Jüngere Menschen sprechen offener über ihr Gehalt als ältere – doch beim Verhandeln fehlt es an Selbstbewusstsein. Das ist das Ergebnis zweier Stepstone-Studien zu Gehaltstransparenz und Verhandlungsverhalten. Demnach geben knapp drei Viertel (74 Prozent) der unter 30-Jährigen an, offen über ihr Gehalt zu sprechen. Bei den über 30-Jährigen sind es hingegen weniger als die Hälfte (48 Prozent).
Die Gehaltsverhandlung bereitet besonders jüngeren Menschen Bauchschmerzen. Laut der Stepstone-Studie unter 3.800 Kandidat*innen fühlen sich knapp zwei Drittel (61 Prozent) der unter 30-Jährigen unwohl bei Gehaltsverhandlungen. Bei den Menschen über 30 sind es etwas mehr als die Hälfte (54 Prozent).
Trotz Offenheit: Gehaltsverhandlung bleibt für viele unangenehm
Lena Ludwig, Talent Acquisition Manager bei Stepstone, sagt: „Die Gen Z und Millenials sind immer besser darüber informiert, welches Gehalt sie fordern können, da sie sich offener darüber austauschen als ältere Menschen.“
Die Gründe für das flaue Gefühl beim Gehaltsgespräch: 43 Prozent der unter 30-Jährigen geben an, nicht zu wissen, wie sie ihre Gehaltsforderung überzeugend begründen sollen. Das trifft bei den Älteren auf ein Drittel (33 Prozent) zu. Auch den persönlichen Eindruck bei Vorgesetzten sehen gerade Jüngere gefährdet: 42 Prozent der unter 30-Jährigen fürchten, als undankbar wahrgenommen zu werden, während dieser Anteil bei den Älteren bei 28 Prozent liegt.
„Besonders jüngere Arbeitnehmende fühlen sich in Gehaltsverhandlungen häufig überfordert“, erklärt Ludwig. Das sei nachvollziehbar, schließlich fehle es Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern an Berufserfahrung und Praxis im Führen von Gehaltsverhandlungen. Umso wichtiger sei es, gerade ihnen so viele Informationen an die Hand zu geben wie möglich.
Diejenigen, die kein Problem mit Gehaltsverhandlungen haben (17 Prozent), begründen das mit ihren fachlichen Fähigkeiten und Erfahrungen (61 Prozent). Knapp die Hälfte von ihnen (47 Prozent) kann ihre Erfolge an klaren Beispielen belegen und 29 Prozent haben zuvor Gehaltsspannen oder Durchschnittsgehälter online recherchiert – bei den Jüngeren sind es 40 Prozent.
Eine gründliche Recherche und gute Vorbereitung erleichtern also die Gehaltsverhandlung. Dabei nennen Arbeitnehmende vor allem Online-Gehaltsrechner (83 Prozent) und Gehaltsvergleichsseiten (82 Prozent) sowie Gehaltsangaben in Stellenanzeigen (82 Prozent) als besonders hilfreiche Informationsquellen, um sich über den eigenen Marktwert zu informieren. Social Media empfinden sie trotz regelmäßiger Nutzung wenig nützlich (36 Prozent).
So geht man richtig in die Gehaltsverhandlung
„Das beste Rezept für mehr Selbstbewusstsein in der Gehaltsverhandlung ist eine gute Vorbereitung“, betont Ludwig. „Wer seinen Marktwert recherchiert, Gehaltsspannen in Stellenanzeigen als Orientierungswert hinzuzieht, sich konkrete Beispiele für jüngste Erfolge zurechtlegt und sich auf kritische Gegenfragen vorbereitet, erhöht die Chancen auf eine Gehaltserhöhung – auch ohne jahrelange Berufserfahrung.“
Entsprechende Zahlen geben zum Beispiel die Agentur für Arbeit in ihrem Entgeldatlas oder das das Statistische Bundesamt heraus. Demzufolge liegt das mittlere Gehalt für Vollzeitbeschäftigte bei 3.978 Euro brutto pro Monat, das Durchschnittsgehalt bei 4.634 Euro. Einen Unterschied macht neben Geschlecht, Bundesland und Befristung auch die Art das Abschlusses.
Im Rahmen des Gehaltsreports 2025 von Stepstone wurden zwei Studien zum Thema Gehaltstransparenz durchgeführt. In der ersten Studie hat Stepstone zwischen dem 12. und 25. November 2024 rund 8.600 Personen in Deutschland befragt. Darunter waren circa 1.600 Führungskräfte und über 800 Recruiterinnen und Recruiter. Nach Angaben des Unternehmens ist die Befragung ist repräsentativ für die deutsche Erwerbsbevölkerung nach Alter, Geschlecht und Bildung.
In einer weiterführenden Studie hat Stepstone zwischen dem 18. und 23. Februar 2025 rund 3.800 Kandidatinnen und Kandidaten befragt zu der Frage, wie jüngere Talente im Vergleich zu älteren Generationen über Gehaltsverhandlungen denken. Die Studie ist laut der Recruiting-Plattform repräsentativ für die deutsche Erwerbsbevölkerung nach Alter und Geschlecht.
