Das Berliner Start-up KoRo hat sich in den vergangenen gut zehn Jahren vom unbekannten Newcomer zum relevanten Akteur in der deutschen Lebensmittelbranche entwickelt. Die Marke ist vor allem für Nüsse und Trockenfrüchte bekannt, teilweise in Großpackungen. Zudem gibt es Snacks wie Riegel und Nussmuse. Mit einem Sortiment, das zu 99 Prozent vegetarisch und zu 89 Prozent vegan ist, hat sich KoRo auf pflanzliche Ernährung fokussiert. Dadurch spricht das Start-up eine zunehmend gesundheits- und umweltbewusste Zielgruppe an.
Der Erfolg von KoRo basiert jedoch nicht nur auf seinem Produktangebot. Auch die zu Beginn eingeschlagene Strategie des Direktvertriebs, die enge Bindung zur eigenen Community und eine gezielte Markenführung haben zur Etablierung des Unternehmens in einem wettbewerbsintensiven Markt beigetragen. Der Wachstumsmotor der vergangenen drei bis vier Jahre war die nun eingeschlagene Omnichannel-Strategie. Sie hat KoRo sowohl im digitalen als auch im stationären Handel stark positioniert.

Direktvertrieb und digitale Markenführung als Schlüssel zum Erfolg
„Das Geheimnis unseres Erfolgs liegt im direkten Kontakt zu unseren Kundinnen und Kunden“, erklärt KoRo-CEO Florian Schwenkert im Gespräch mit der absatzwirtschaft. Das Unternehmen wurde 2014 mit einem Online-First-Ansatz gegründet. Die Entscheidung, den Vertrieb über digitale Kanäle zu steuern, war ein strategischer Schritt. Dieser Schritt legte den Grundstein für den späteren Erfolg. Der direkte Draht zu den Konsumenten über die eigene Website und soziale Medien hat es KoRo ermöglicht, frühzeitig auf Trends zu reagieren. So konnten innovative Produkte direkt am Puls der Zielgruppe entwickelt werden.
Durch die Nähe zur Community konnte das Unternehmen schnell eine loyale Anhängerschaft aufbauen. Diese kauft nicht nur regelmäßig, sondern teilt auch aktiv Inhalte und unterstützt das Unternehmen auf sozialen Plattformen. Zudem bringt sie Impulse für die Produktentwicklung ein. „Wir sind ständig im Austausch mit unseren Kundinnen und Kunden. Das hat uns geholfen, schnell auf Veränderungen zu reagieren“, sagt Schwenkert. Dieser schnelle, direkte Kommunikationsfluss sei ein wesentliches Element der heutigen KoRo-Marketingstrategie.
Authentizität und Transparenz als Grundpfeiler
KoRo war früh ein Vorreiter im Bereich Influencer Marketing. Bereits zu Beginn der Unternehmensgeschichte versandte das Start-up Pakete an einzelne Personen. Diese wurden eingeladen, die Produkte einfach auszuprobieren und ihre Erfahrungen zu teilen. „Wir haben den Influencern nie Vorschriften gemacht, wie sie unsere Produkte zeigen sollen“, erklärt Schwenkert. „Das hat zu einer Authentizität geführt, die wir bis heute schätzen.“ Diese Authentizität ist aus seiner Sicht der Schlüssel, um Vertrauen bei der Zielgruppe aufzubauen. Dieses Vertrauen hat die Marke letztlich zu einer etablierten Größe im E-Commerce gemacht.

Neben Influencern setzt KoRo auch auf Transparenz in der Kommunikation. Fehler werden offen zugegeben und Produkte, die nicht den Erwartungen entsprechen, werden zeitnah aus dem Sortiment genommen. Diese Offenheit hat der Marke nicht nur das Vertrauen ihrer treuen Kunden gesichert. Sie hat auch eine solide und transparente Markenwahrnehmung gefördert.
Vom Direktvertriebler zum omnipräsenten Anbieter
Doch KoRo beschränkte sich nicht auf den digitalen Vertrieb. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen auch den Sprung in den stationären Handel gewagt. Heute sind KoRo-Produkte neben den Lebensmittelketten wie Edeka und Rewe auch in Drogeriemärkten wie dm und Rossmann zu finden. Es gibt sie auch in den Bordrestaurants der Deutschen Bahn und auf Eurowings-Flügen.
Seinen ersten großen Umsatzsprung verzeichnete das Unternehmen zu Beginn der Corona-Pandemie: Aufgrund der steigenden Nachfrage bei Online-Lebensmitteln vervierfachte sich der Umsatz von 5 Millionen Euro im Jahr 2019 auf 21 Millionen Euro im Jahr 2020. In den folgenden Jahren verzeichnete KoRo hohe zweistellige Zuwachsraten. 2024 lag der Umsatz bei 175 Millionen Euro, eine Steigerung um 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2023: 117 Millionen Euro). Das Unternehmen war 2024 nach eigenen Angaben operativ profitabel, in den Jahren davor verbuchte es einstellige Millionenverluste. Die Mitarbeiterzahl wuchs auf aktuell rund 300 an.
Die Entscheidung für den stationären Verkauf war mit vielen Herausforderungen verbunden. Schwenkert schildert, dass das Unternehmen zunächst unterschätzte, wie anders der Einzelhandel funktioniert: „Wir kamen mit der Flexibilität und den direkten Reaktionen aus dem E-Commerce. Wir dachten, dass das auch im stationären Handel funktionieren würde. Doch dort sind andere Prozesse nötig, vor allem in Bezug auf Lieferzuverlässigkeit und Kommunikation.“
Nach ersten Hürden hat KoRo gelernt, sich auch im Einzelhandel zu behaupten. Das Unternehmen hat das Sortiment angepasst und ein Teil der Großpackungen verkleinert, um den Erwartungen der Einzelhändler gerecht zu werden. Der Erfolg zeigt sich: KoRo konnte sowohl online als auch offline stark wachsen, ohne dabei seine ursprünglichen Prinzipien zu verlieren.
Krisenresistenz durch Diversifikation und Community
In den letzten Jahren hat KoRo nicht nur im Vertrieb, sondern auch in der Produktpalette stark diversifiziert. Diese Diversifikation hat dem Unternehmen geholfen, Risiken zu streuen und in Krisenzeiten resilient zu bleiben. Mit Beginn des Ukrainekriegs endete gleichzeitig Corona als dominierendes Thema. „Die Kombination aus weit verbreiteter Verunsicherung bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern und einer deutlichen Rückkehr zum Offline-Shopping nach Covid ließ unsere Kundenakquisitionskosten explodieren“, erinnert sich Schwenkert.
Das Unternehmen konnte mit seinem wachsenden Offline-Kanal einen zusätzlichen Umsatztreiber nutzen. „Diversifikation ist das, was uns auch durch Krisen hilft“, erklärt der CEO. „Wenn es in einem Bereich mal schlechter läuft, kompensieren andere Märkte oder Produktkategorien das oft.“
Diese breite Aufstellung über verschiedene Kanäle und Märkte hat KoRo nicht nur geholfen, Krisen zu meistern, sondern auch sicherzustellen, dass das Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig bleibt. Schwenkert ist sich sicher: „Die Nachfrage nach gesunden, natürlichen Lebensmitteln wird in den kommenden Jahren nicht abnehmen. Und genau da wollen wir weiterhin mit unseren Produkten ansetzen.“
Blick in die Zukunft
KoRo hat auch in der Zukunft große Pläne. Florian Schwenkert blickt optimistisch auf die kommenden Jahre. Er betont, dass das Unternehmen weiterhin auf eine enge Bindung zur Community und auf Transparenz setzen wird. „Wir müssen immer an uns arbeiten und uns weiterentwickeln“, sagt er. „Die Zeiten ändern sich, aber die Grundwerte, die KoRo ausmachen, werden immer die gleichen bleiben.“
