Super Streusel: Mit buntem Backdekor zum zweistelligen Millionenumsatz

Bunte Streusel, Zuckerguss und Glitzer: Super Streusel hat aus einer simplen Backzutat ein emotionales Erlebnis gemacht – und zeigt, wie D2C-Marken mit Community, Tempo und einer klaren Vision etablierte Player ärgern können.
Die beiden Gründerinnen Katharina Decker (links) und Daniela Sichting sind mit ihrem Start-up 2018 in die Welt der bunten Streusel eingetaucht.
Die beiden Gründerinnen Katharina Decker (links) und Daniela Sichting sind mit ihrem Start-up 2018 in die Welt der bunten Streusel eingetaucht. (© Super Streusel)

Vielleicht bekommt diese Adresse in Hamburg irgendwann ihr eigenes Ortsschild, denn hier geht es deutlich bunter zu als anderswo. Hinter der roten Backsteinfassade in Altona liegt „Streuselhausen“, Firmensitz der Food-Marke Super Streusel, die mit knalligen Streuselmixen und bunten Zuckerglasuren für gute Laune beim Backen sorgt.  

Hier werden Sternchen, Herzen, Glitzerstangen, Osterhasen, Einhörner und vieles mehr zu mittlerweile 140 Streuselmixen gemischt. Sie tragen fröhliche Namen wie „Sternenregen“, „FluffiPuffi“ oder „KussiBussi“. Hier wird auch an Rezepten gefeilt, es werden neue Produkte entwickelt, alle mit demselben Ziel: Kundinnen mit wenig Aufwand etwas Besonderes zu ermöglichen. „Wir zeigen, dass es nicht viel Zeit oder Können braucht, um etwas Tolles zu schaffen, das man sich vielleicht gar nicht zugetraut hätte“, sagt Co-Gründerin Daniela Sichting, die 2018 gemeinsam mit Katharina Decker feststellte, dass es auf dem deutschen Markt „nicht genug Bling-Bling für Cupcakes, Torten oder Cake Pops“ gab.  

Knallige Streuselmixe wie dieser mit dem Namen „PuschelHäschen“ sorgen für gute Laune beim Backen.
Knallige Streuselmixe wie dieser mit dem Namen „PuschelHäschen“ sorgen für gute Laune beim Backen. (© Super Streusel)

Mehr als eine Million Kuchen im Jahr  

Die Schwestern änderten das – mit Erfolg: Mittlerweile hat Super Streusel 55 Mitarbeitende, mehr als 400.000 Online-Kunden und 350.000 Fans auf Social Media. Das Start-up verkauft in 20 Ländern über 300 verschiedene Produkte und erzielt Umsätze im zweistelligen Millionenbereich. Den Großteil macht der eigene Onlineshop aus (75 Prozent), wo allein 2025 so viele Streusel verkauft wurden, dass es für mehr als eine Million Kuchen reichte.  

Neben dem klaren Fokus auf D2C gibt es die Produkte mittlerweile auch auf Amazon und im stationären Handel bei Rewe, Edeka und in ausgewählten Concept-Stores. „Der stationäre Handel gibt uns Sichtbarkeit und bringt uns in den Alltag der Menschen. Aber unser Herz schlägt weiterhin für D2C“, sagt Sichting. „In unserem eigenen Shop können wir die Marke so erzählen, wie wir sie verstehen. Wir sehen sofort, was funktioniert, bekommen direkt Feedback, und können extrem schnell reagieren.“  

„In unserem eigenen Shop können wir die Marke so erzählen, wie wir sie verstehen”, sagt Co-Gründerin Daniela Sichting.
„In unserem eigenen Shop können wir die Marke so erzählen, wie wir sie verstehen”, sagt Co-Gründerin Daniela Sichting. (© Super Streusel)

Zutat Schnelligkeit 

Diese Schnelligkeit sieht die Gründerin als eine der Zutaten für ihr Erfolgsgeheimnis auf dem Weg zur Love Brand. Statt auf lange Abstimmungsschleifen und zu viel Perfektion, setzen die Streusel-Schwestern neben Daten und Analysen auch auf Bauchgefühl – nach dem Motto: „Wenn wir es nicht fühlen, fühlen wir es nicht.“  

Daneben setzen sie vor allem auf die Meinung der Community: In sozialen Netzwerken teilen Hobbybäckerinnen stolz ihre Werke und inspirieren damit andere. Die Gründerinnen hören den Userinnen genau zu und lassen die Community eigene Mischungen kreieren. 

Kooperationen mit Tchibo und Super Dickmanns 

„Community ist für uns kein Buzzword, wir leben das wirklich“, sagt Sichting. Manchmal ruft jemand aus dem Team sogar selbst bei den Kundinnen an und fragt nach: Was wünscht ihr euch, was können wir besser machen? Es gibt Community-Events und Kooperationen mit vorwiegend kleineren und mittleren Creator-Accounts, aber auch Promis wie Ross Antony und Co-Brandings mit anderen Marken wie Coppenrath & Wiese, Tchibo oder Super Dickmanns.  

„So bauen wir die Sichtbarkeit mit großer Geschwindigkeit aus. Wer selbst backt oder Gebäck fertig kauft, soll Super Streusel kennenlernen“, sagt Sichting. Auch Lizenz-Partnerschaften, etwa mit dem Nilpferd-Sänger Dikka, mit Die drei Fragezeichen oder Benjamin Blümchen, kommen bei den Verbraucherinnen gut an. Zum Launch von Streuseln und Zuckerfiguren von der „Schule der Magischen Tiere“ gab es sogar einen Kinospot.  

Kategorie „Streuselmixe“ neu gedacht  

Während etablierte Player Streusel lediglich als Backzutat verkaufen, steckt bei Super Streusel eine weitere entscheidende Zutat in der Streuseldose: ein Erlebnis. Die Marke verkauft nicht nur Dekor, sondern eine ganze Welt aus Emotionen und Freude, die gerade Müttern das Leben erleichtert. „Wir haben das Produkt nicht erfunden, aber die Kategorie neu gedacht“, sagt die Gründerin: „Unsere Streusel sind ein Statement.“ 

Die Marke verkauft nicht nur Dekor, sondern eine ganze Welt aus Emotionen und Freude, die gerade Müttern das Leben erleichtert.
Die Marke verkauft nicht nur Dekor, sondern eine ganze Welt aus Emotionen und Freude, die gerade Müttern das Leben erleichtern soll. (© Super Streusel)

Das ist auch den großen Wettbewerbern aufgefallen. So bietet die Marke Ruf mittlerweile bunte Mischungen als „Streusel Liebe“ an, sie heißen „BÄÄÄÄÄM!“ oder „Unten im Meer“. Pickerd verkauft „Lieblingsstreusel“ mit den Namen „Knallkonfetti“, „Shine like a star“ oder „So Glamorous“ und Dr. Oetker mischt für die „Easter Party“ Hasen, Möhrchen und Perlen.  

Gründer-Schwestern sind das Gesicht der Marke 

Für die Super-Streusel-Gründerinnen ist das eine Bestätigung ihrer Arbeit: „Das Produkt ist das eine. Aber die Welt, die wir dazu erschaffen haben, und die Tatsache, dass wir aus Streuseln ein Erlebnis machen, bleibt einzigartig“, ist Sichting überzeugt. Gemeinsam mit ihrer Schwester ist sie auch das Gesicht der Marke nach außen, spricht auf der Instagram-Seite von Super Streusel in die Kamera, teilt dort Fotos und Videos von den Geburtstagen ihrer Kinder, von sich im Einhornkostüm und in der Küche. Das schafft Vertrauen, macht die Marke greifbar und baut Nähe auf.  

Wem das nicht reicht, der kann am Firmensitz in „Streuselhausen“ in die Welt der Streusel eintauchen; im wahrsten Sinne des Wortes: in der Streuselbadewanne, randvoll mit bunten Zuckerstreuseln – ein Meer aus Glitzer, Perlen und Konfetti. Es ist ein farbenfrohes Markenmanifest, das zeigt: Hier geht es nicht um Backdekor. Hier geht es um echtes Glück.

(jag, Jahrgang 1980) ist freie Autorin und in der Marketingwelt zuhause. Seit ihrem Studium begeistert sie das Thema, denn es steht einfach nie still! Was heute ein Trend ist, kann übermorgen Standard sein – oder wieder weg vom Fenster. Als waschechte Münchnerin ist sie ihrer Heimat natürlich (mit Ausnahmen in Frankreich und Regensburg) treu geblieben: #schönstestadtderwelt!