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Social Shopping: Ein Blick in die Zukunft des Bezahlens

Zahlungen, die auf Social Media Plattformen via Smartphone ausgelöst werden, haben in Deutschland sehr hohe, sicherheitskritische Hürden zu nehmen. In China gehören sie längst zum Alltag. © Imago

China ist internationaler Vorreiter, wenn es um den Einsatz digitaler Technologien geht, im Handel halten neue Vertriebswege wie Social Shopping Einzug. Das hat auch in Deutschland Auswirkungen.

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Von Hakan Eroglu

Chinas Historie als Handelsnation macht sich – ganz abgesehen von den Bestrebungen rund um die Seidenstraße 2.0 – vor allem im Online-Handel bemerkbar. Hier hat die Volksrepublik mit Alibaba, Baidu, JD.com oder Tencent eine ganze Reihe von Handelsplattformen zu bieten, die als digitale Schwergewichte gelten. Einer der Erfolgsgründe dieser Portale ist ihr Aufbau als Ökosystem, also als Verbund unterschiedlicher Unternehmen, die eine gemeinsame Service- und Produktvielfalt anbieten, die ein einzelnes Unternehmen allein nicht anbieten könnte. Alles zum Wohle des Kunden, der diese neue Art der digitalen Bequemlichkeit auch aktiv einfordert.

Autor: Hakan Eroglu ist Zahlungsverkehrsexperte bei Accenture

Die chinesischen Konsumenten – allen voran die nach 1996 geborene Generation Z – haben den Einzelhandel mit ihrem Shopping-Verhalten revolutioniert. Sie folgen populären Influencern und kaufen Produkte, zum Beispiel während Livestream-Demonstrationen, einfach durch Anklicken der Links im Video. Längst sind Social-Media-Kanäle so zu Shopping-Plattformen geworden, über die sehr viel Geld ausgegeben wird. Die Art und Weise wie beim Social Shopping bezahlt werden kann – nämlich friktionslos und einfach – wird dabei zum entscheidenden Erfolgskriterium. Nahezu die Hälfte aller Retail-Zahlungen werden dort via Alipay, TenPay oder WeChat Pay abgewickelt – genutzt von weit über 800 Millionen Chinesen. Das bedeutet aber auch, dass diese 800 Millionen Kunden nicht mehr ausschließlich mit Bank-Dienstleistungen bezahlen. Folglich müssen sich deutsche Finanzdienstleister überlegen, wie sie in Zeiten von Social Shopping mit den Kunden in Kontakt bleiben können.

Der Wunsch des Kunden nach Social Shopping

Social Shopping ist genau deswegen perspektivisch ein Markt mit großen Erfolgschancen. Das Prinzip ist im Wesentlichen nichts Neues: Auch hier bewerben Influencer via Instagram, Snapchat, Facebook und YouTube Produkte. Über das chinesische Videoportal TikTok können Nutzer die in einem Video beworbenen Produkte auch direkt kaufen. Bezahlt oder finanziert wird über die Plattform selbst oder über Schnittstellenanbindungen von Dritten – eben den Ökosystempartnern. Hier steht der Kundennutzen, die Customer Experience und vor allem die Bequemlichkeit einer friktionslosen und voll integrierten Bezahlmöglichkeit im Vordergrund. Etwas, das sich auch deutsche Kunden wünschen. Denn die Kundschaft für solche Dienste ist in Gestalt der Generation Z auch hierzulande schon vertreten. Social Media-Plattformen müssen sich daher verstärkt mit Shopping-Funktionen und Bezahlmöglichkeiten auseinandersetzen, um nicht ins Hintertreffen zu geraten. Regulatorische Vorgaben wie PSD2 und der Trend zu Instant Payments werden diese Entwicklung noch beschleunigen.

Der Check-out im Sozialen Netzwerk

Bei der Ausgestaltung der Bezahlfunktion kommt es vor allem darauf an, dem Kunden Impulskäufe zu ermöglichen. Hier sind zurzeit In-App-Zahlungen das Mittel der Wahl. Via Smartphone kann der Nutzer direkt mit der integrierten Wallet im Hintergrund bezahlen, wobei auch hier meist eine Kreditkarte als Zahlungsmethode hinterlegt ist. Bei den großen Messenger-Plattformen werden sich voraussichtlich Peer-2-Peer-Zahlungsmethoden durchsetzen. Diese Bezahlart wird insbesondere für kleinere Händler und Privatverkäufe immer wichtiger, wenn sie auf Social Media ihre Dienste anbieten möchten.

Bei allen Zahlungsarten gilt eine Besonderheit für den deutschen Markt: Die Bedeutung der Sicherheit der persönlichen Daten. Gerade die Generation Z muss noch vom wirksamen Schutz der Zahlungsdaten und persönlichen Informationen überzeugt werden. Genau dieser Aspekt bietet für die deutsche Bankenbranche einen entscheidenden Vorteil. Zwar bieten Banken hierzulande noch keine schlagkräftigen Alternativen zu Bezahlmethoden großer Tech-Konzerne an, aber ihre eigenen Zahlungsarten mit der damit verbundenen Datensicherheit genießen bei Verbrauchern noch hohes Vertrauen. Ein Vorteil, der nicht verspielt werden darf und Banken eine potenziell zentrale Rolle beim Social Shopping aufzeigt.

Die Aufgaben der Bezahldienstleister

Damit dieses Potenzial genutzt werden kann, müssen Banken verstärkt auf API-Schnittstellen setzen, um ihre Dienste Dritten zugänglich zu machen und sich so auf Handelsplattformen zu integrieren. Oft können auch zusätzlich noch andere Leistungen wie die Kreditvergabe angeboten werden, was jedoch auch von anderen, ursprünglich bankenfremden Marktplayern genutzt werden kann.

Banken müssen daher bessere Zahlungsalternativen für die digitale Plattformökonomie schaffen, wollen sie bald auch in anderen Bereichen ihres Kerngeschäfts mit neuen Wettbewerbern konkurrieren. Die Struktur dafür ist bereits vorhanden, die etablierten Finanzhäuser müssen aber die Vorzüge von PSD2 und Open Banking besser nutzen, und mit Instant Payments sinnvoll verknüpfen. Nur so können auch europaweite Bezahl- und Bankplattformen entstehen, die den Anforderungen der Händler und Kunden beim Social Shopping gerecht werden. Die Öffnung des eignen Leistungsportfolios für andere Unternehmen ist dabei der entscheidende Faktor.

China, Vorbild für Deutschland?

Grundsätzlich kann man sagen, dass das Social Shopping in Deutschland eine völlig andere Form haben wird, als in China. Die Akzeptanz für Technologie ist in China weitaus höher als in Deutschland – vor allem im Zusammenhang mit Zahlungsmethoden. Das Teilen von persönlichen Daten mit Handelsunternehmen wird in China zudem weniger kritisch betrachtet. Zahlungen, die auf Social Media Plattformen via Smartphone ausgelöst werden, haben in Deutschland sehr hohe, sicherheitskritische Hürden zu nehmen. In China gehören sie längst zum Alltag und werden der Bequemlichkeit des Kunden untergeordnet.

Das Potenzial für Social Shopping nach chinesischem Vorbild ist in Deutschland aber in jedem Fall bei der jungen Generation vorhanden. Damit diese Zahlungsmethode auch aus Sicht der Zahlungsanbieter reibungslos funktioniert, muss die Kundenerfahrung beim Bezahlprozess deutlich verbessert werden. Erst dann können deutsche Finanzinstitute den technikaffinen und markenbewussten Kunden und Influencern bei Social-Shopping-Bezahlungen eine Alternative bieten. Bis dahin lohnt es sich, die Entwicklungen in China im Auge zu behalten.

Lesen Sie auch das Titelthema zum chinesischen Markt in unserer aktuellen Print-Ausgabe der absatzwirtschaft, die am 28. Juni erscheint und die Sie hier bestellen können.

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