In eigener Sache: Ein Ende, das nichts Gutes bedeutet

Die Work & Culture-Kolumne in der absatzwirtschaft endet – und nicht nur die. Wer auf die Zukunft der journalistischen Arbeitswelt schaut, muss besorgt sein. 
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Frederic M. Servatius schreibt an dieser Stelle über die moderne Arbeitswelt. (© privat; Montage: Katharina Höhner)

Diese Kolumne ist die 43. Work & Culture-Kolumne, die ich für die absatzwirtschaft schreibe. Und die letzte.

Diese Kolumne endet unfreiwillig. Nicht nur ich hätte sie gerne weiter geschrieben. Auch die Redaktion wollte gerne weitermachen – und hatte ursprünglich schon die nächsten 12 Ausgaben beauftragt. Diese Kolumne endet, weil Journalismus schwer zu finanzieren ist. Das gilt immer mehr auch für Fachjournalismus, wie den der absatzwirtschaft. Für die wird es auf jeden Fall nicht so weitergehen wie bisher.

Warum diese Kolumne unfreiwillig endet

Es steht mir nicht zu, über genaue Hintergründe zu sprechen. Ich denke und hoffe, dass es in den nächsten Tagen oder Wochen auf anderem Wege Infos dazu geben wird. Ich weiß auch nicht, wie die genaue Zukunft der absatzwirtschaft aussehen wird. Oder ob es eine gibt.

Die Veränderungen, die hier anstehen, sind für andere viel schmerzhafter als für mich. Allen voran für das kleine aber leidenschaftliche Redaktionsteam, das sich hier hauptberuflich darum gekümmert hat, dass Tag für Tag über spannende Themen rund um Marken und Kommunikation berichtet wurde.

Wer wie ich als freier Journalist mit unterschiedlichen Redaktionen zusammenarbeitet, sieht, für wie viel Inhalt einzelne Menschen verantwortlich sind. Da erstellen einzelne Menschen ganze Lokalteile. Oder zwei Personen sind für ganze Webseiten verantwortlich. Die Redaktionen sind zu klein. Sie arbeiten zu viel. Und erleben zu viel Druck. Die Erschöpfung ist strukturell: Kein persönliches Versagen, sondern Folge eines Systems, das seit Jahren auf Verschleiß fährt. Und trotzdem machen viele Leute weiter, solange sie dürfen und davon leben können.

KI wird die Kernaufgabe von Journalisten nicht erledigen

Die Redaktionen müssen auch mit dem Zwang umgehen, dass sie durch KI effizienter werden sollen. Was teilweise möglich ist. Aber ein großer Teil der journalistischen Arbeit besteht daraus, eigene Geschichten zu finden, zu recherchieren und Stimmen dazu zu sammeln. Diesen Part kann eine KI nur sehr eingeschränkt übernehmen. Und gleichzeitig, tritt echter Journalismus auch immer mehr in Konkurrenz zu AI Slop, der zwar qualitativ nicht gegen guten Journalismus ankommt – der aber trotzdem Aufmerksamkeit klaut, weil Menschen nur begrenzte Zeit zur Verfügung haben.

Und oft genug geht es mit tollen Medienangeboten dann trotzdem zu Ende.

Für mich ganz persönlich ist das alles halb so schlimm. Zumindest wirtschaftlich. Ich habe mich immer über einen kleinen Nebenverdienst gefreut. Aber es war und ist nicht Kern meiner Arbeit, denn hauptberuflich arbeite ich in einer Digitalagentur.

Für andere ist es deutlich dramatischer: Vom Journalismus leben wird nicht leichter. Das gilt für die Festangestellten, von denen ich eben schon schrieb. Die, die mit wenigen Köpfen komplette und umfangreiche Medienangebote verantworten. Aber es gilt auch für alle Freien. Tolle Kolleginnen und Kollegen sind längst vom Journalismus in verwandte Branchen gewandert. Und machen PR oder Öffentlichkeitsarbeit. Beispielsweise. Weil sie nur so finanziell überleben können. Oder weil das die einzige Chance ist, in einer Festanstellung zu landen.

Es braucht kritische Distanz, nicht nur PR

Man kann es ihnen nicht verübeln, wenn man die Realitäten sieht: Die Redaktionen, denen man als freier Journalist etwas anbieten kann – sie werden weniger. Oft genug bekommt man (selbst von Redaktionen, für die man bereits gearbeitet hat) keine Rückmeldung zum Themenpitch. Ghosting gehört zum Alltag. Die Argumente, um ein Arbeitsleben im freien Journalismus zu verbringen, werden nicht besser.

Doch es braucht eben mehr als PR und Öffentlichkeitsarbeit. Denn das ist immer interessengeleitete Kommunikation. Das Interesse des Journalismus ist ein anderes. Nämlich kritische Distanz zu schaffen. Doch die Plattformen, für Journalismus bei dem Selbstdarstellung nicht der Kern der Arbeit ist: sie werden weniger.

Was können wir nun noch tun?

Als Leser wünsche ich mir: Hütet diese Quellen der Unabhängigkeit. Als Journalist denke ich: Wo soll das noch hinführen? In dieser Kolumne habe ich immer versucht, nicht ständig über mich selbst zu reden, obwohl es ein persönliches Format ist. In dieser letzten Kolumne geht es zwangsläufig auch um mich. Aber viel mehr geht es darum, dass immer weniger der Objektivität verpflichtete journalistische Stimmen Gehör finden. 

Ich werde das mit dieser Kolumne nicht verhindern. Aber ich wollte zum Abschied zumindest noch einmal darauf aufmerksam machen. Damit dieses Ende kein Stummes ist. Und wenn ich zum Abschluss einen Appell äußern darf: Wer diese Worte liest und ein paar Euro übrig hat, der möge sie in Journalismus investieren. Zum Beispiel als Spende für Kolleginnen bei Netzpolitik.org. Als Übonnent bei den Kollegen von Übermedien. Oder bei irgendeinem anderen, qualitativen journalistischen Angebot. Es lohnt sich. Und vielleicht gibt es ja doch auch noch Hoffnung für die absatzwirtschaft. Und den Journalismus allgemein.

Auf eine hoffnungsvolle und kritisch-distanzierte Zukunft. 

(fms, Jahrgang 1993) ist UX-Berater, Medien- und Wirtschaftsjournalist und Medien-Junkie. Er arbeitet als Content-Stratege für den Public Sector bei der Digitalagentur Digitas. Als freier Autor schreibt er über Medien und Marken und sehr unregelmäßig auch in seinem Blog weicher-tobak.de. Er hat Wirtschafts- und Technikjournalismus studiert, seinen dualen Bachelor im Verlag der F.A.Z. absolviert und seit mindestens 2011 keine 20-Uhr-Tagesschau verpasst.