Warum Mut die wertvollste Eigenschaft im Marketing ist 

Hier schreiben junge Marketing- und Agenturentscheider über ihren Blick auf das Marketing. Sie teilen ihre persönlichen Gedanken und Vorstellungen, wie die Branche ist – und wie sie sein sollte. Heute: Max Klockenhoff.
Max Klockenhoff ist Co-Gründer der Frankfurter Social-Media-Marketing-Agentur Gen-up.
Max Klockenhoff ist Co-Gründer der Frankfurter Social-Media-Marketing-Agentur Gen-Up. (© privat, Montage: Wolfram Esser)

Ich habe nie studiert, weder BWL noch Marketing oder Medien. Mein Werdegang vor Gen-Up bestand aus Content-Creation auf YouTube und Instagram. Nativ, für die Community und nach der Methode „Trial and Error“. Heute führe ich eine Agentur mit rund 40 Mitarbeitenden, und wir arbeiten für Kunden wie Henkel, Deichmann und Kleinanzeigen. 

Mit meinem Hintergrund bin ich bei Gen-Up nicht allein. Wir haben Leute aus den unterschiedlichsten Welten an Bord, vom ehemaligen Streamer bis zur Flugbegleiterin. Jeder bringt seine eigene Perspektive mit, keiner ist auf klassische Marketingmuster konditioniert. Genau deshalb bauen wir Inhalte, die „Unreachables“ erreichen, statt weggeswiped zu werden. 

Marketing ist eines der wenigen Felder, in denen nicht dein Studium entscheidet, sondern dein Output. Ergebnis schlägt Lebenslauf. 

Marketing belohnt Challenger  

Es braucht Menschen, die nicht abnicken, was bisher funktioniert hat, die Fragen stellen, auch die unangenehmen, die testen, ob die Annahme von gestern heute noch trägt. Bei Gen-Up machen wir das täglich. Wir erreichen die Zielgruppe der „Unreachables“, die sich von traditionellen Medien längst abgewendet haben und digitale Kanäle als Leitmedium nutzen. 

Auf den Screen kommt man als Marke schnell. Dazu genügen ein paar Social Ads. Die eigentliche Frage ist eine andere: Erscheinst du als Störer und wirst weggeswiped oder bleibst du als Love Brand im Kopf? 85 Prozent aller digitalen Werbe-Impressions liegen laut Aufmerksamkeitsforscherin Karen Nelson-Field unter dem Attention-Memory-Threshold von 2,5 Sekunden. Heißt: Sie bleiben nicht im Kopf. 

Die zentrale Währung im digitalen Marketing ist damit nicht mehr Reichweite, sondern Relevanz. Eine Million Kontakte mit echter Aufmerksamkeit sind heute mehr wert als zehn Millionen Impressions, die nach einer Sekunde weitergescrollt werden. 

Der Anspruch an Marken im Jahr 2026 

Einen Blueprint für erfolgreiche Markenkommunikation gibt es nicht. Aber drei Muster zeigen sich bei Marken, die heute echte Wirkung erzielen: 

1. Always-on ist der neue Standard 

Was 2024 funktioniert hat, trägt 2026 nicht mehr. Das Narrativ verschiebt sich von Jahreskampagnen mit sechs Wochen Flight zur Regelkommunikation mit einzelnen Kampagnen-Peaks. 

2. Kommunikation ist keine Einbahnstraße 

Durch Social Media haben Marken die Möglichkeit, in Realtime Rückmeldung von Interessenten zu erhalten – das sollte genutzt werden. Die Marke More Nutrition lässt ihre Community Geschmacksrichtungen vorschlagen, sammelt zehntausende Kommentare und entwickelt daraus Produkte. Sie nutzt Realtime-Feedback, das früher sechsstellige Marktforschungsbudgets gekostet hätte. Marken, die ihre Community dagegen nur als Empfänger sehen, verschenken den größten Datenhebel, den sie haben. 

3. Disruptiere dich selbst! 

KI verändert gerade, wie Marken und Agenturen intern arbeiten: Briefings in Tagen statt Wochen, Iterationen in Stunden. Wer das ernst nimmt, produktualisiert daraus neue Services. Wer KI nur als Tool in alte Workflows einklinkt, verpasst das eigentliche Potenzial. 

Warum mich das wach hält 

Wer nicht bereit ist, sich immer wieder neu zu erfinden, ist im falschen Beruf. 

Wer es liebt, hat im Marketing eine der spannendsten Karrieren, die es gerade gibt. Du entscheidest jeden Tag neu, was du draus machst. Das finde ich nach wie vor ziemlich geil.