfolg der Marke, seit der einstige Nestlé-Manager Götz Rehn, inspiriert durch die Philosophie des Anthroposophen Rudolf Steiner, das Unternehmen 1984 gründete. „Alnatura verkörpert gesellschaftliches Engagement als integralen Bestandteil seiner Unternehmensidentität“, urteilte die Jury des Marken-Awards 2026, die dem Bio-Lebensmittler den Preis in der Kategorie „Gesellschaftliches Engagement“ zuerkannte. „Seit über 35 Jahren verfolgt das Unternehmen einen ganzheitlichen Ansatz, der ökologische, soziale und ökonomische Verantwortung konsequent entlang der gesamten Wertschöpfungskette verankert.“  

„Sinnvoll für Mensch und Erde“, das ist der Anspruch, an dem in der Darmstädter Firmenzentrale jede Unternehmensaktivität gemessen wird. „Aus dieser Vision entwickelt sich alles“, sagt Geschäftsführerin Schäfer. Die Impulse für Initiativen geben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, oft lange bevor die öffentliche Diskussion über ein Thema losbricht. Schwerpunkte sind faire Arbeitsbedingungen entlang der Lieferkette und Tierwohl: Kälber sollen nach der Geburt mindestens drei Monate bei der Mutterkuh bleiben und gesäugt werden können, männliche Küken aufwachsen wie ihre Schwestern.  

Ziel: freie Entwicklung aller Menschen 

Mitarbeitende geben die Impulse für Initiativen des Unternehmens.
Mitarbeitende geben die Impulse für Initiativen des Unternehmens. (© Alnatura / Jonas Werner Hohensee)

Es gibt ein Projekt für fairen Reisanbau, eins für gerechte Milchpreise und eins für den Erhalt von Artenvielfalt. Der vorerst letzte Vorstoß war 2024 die „Weidemilch-Initiative“: Kühe sollen wenigstens 120 Tage im Jahr weiden dürfen, jeweils mindestens sechs Stunden lang. Als erster Händler bot Alnatura damals ein ganzes Sortiment aus über 30 Produkten nach diesem Standard an. 

In der „Grundsatzerklärung zu Menschenrechten“, unterzeichnet von Alnatura-Chef Rehn, verpflichtet sich das Unternehmen, bei „jeglichem Handeln die Folgen für die Umwelt zu berücksichtigen und mögliche negative Umweltauswirkungen zu reduzieren“. Als Arbeitsgemeinschaft von inzwischen über 3700 Mitarbeitenden wolle man zum „wichtigsten Ziel einer Gesellschaft“ beitragen: der freien Entwicklung aller Menschen.  

Dass es sich dabei nicht um leere Worte, sondern um ein integrales Markenversprechen handelt, beweist Alnatura mit dem We-Care-Siegel des Forschungsinstituts für ökologischen Landbau (FiBL) in Frankfurt, einem Management-Standard für Nachhaltigkeit innerhalb des Unternehmens und entlang seiner Lieferkette. Umwelt- und Tierwohlrisiken werden ebenso geprüft wie Arbeitsbedingungen und Gesundheitsschutz für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder der Umgang mit Ressourcen. Bis heute lassen sich nur wenige Marken auf die 2021 eingeführte umfangreiche Zertifizierung ein. Schäfer bezeichnet die Anforderungen als anspruchsvoll: „Das muss man als Unternehmen wollen.“

Von Anfang an nach dem Grundsatz „bio only“ 

Als Pionier verstand sich das Unternehmen schon bei seiner Gründung, indem Rehn auf hundert Prozent Bio setzte, während die Ökoware bei vielen Wettbewerbern ein Teil- oder Nischensortiment blieb. Heute umfasst das Eigensortiment rund 1400 Lebensmittel, und der Grundsatz „bio only“ gilt noch immer. Die Marke ist so stark, dass es sich Alnatura leisten kann, die Produkte auch über mächtige Handelspartner wie Edeka und Rossmann zu vertreiben, ohne das Geschäft der eigenen Märkte zu beschädigen.  

Deren Zahl ist auf 155 gestiegen, und auch bei ihnen stellt das Unternehmen das Prinzip Verantwortung heraus. So werden natürliche Kältemittel eingesetzt und Abwärme der Kühlschränke zum Heizen genutzt; LED-Leuchten sind Pflicht. 2022 ergab eine Studie des EHI, dass die Märkte von Alnatura durchschnittlich elf Prozent weniger Energie verbrauchen als andere vergleichbarer Größe. 

Der 2019 fertiggestellte Alnatura Campus in Darmstadt beherbergt Europas größtes Bürogebäude mit Stampflehmfassade, klimaneutral auch dank Geothermie- und Photovoltaikanlagen und einem Erdkanal zur Vortemperierung der natürlichen Belüftung. Es gibt einen öffentlichen Waldorfkindergarten und ein vegetarisches Bio-Restaurant, das auch externen Gästen offensteht, sodass auch die örtliche Community etwas von der Ansiedlung hat.  

Alnatura erzielt regelmäßig Bestnoten bei Kundenzufriedenheit, Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis.
Alnatura erzielt regelmäßig Bestnoten bei Kundenzufriedenheit, Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis. (© Alnatura)

Klein, aber wachstumsstark – ohne große Kampagnen 

Die Kunden honorieren den Kurs. Mit einem Umsatz von 1,27 Milliarden Euro im vergangenen Jahr ist Alnatura im Vergleich zu Konzernen wie der Rewe Group (100,4 Milliarden Euro, davon 42,5 Milliarden im deutschen Handel) oder Edeka (77,3 Milliarden Euro) zwar immer noch klein, aber beständig auf Wachstumskurs: 6,6 Prozent betrug das Plus im Geschäftsjahr 2025. Im Bio-Segment liegen die Darmstädter knapp hinter der Dennree Group, die 1,6 Milliarden Euro umsetzt.  

In repräsentativen Verbraucherstudien erzielt Alnatura regelmäßig Bestnoten bei Kundenzufriedenheit, Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis. Dabei verzichtet der Biomarkt fast vollständig auf aufwendige Werbekampagnen; eine der wenigen Ausnahmen war eine als „Marktplatz“ gestaltete Roadshow zum 40-jährigen Firmenjubiläum, zusammen mit Lieferanten und Kooperationspartnern. Auch das ist ein Signal, das zur Unternehmensidentität passt: Die Marke Alnatura, das sind wir gemeinsam. 

(mat) führte ihr erstes Interview für die absatzwirtschaft 2008 in New York. Heute lebt die freie Journalistin in Kaiserslautern. Sie hat die Kölner Journalistenschule besucht und Volkswirtschaft studiert. Mag gute Architektur und guten Wein. Denkt gern an New York zurück.