Kleine Onlinehändler besorgt wegen neuer Bezahlregeln

Das Bezahlen beim Einkaufen im Internet soll sicherer werden, aber auch aufwendiger. Nicht nur Verbraucher, auch Kreditinstitute und Online-Händler müssen sich darauf einstellen. Die Frist dafür sollte eigentlich am 14. September ablaufen. Nun gewährt die Bafin allerdings eine Übergangsfrist.
Kreditkartennummer, Ablaufdaten und Prüfnummer reichen künftig nicht mehr aus. (© Rupixen/Unsplash)

Mit wenigen Klicks im Internet shoppen und bequem mit der Kreditkarte zahlen – künftig wird das komplizierter. Neben den Daten auf der Kreditkarte sollen Käufer sich auch mit einem weiteren Sicherheitsmerkmal wie einem Zusatz-Passwort oder einem Fingerabdruck per Smartphone identifizieren. Mancher Einkauf könnte dadurch scheitern, weil die Zahlung nicht abgewickelt werden kann – so jedenfalls die Befürchtung des Handels. Denn bei der Umsetzung der neuen Vorgaben knirscht es gewaltig.

Die EU will für mehr Sicherheit beim Onlinebanking und Bezahlen im Netz sorgen. Die Regeln der EU-Zahlungsrichtlinie (PSD 2), die eigentlich ab 14. September gelten, sollen Betrügern das Leben schwerer machen. Verbraucher müssen sich beim Bezahlen und bei Bankgeschäften im Internet daher zusätzlich identifizieren.

Zwei-Faktor-Authentifizierung wird zum Standard

Bisher genügte die Nummer der Kreditkarte, deren Ablaufdatum und der dreistellige Prüfcode beim Bezahlen im Netz, ein zusätzliches Element ist aus Sicherheitsgründen erforderlich. Jetzt muss noch ein zweiter Faktor hinzukommen, zum Beispiel eine Tan (Transaktionsnummer), ein Passwort, ein per Smartphone übermittelter Fingerabdruck oder Gesichtserkennung. Die bei einigen Banken noch verwendeten TAN-Listen auf Papier sind nicht mehr erlaubt.

„Die Zwei-Faktor-Authentifizierung ist deutlich komplizierter, die wenigsten Verbraucher kennen sie.“
Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland

Viele Händler könnten ihre Internetshops nicht rechtzeitig umstellen, auch gegenüber den Kunden bestehe noch Aufklärungsbedarf, sagt Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland (HDE). „Die Zwei-Faktor-Authentifizierung ist deutlich komplizierter, die wenigsten Verbraucher kennen sie. Der Handel muss sie den Kunden erklären, weil die Banken diese Aufgabe teilweise nur unbefriedigend erfüllen“, kritisiert Binnebößel. Der HDE forderte daher eine einheitliche Übergangszeit von 18 Monaten in der Europäischen Union. Zwar wissen Handel, Zahlungsdienstleister und Kreditinstitute seit Verabschiedung der EU-Richtlinie im Jahr 2015 von den neuen Anforderungen. Doch die technischen Details habe die Europäische Bankenaufsicht (EBA) erst im März 2018 veröffentlicht, diese hätten weitere Fragen nach sich gezogen, beschreibt Binnebößel die Situation.

Dauer der Übergangsfrist noch offen

Die Frist bis zum 14. September ist allerdings seit diesem Mittwoch hinfällig: Die Finanzaufsicht Bafin erlaubt Zahlungen per Kreditkarte im Internet vorübergehend mit den bisherigen einfacheren Sicherheitsbestimmungen. Die Aufseher wollen damit „Störungen bei Internetzahlungen verhindern und einen reibungslosen Übergang auf die neuen Anforderungen“ ermöglichen, wie die Behörde mitteilte.

Weil mancher Anbieter Probleme bei der Umsetzung der europäischen Zahlungsdiensterichtlinie hat, gewährt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) Aufschub. Im Handel bestehe „nach wie vor erheblicher Anpassungsbedarf“, stellte die Bafin fest.

Wie lange die zeitlich befristeten Erleichterungen gelten, die sich ausschließlich auf Kreditkartenzahlungen im Internet beziehen, legte die Bafin nicht fest. Wann sie auslaufen, werde die Bafin nach Gesprächen mit Marktteilnehmern und der Europäischen Bankenaufsicht EBA festlegen. „In der Zwischenzeit erwartet die Bafin, dass alle Beteiligten ihre Infrastrukturen so schnell wie möglich so anpassen.“

Bis 30 Euro Einkaufswert kann Prüfung wegfallen

Der Teufel steckt wie immer im Detail. Banken und Sparkassen, die Kreditkarten ausgeben, legen das zusätzliche Sicherheitselement fest. Sie entscheiden, ob ihre Kunden beim Bezahlen mit der Karte im Netz zum Beispiel zusätzlich ein Passwort, einen Fingerabdruck oder einen Code verwenden müssen, den sie per SMS bekommen. Bei kleineren Einkäufen unter 30 Euro können die Geldhäuser darauf verzichten. Zudem können sie Kunden erlauben, einzelne Internetshops als sicher einzustufen. Dann entfällt das zweite Sicherheitsmerkmal ebenfalls. „Das System der Online-Händler muss all dies berücksichtigen können. Das ist für Händler nicht einfach“, sagt Binnebößel.

Der HDE befürchtete, dass vor allem kleine Onlinehändler unter Druck geraten und Kunden genervt abwandern, wenn ab 14. September das Bezahlen per Kreditkarte im Netz nicht reibungslos funktioniert. „Dadurch könnten große Online-Plattformen ihre Position weiter ausbauen“, warnt Binnebößel. Nach einer Umfrage des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI fürchten generell 82 Prozent der Online-Händler wegen der erhöhten Komplexität mehr Kaufabbrüche.

Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) sprach sich ebenfalls für eine Übergangszeit von mindestens 18 Monaten aus. „Ein Monat vor dem Stichtag, scheitert die Umsetzung der starken Kundenauthentifizierung an technischen Problemen auf Bankenseite“, kritisiert der Verband.

Kreditwirtschaft sieht den Handel in der Pflicht

Die Deutsche Kreditwirtschaft sieht dagegen vor allem den Handel am Zug. Banken und Sparkassen hätten ihre Vorbereitungen zur Umsetzung der Vorgaben frühzeitig angestoßen und nahezu abgeschlossen. „Wichtig ist allerdings, dass auch die Händler mit Onlinegeschäft ihrerseits ihre Vorbereitungen fristgerecht treffen“, erklärt die Interessenvertretung der Spitzenverbände von Banken und Sparkassen. Der Online-Händler entscheide darüber, ob das System unterstützt werde. „Das ist momentan noch nicht in ausreichendem Maße der Fall.“

Nicht auszuschließen also, dass mancher Onlineshopper bald an den neuen Regeln verzweifelt. Es bleibt allerdings immer noch die Möglichkeit, den Einkauf im Netz per Rechnung oder Lastschrift zu bezahlen.

dpa/tht

absatzwirtschaft-Archiv: Bezahlmethoden

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