Sensorisches Marketing: So arbeiten Hotels und Beauty-Brands zusammen 

Wie entscheidend ein Detail im Hotelzimmer sein kann, zeigt die Auswahl der richtigen Seife. Womit wäscht man sich im Hotel Zoo Berlin und im St. Oberholz Retreat die Hände und wie wichtig ist sensorisches Marketing?
Sensorisches Marketing: Das Hotel Zoo Berlin kooperiert mit der Duftmarke April Aromatics.
Sensorisches Marketing: Das Hotel Zoo Berlin kooperiert mit der Duftmarke April Aromatics. (© Hotel Zoo Berlin)

Eine Hotel-Experience beginnt nicht erst beim Check-in und endet genauso wenig beim Check-out. Es geht nämlich nicht nur um eine Übernachtung, sondern um eine holistische Erfahrung, die im besten Fall alle Sinne anspricht. Das mag vielleicht etwas hoch gegriffen klingen, doch spätestens, wenn man mal in einer Hoteldusche stand und sogar das Shampoonieren zum sensorischen Erlebnis wurde, weiß man, was damit gemeint ist.  

Für Hotels kann die Auswahl der Beauty-Brands, mit denen sie kooperieren, essenziell sein. Dahinter steckt nämlich selten Willkür, sondern eine gut gewählte Zusammenarbeit, bei der nicht nur Zielgruppen und Werte, sondern auch die Vorstellung eines holistischen Hotelbesuchs übereinstimmen.  

Ein holistisches Konzept mit eigenen Produkten 

Aus diesem Grund hat sich das Hotel Zoo Berlin dafür entschieden, den Gästinnen und Gästen ein authentisches Dufterlebnis zu bieten – das in Zusammenarbeit mit April Aromatics konzipiert und realisiert wurde. General Manager Karolin Brückner erklärt: „Wir legen Wert darauf, mit lokalen Unternehmen, Künstlern und Handwerkern zusammenzuarbeiten, um die Atmosphäre des Hotel Zoo Berlin zu unterstreichen. Tanja Bochnig, die Gründerin von April Aromatics, war früher Model in New York und ist heute als Duftkreatorin bekannt. Ihre exklusiven Düfte und Badeprodukte passen perfekt zu unserer Vision.” 

Eigene Produkte und eigenes Design aus der Kooperation mit April Aromatics. (© Hotel Zoo Berlin)
Eigene Produkte und eigenes Design aus der Kooperation mit April Aromatics. (© Hotel Zoo Berlin)

Im Hotel selbst ist dieses sensorische Konzept hautnah zu erleben – es reicht von der Lobby bis ins Hotelzimmer. “Die Kollektion umfasst hochwertige Pflegeprodukte wie Shampoo, Conditioner, Duschgel, Body Lotion und Seife – alles mit einem eigens für unser Hotel kreierten Duft und Branding mit eigens entwickeltem Logo”, sagt Karolin Brückner.  

Eine Seife als Signature-Element 

Eine weitere Synergie dieser Art stammt ebenfalls aus Berlin – genauer gesagt vom Rosenthaler Platz. Dort ansässig sind sowohl das St. Oberholz, das als Co-Working-Café begann und inzwischen sogar einen Retreat-Ort in Brandenburg geschaffen hat, als auch Daluma, eine Brand für Healthy Food und Hautpflege.  

Daluma-Gründer Lukas Bossert erklärt, dass diese Zusammenarbeit im Grunde genommen naheliegend war – und das nicht nur, wegen der lokalen Verbundenheit. Ein zentraler Aspekt sei die gemeinsame Philosophie in Bezug auf Qualität und Nachhaltigkeit gewesen.  

Nachhaltige Pflegeprodukte in nachhaltiger Umgebung, die Vision der Kooperation von Daluma und dem St. Oberholz. (© Daluma)
Pflegeprodukte in nachhaltiger Umgebung – das ist die Vision der Kooperation von Daluma und dem St. Oberholz. (© Daluma)

“Unsere Produkte werden ohne Weichmacher und Silikate hergestellt – das passt perfekt zu einem Hotel, das sich bewusst für einen Rückzugsort in der Natur entschieden hat, fernab vom Berliner Alltagsstress”, sagt er. An diesem Ort, dem St. Oberholz Retreat Woldzegarten, ist die Handseife mit Peelingeffekt von Daluma eines der Signature-Produkte, deren Duft an einen Waldspaziergang erinnert. Tatsächlich bestätigen auch die Gästinnen und Gäste diese Wahrnehmung – Ansgar Oberholz erhält oft das Feedback, wie toll das Retreat selbst und die Seife seien. Ein Detail, das in Erinnerung bleibt. 

Der erste Schritt für diese Zusammenarbeit ging vom St. Oberholz aus. Beide Brands hätten sich in den letzten Jahren rasant entwickelt und als Ansgar Oberholz gemeinsam mit Co-Gründerin Koulla Louca das Konzept für das Retreat Woldzegarten entwickelte, waren sie natürlich auch auf der Suche nach einer Beauty-Brand: “Wir haben uns verschiedene Partner für Seifen und Kosmetika angeschaut. Zu dem Zeitpunkt wussten wir gar nicht, dass Daluma auch diese Produkte hat. Koulla, meine Mitgründerin, ist einfach zufällig im Store am Rosenthaler Platz gewesen, und hat dann sofort gesehen, dass dies die beste Marke ist, die zu unserem Retreat Konzept passt.” 

Sensorisches Marketing steigert die Markenbekanntheit 

Obwohl bei dieser Art von Zusammenarbeit zwischen Hotel und Brand in erster Linie die Experience der Gästinnen und Gäste im Mittelpunkt steht, gibt es weitere Benefits. Lukas Bossert erklärt: “Da im Retreat Gesichtsbehandlungen mit unseren Produkten angeboten werden, gibt es einen ‘Kennenlern-Faktor’. Wer dort ein Facial bucht, kommt in direkten Kontakt mit unserer Skincare – und das führt oft dazu, dass Gäste die Produkte später selbst nutzen oder weiterempfehlen.”  

Sensorisches Marketing funktioniert über eindrückliche Sinneserfahrungen. (© Daluma)
Sensorisches Marketing funktioniert über eindrückliche Sinneserfahrungen. (© Daluma)

Diese bewusste Wahrnehmung für ihre Produkte wollen sie auch in anderen Hotels kreieren. Aktuell kooperieren sie mit den Amano Hotels und arbeiten an Kooperationen mit dem Fontenay in Hamburg, dem Rosewood in München und dem Adlon in Berlin. So hat sich die Markenbekanntheit von Daluma in den mehr als zehn Jahren seit der Gründung über den Rosenthaler Platz hinaus entwickelt und bleibt dank sensorischem Marketing auch außerhalb von Berlin im Kopf beziehungsweise in der Nase.  

Auch Karolin Brückner weiß um die Symbiose und die Vorteile für Hotel als auch Beauty-Brand: “Wir profitieren von der exklusiven Duftsignatur, die unser Markenerlebnis abrundet und uns von anderen Hotels abhebt. Gleichzeitig erhält April Aromatics eine besondere Bühne, um ihre hochwertigen, natürlichen Düfte einem internationalen Publikum zu präsentieren.” 

Einflüsse, die einen messbaren Unterschied machen 

Dieser Erfolg zeigt sich nicht nur in der emotionalen Bindung der Gästinnen und Gäste, sondern auch in messbaren Werten: “KPIs wie Gästezufriedenheit, Markenwahrnehmung und potenzielle Umsätze durch den Verkauf der Produkte sind hier zentrale Messgrößen. Zudem spielt die kontinuierliche Weiterentwicklung der Partnerschaft eine Rolle, um die Zusammenarbeit nachhaltig und für beide Seiten wertvoll zu gestalten”, ergänzt Karolin Brückner.  

Sensorisches Marketing kann also als ein Triptychon aus Hotel, Beauty-Brand und den Gästinnen und Gästen interpretiert werden – schließlich entsteht eine Art olfaktorisches Kunstwerk, das teilweise unbemerkt bleibt und teilweise entscheidend für die wiederholte Buchung eines Hotels sein kann. 

(eb, Jahrgang 1993) ist freie Journalistin und kam vom Modejournalismus über Umwege zum Wirtschaftsjournalismus. Sie kann sich schnell für neue Themen begeistern, führt am liebsten Interviews und hasst Stillstand – was das Pendeln zwischen Bayern und Berlin umso leichter macht.