Die Geschichte hinter dem Markennamen Babybel 

Wie ein kleines rotes, rundes Ding erst die Welt und dann Mallorca eroberte. Bei dieser Marke gilt der Lehrsatz „Mit Nahrungsmitteln spielt man nicht!“ ausnahmsweise einmal nicht. 
Das Abziehen des Wachses erzeugt einen kleinen „Peel-Moment“: Dieses haptische Ritual macht das Produkt emotional stärker als normalen Käse im Papier.
Das Abziehen des Wachses erzeugt einen kleinen „Peel-Moment“: Dieses haptische Ritual macht das Produkt emotional stärker als normalen Käse im Papier. (© Bel Group, Montage: Wolfram Esser)

Beim Namen Babybel denken die meisten an die kleinen, rotummantelten, runden Käsestücke im 20-Gramm-Format, die meist im Plastiknetz im halben Dutzend angeboten werden. Der Hersteller nennt sie formal Mini-Babybel. Die gibt es seit 1977, während größere Babybels mit 200 Gramm und 380 Gramm bereits in den 1950er-Jahren eingeführt wurden. 

Das Besondere an diesem Käse ist seine dicke, rote, dem Kerzenwachs ähnliche Paraffinhülle. Diese Ummantelung wurde bei der größeren Babybel-Version 1952 in Frankreich eingeführt und war damals ziemlich revolutionär. Sie übernimmt vor allem folgende drei Funktionen: 

1. Schutz vor Austrocknung 

Das Wachs wirkt wie eine zusätzliche Versiegelungsschicht. Es hält Feuchtigkeit im Käse und schützt ihn vor Luft, damit er nicht austrocknet. 

2. Längere Haltbarkeit ohne Kühlung 

Gerade früher war das ein riesiger Vorteil: Durch den Paraffinüberzug konnte Babybel mehrere Tage ungekühlt transportiert und gelagert werden. Die damalige Werbung nannte bis zu zehn Tage ohne Kühlung. Anfang der 1950er-Jahre waren elektrische Kühlschränke für viele noch ein Wunschtraum. 

3. Hygiene & Portionierung 

Jede Portion ist einzeln versiegelt, ideal für Schule, Reise oder Picknick. Das war in den 1950ern eine ziemlich moderne Verpackung, insbesondere gegenüber den sonst üblichen Portionen aus großen Käselaiben, die erst herausgeschnitten und separat eingepackt werden mussten. 

Das Cleverste an diesem Verpackungs- und Portionierungskonzept waren aber die Farbe und Haptik. Rot ist auffällig, spielerisch und extrem wiedererkennbar. Die Marke wollte bewusst mit traditionellen Käsekonventionen brechen und den Käse fast wie ein kleines Geschenk oder Spielobjekt wirken lassen. Die Hülle ist also nicht nur Verpackung, sondern ein zentraler Teil der Markenidentität geworden, fast so ikonisch wie die Form selbst. 

Der eigentliche Geniestreich 

Das Abziehen des Wachses erzeugt einen kleinen „Peel-Moment“: Dieses haptische Ritual macht das Produkt emotional stärker als normalen Käse im Papier. Marketingpsychologisch ist das brillant, weil die Marke dadurch multisensorisch wirkt. Kinder lieben es, und in Erwachsenen weckt es nostalgische Gefühle. Oft erinnert man sich an das Auspacken eher als an den Geschmack. 

Der Name ist schnell erklärt: „Baby“ steht für klein und „Bel“ stammt vom Hersteller, der Bel Group (früher Fromageries Bel), deren Name wiederum auf die Gründerfamilie namens „Bel“ Bezug nimmt. Die Wortmarke Babybel wurde schon vor dem Zweiten Weltkrieg von dieser Käserei angemeldet, aber erst ab 1952 in Verbindung mit dem rot verpackten Käse zum Kult. 

Name wird zum Kulthit am Ballermann 

Dieser Kult schaffte es sogar zum Ballermann nach Mallorca. 2025 erzielte der Hit „Baby Bell“ des Schlagersängers Breitner (bürgerlich David Schuling) über 15 Millionen Streams. Der nicht ganz politisch korrekte Refrain lautet: „Zieh dich aus wie’n Babybel und dann Baby, Baby bell Wa-wau, wau, wau, wa-wau…“. Bei Live-Auftritten trägt der Sänger meist auch ein Kostüm in Form einer riesigen Babybel-Verpackung. 

In Deutschland wird die Marke Babybel nur noch als Mini-Babybel in Sechser- und Neunerpacks sowie als Mini-Rolls und abgepackt in Scheiben verkauft. Allerdings sind inzwischen einige Diversifizierungen und neue Farben hinzugekommen. So gibt es jetzt eine fettreduzierte Version in hellblau (Babybel Balance), eine Emmentaler-Version in gelb, eine mit Cheddar-Geschmack in violett und Babybel High Protein in schwarz. 

Ikonisch bleibt aber die rote, leicht abgeflachte kleine Kugel, die in über 50 Ländern weltweit erhältlich ist. Sie ist der Beweis, dass gutes Marketing auch an als absolut empfundenen Lehrsätzen kratzen darf wie: „Mit Nahrungsmitteln spielt man nicht!“ 

Dr. Bernd M. Samland ist Gründungsgeschäftsführer von Endmark und verantwortet seit 30 Jahren die Entwicklung von mehr als 2500 Markennamen. Er ist Fachbuchautor sowie Lehrbeauftragter und Gastdozent an mehreren deutschen und österreichischen Hochschulen. Sein Buch zur Kolumne titelt „Warum heißt die Marke so“ und ist mit einhundert der besten Storys zu bekannten Markennamen bei Heel / dfv erschienen.