So erobert One Piece das Marketing 

Was früher Harry Potter oder Marvel war, ist heute One Piece. Die Manga- und Anime-Serie begeistert weltweit ein Millionenpublikum. Diverse Marken wie Netflix, Mercedes AMG oder Borussia Dortmund sind mit von der Partie.
Viele Marken haben bereits Kooperationen mit One Piece gestartet. Eine davon ist Borussia Dortmund.
Viele Marken haben bereits Kooperationen mit One Piece gestartet. Eine davon ist Borussia Dortmund. (© Borussia Dortmund)

Bereits 1997 erschien das erste Kapitel von One Piece in der japanischen Manga-Anthologie „Shonen Jump“. Heute gehört Mangaka Eiichiro Oda, der Schöpfer der Serie, mit 517 Millionen verkauften Exemplaren zu den zehn meistverkauften Autoren der Menschheitsgeschichte. 

One Piece bietet also eine gigantische Zielgruppe, die auch für Marken attraktiv ist. 

Mehr Animes im Streaming – Netflix springt auf den One Piece Zug 

Ob es One Piece ist oder eine der unzähligen K-Pop-Bands – in der „westlichen“ Popkultur tummeln sich immer mehr asiatische Player. Die Zuschauerzahlen für Animes steigen seit Jahren an. Das einstige Image als „Kinderzeichentrick“ scheint dem ernsten Ton einiger Serien nicht mehr gerecht zu werden. 

Diese Entwicklung schlägt sich auch bei den großen Streamingdiensten nieder. Traditionell finden sich Animes auf eigenen Streamingportalen wie Crunchyroll. Doch seit einigen Jahren nehmen auch Netflix und Co. vermehrt Animes in ihr Portfolio auf oder geben sogar eigene Serien und Filme in Produktion. 

Im Fall von One Piece ist der Streamingdienst Netflix noch einen Schritt weiter gegangen. Die Plattform hat die Reichweite der Show erkannt und sich entsprechend angeeignet. Netflix sicherte sich das Recht, die wöchentlichen neuen Folgen des Anime bei sich veröffentlichen zu können. Die inhouse produzierte Life-Action-Serie aus dem Jahr 2023 gehört zu Netflix‘ Vorzeigeprojekten und überzeugt die Zuschauerinnen und Zuschauer. Zusätzlich plant der Streamingdienst ein Remake mit neuem Animationsstudio.  

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Netflix-Trailer zu den neuen Folgen der Serie, die seit April wöchentlich bei dem Streamingdienst erscheinen. (Quelle: YouTube)

One Piece und der Sport – alles ist möglich! 

In der Serie geht es um den Piraten Monkey D. Ruffy und seine Crew, die auf der Suche nach dem One Piece die Welt bereisen, doch dabei sind sie nicht die einzigen. Im sogenannten Shonen-Anime geht es vor allem um actionreiche Kämpfe, nicht zuletzt gegen Widersacher, die eigentlich stärker sind als die Helden der Show. Kameradschaft, Mentalität, Kampfgeist und Entschlossenheit sind entsprechend zentrale Themen. Fast schon zugeschnitten auf Sportvereine, die als Mannschaft mit ihren Fans auch große Ambitionen hegen und umkämpften Titeln nachjagen. 

So verwundert es nicht, dass einige bekannte Namen aus der Sportwelt One Piece in ihre Kommunikation eingebunden haben. Am größten ist es der Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund angegangen: Zu seinem Heimspiel am 30. März startete der Verein eine Kooperation mit dem Animations-Studio Toei, das hinter One Piece steht. Neben dem Borussen-Maskottchen, der Biene Emma, tanzte auch eine Figur aus dem Anime durch das Stadion und es wurden limitierte Sammelkarten verteilt. Bereits vergangenes Jahr waren die Borussen während ihrer Asia-Tour mit einem One Piece x BVB Tour-Bus unterwegs. 

Anfang dieses Jahres hatte auch der US-Basketball-Club Los Angeles Lakers eine One-Piece-Kooperation gestartet und dazu einen animierten Basketball-Clip des Serien-Protagonisten Ruffy in Lakers-Uniform veröffentlicht. Das Mercedes AMG Formel 1 Team postete vor etwa einem Monat ein Bild ihres Fahrers Kimi Antonelli, wie er eine Ausgabe des Mangas liest. 

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Los Angeles Lakers x One Piece. (Quelle: YouTube)

Zurück nach Deutschland und zum Fußball: Dortmunds Erzrivale Bayern München wollte auch Teil der One-Piece-Community werden und postete ein KI-generiertes Bild von seinen Spielern im One-Piece-Look. Das kam bei den Fans jedoch weniger gut an, da sich dafür auf KI statt auf echte Kunst verlassen wurde. 

Authentizität und echte Handwerkskunst 

Authentizität ist ein entscheidender Punkt, den Marken begreifen müssen, wenn sie One Piece‘ Popularität nutzen wollen. Die Reihe war schon immer für seinen einzigartigen Zeichenstil bekannt, vielleicht auch ein Grund für den Erfolg in der „westlichen“ Kultur.  

Schöpfer Eiichiro Oda griff schon oft auf Cartoon-Elemente zurück. Neuerdings treibt es sein Animations-Studio aber noch eine Spur weiter – mit aufwendigeren Animationen, farbenfrohen Bildern und einer Liebe zum Detail. Ein klares Signal gegen den zunehmenden Trend computergenerierter 3D-Animation. 

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Ein aktueller Ausschnitt aus dem One-Piece-Anime. (Quelle: YouTube)

Warum nicht irgendein anderer Anime? 

Der Manga und der Anime stammen beide noch aus dem letzten Jahrtausend. Warum wächst also gerade jetzt, nach mehr als 20 Jahren, die Zahl der Kooperationen und Projekte? In der Fangemeinde ist One Piece als einer der „Big 3“ bekannt – drei Manga- beziehungsweise Anime-Serien, die um die Jahrtausendwende starteten und sich großer Beliebtheit erfreuen. Was ist mit den anderen beiden? 

Der entscheidende Faktor ist, dass One Piece bis heute nicht beendet ist. Andere Serien fanden ein Ende und können nur noch versuchen, über Spin-offs oder Sequels an den Erfolg alter Tage anzuknüpfen. One Piece hingegen zieht sich seit über 20 Jahren wie eine Konstante durch das Leben seiner Fans, während immer mehr hinzukamen, um die Geschichte weiterzuverfolgen. Ein idealer Anknüpfungspunkt für Marken, die sich ebenfalls unaufhörlich weiterentwickeln wollen.  

Maurice Mühlberg (mm, Jahrgang 2003) ist seit August 2024 Werkstudent bei der absatzwirtschaft. Geboren und aufgewachsen nahe Leipzig, widmet er sich nun dort seinem Politikwissenschaftsstudium. Er ist zudem ehrenamtlich als Ressortleiter im Sportressort der Leipziger Hochschulzeitung „luhze“ aktiv.