Abhängig von Big Tech: So verletzlich ist das Marketing deutscher Firmen

Deutsche Unternehmen hängen stärker an Big Tech, als viele zugeben. Eine aktuelle Umfrage zeigt, wie schnell der Ausfall von Google, Meta oder Amazon zum Problem würde.
Wären Plattformen wie Google plötzlich nicht mehr verfügbar, würden viele Unternehmen spürbare Probleme bekommen.
Wären Plattformen wie Google plötzlich nicht mehr verfügbar, würden viele Unternehmen spürbare Probleme bekommen. (© Imago)

Ein erheblicher Teil des Marketingerfolgs deutscher Unternehmen konzentriert sich auf wenige US-Plattformen. Das geht aus einer Umfrage der auf Digitalkartellrecht spezialisierten Wirtschaftskanzlei Hausfeld hervor, die gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut YouGov durchgeführt wurde. Wie es in einer entsprechenden Mitteilung heißt, hätte bereits jedes zweite Unternehmen nach nur einer Woche spürbare Probleme, wenn Plattformen wie Google, Meta oder Amazon im Marketing wegfielen.

Konkret geben 66 Prozent der befragten Marketing-Entscheider an, dass der wirtschaftliche Erfolg ihres Unternehmens von Big-Tech-Plattformen abhängt. Für 43 Prozent sind Google, Meta oder Amazon wichtig für das Geschäft. 23 Prozent bezeichnen sie sogar als zentrale Umsatzquelle oder als existenzentscheidend.

Deutlicher Umsatzverlust nach sieben Tagen ohne Big Tech

Diese Abhängigkeit schlägt sich im Budget nieder. 35 Prozent der Befragten investieren mindestens ein Viertel ihres gesamten Marketingbudgets in Big Tech. 15 Prozent geben sogar mehr als die Hälfte ihres Budgets dort aus. Diversifizierung sieht anders aus.

Ein Gedankenexperiment der Erhebung macht die Brisanz deutlich. Wären die wichtigsten digitalen Plattformen eine Woche lang nicht verfügbar, würden 50 Prozent der Unternehmen das unmittelbar spüren. 15 Prozent rechnen in diesem Szenario mit deutlichen Umsatzverlusten innerhalb von nur sieben Tagen.

Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen wächst die Unsicherheit. 52 Prozent der Befragten geben an, angesichts des wiederkehrenden Zoll- und Handelskonflikts zwischen der EU und den USA eher oder sehr beunruhigt zu sein. Ihre Sorge: Zentrale Marketingkanäle europäischer Unternehmen liegen in der Hand US-amerikanischer Konzerne.

Vertrauen in Europa begrenzt

Das Vertrauen in die politische Standfestigkeit Europas bleibt begrenzt. Nur 16 Prozent sind überzeugt, dass die EU wirtschaftlichem Druck aus den USA standhalten würde, falls es um eine Abschwächung strengerer Regulierung großer Plattformen wie im Digital Markets Act geht. Gleichzeitig wünschen sich 79 Prozent zusätzliche Schutzmechanismen gegen möglichen Machtmissbrauch durch Big Tech.

Für die Umfrage befragte YouGov im Auftrag von Hausfeld vom 9. bis 14. Januar 2026 insgesamt 159 Marketing-Entscheider aus deutschen Unternehmen mit mindestens zehn Mitarbeitern zur Abhängigkeit von Big-Tech-Unternehmen.

(amx, Jahrgang 1989) ist seit Juli 2025 Chefredakteur der absatzwirtschaft. Er ist weder Native noch Immigrant, doch auf jeden Fall Digital. Der Wahlberliner mit einem Faible für Nischenthemen verfügt über ein breites Interessenspektrum, was sich bei ihm auch beruflich niederschlägt: So hat er bereits beim Playboy, in der Agentur C3 sowie beim Branchendienst Meedia gearbeitet.