Das Rebranding von Snickers im Check: Type first 

Ein Schokoriegel lehrt uns gerade, was Brand Design 2026 bedeutet: Wer keine maßgeschneiderte Typografie hat, verschenkt Potenzial. Snickers präsentiert ein Design, das die Social-Media-Bubble sprengt.
Du bist nicht du, wenn du keinen Custom Font hast: Beim neuen Markenauftritt von Snickers dreht sich alles um die neue Schrift, um klare Kanten, pure Formen und harte Kontraste.
Du bist nicht du, wenn du keinen Custom Font hast: Beim neuen Markenauftritt von Snickers dreht sich alles um die neue Schrift, um klare Kanten, pure Formen und harte Kontraste. (© Studio Drama, JKR, Montage: Wolfram Esser)

Beim Namen Snickers denken alle an Erdnüsse, Karamell und Schokolade. Und die Lust auf astronomisch viel Zucker und chemische Appetitmacher lässt dem einen oder anderen das Wasser im Munde zusammenlaufen. Grafikdesigner hingegen denken bei Snickers ab jetzt wohl eher an Strichstärken, Abschwünge und Kerning (das hat nichts mit Nüssen zu tun, btw). Aber Spaß beiseite. Wir schauen uns hier einen Redesign-Best-Case an – und der ist in der Tat lecker.

Nicht neu, aber besser als je zuvor

Die Mars Corporation ist ja nicht gerade als globaler Brand-Innovator bekannt, sehr wohl aber als Champion für Markenpflege. Am Beispiel des neuen Snickers-Brand-Refreshs treten sie wieder den Beweis an. Das Ganze ist very 2026: mit einer maßgeschneiderten Typografie, abgeleitet aus dem Logo – das nebenbei ebenfalls überarbeitet wurde.

Grundsätzlich ist der Markenauftritt mit der ikonischen Farbpalette nicht komplett neu. Aber durch die Details und den grafischen Purismus, den die Typoschmiede Studio Drama in New York durch ihre Arbeit nun hinzugefügt hat, wirkt Snickers nicht mehr wie ein Design-Relikt aus den 2000ern, sondern aktueller denn je. Alles dreht sich um die neue Schrift, um klare Kanten, pure Formen und harte Kontraste, eben perfekt abgestimmt auf die notwendigen, durch Social Media geblurrten Sehgewohnheiten. Ein Design, das die Bubble sprengt.  

So tritt eine echte Markenikone auf! 

Für die neue Kampagne, die das Design und die neue Schrift erstmals in den USA präsentiert, ist Jones Knowles Ritchie aus London verantwortlich. Die Kreativagentur setzt den puristischen Duktus in Illustrationen, Layout und Bildsprache konsequent fort. Der neue Snickers-Custom-Font ist in mehreren Schnitten verfügbar und für bis zu 600 Sprachen weltweit ausgelegt. Ein Beweis dafür, welche Power Typografie heute immer noch – und wieder – hat. 

Type first, alles andere kommt danach 

Dieser Type-first-Design-Ansatz passt genau in den aktuellen Trend, über Custom Fonts die Markensprache in den immer diverser gefächerten Kanälen eindeutiger und prägnanter zu machen. Es gibt hunderte Beispiele – von globalen Premiummarken wie Mercedes und Montblanc über amerikanische Ikonen wie Burger King oder Amazon bis zu Start-ups wie Yfood.  

Man kann sagen: Jede Marke, die 2026 etwas auf sich hält, hat eine maßgeschneiderte Typografie, die zur Logotype Bezug nimmt. Wer es anders macht, verschenkt einfach Potenzial. Diese Erkenntnis ist nun also auch bei Schokoriegeln angekommen. Das macht doch Hunger auf mehr. 

Heinrich Paravicini ist Co-Gründer und Chief Creative Officer von Mutabor, Designagentur und Markenberatung mit Sitz in Hamburg, München und Berlin. Mit mehr als 180 Mitarbeiter*innen gehört Mutabor heute zu den größten unabhängigen Agenturen der Kreativbranche in Deutschland. Paravicini lebt und arbeitet in Hamburg und überall dort, wo Mutabor-Projekte entstehen.