Facebook beeinflusst Jobwahl stärker als LinkedIn – trotz Fake News und Hassrede

Laut Social-Media-Atlas 2025 spielt Facebook bei der Wahl des Arbeitgebers eine größere Rolle als jede andere Plattform – obwohl es Spitzenreiter bei Fake News und Mobbing ist.
Meta Abtrennung Instagram WhatsApp
Meta steht als Dachmarke über den Apps des Tech-Konzerns wie Facebook, Instagram und Whatsapp. (© Imago / Revierfoto)

Trotz wachsender Kritik an Desinformation und Hassrede bleibt Facebook für viele Deutsche ein wichtiger Faktor bei der Jobsuche. Wie aus dem aktuellen Social-Media-Atlas 2025 hervorgeht, hat sich rund jeder siebte Nutzer von Informationen auf Facebook zu einer konkreten Jobentscheidung bewegen lassen. Damit liegt das Netzwerk noch vor LinkedIn und Xing. Die Studie wird jährlich von der Kommunikationsagentur P.E.R. Agency gemeinsam mit dem IMWF und dem Marktforscher Toluna veröffentlicht.

Ein Viertel aller Social-Media-Nutzer hat sich demnach schon einmal auf Facebook über einen potenziellen Arbeitgeber informiert – mehr als auf jedem anderen Kanal. Auch bei der tatsächlichen Entscheidung für ein Unternehmen liegt Facebook vorn. Zwar sind auch berufliche Netzwerke wie LinkedIn und Xing stark vertreten, doch sie hinken in puncto Reichweite und Nutzung leicht hinterher.

Facebook im Recruiting relevant – trotz sinkender Nutzerzahl

Diese Zahlen stehen im scharfen Kontrast zu den negativen Bewertungen, die Facebook ebenfalls einheimst. 56 Prozent der Nutzer begegnen dort Fake News; mehr als auf TikTok (53 Prozent) oder Instagram (44 Prozent). Auch das Vertrauen in unternehmensnahe Inhalte ist mit Abstand am niedrigsten: Über die Hälfte der Befragten hält diese für wenig oder gar nicht glaubwürdig.

Besorgniserregend sind zudem die Erfahrungen mit Mobbing, Hass und Hetze. Auf Facebook beobachten 25 Prozent der Nutzer regelmäßig gezielte Anfeindungen, jeder Zehnte wird selbst Opfer. Besonders häufig betroffen sind jüngere Nutzer im Alter zwischen 16 und 39 Jahren.

Trotzdem bleibt das Engagement hoch – vor allem bei der Altersgruppe zwischen 30 und 59 Jahren. Sie lesen, liken und kommentieren auf Facebook deutlich aktiver als auf anderen Plattformen. „Diese Aktivitätsquoten sind höher als bei YouTube, Instagram oder Snapchat“, sagt Dr. Roland Heintze, geschäftsführender Gesellschafter der PER Agency. „Mit zunehmender Erfahrung wächst meist auch die Medienkompetenz.“

Gleichzeitig nimmt die Facebook-Nutzung bei unter 30-Jährigen messbar ab – ein Trend, der der Plattform langfristig zusetzen könnte. Heintze rät Unternehmen dennoch, Facebook im Recruiting weiterhin ernst zu nehmen: „Gerade für erfahrene Fachkräfte und Talente in der Mitte ihrer Karriere bleibt Facebook ein relevanter Touchpoint.“

(amx, Jahrgang 1989) ist seit Juli 2025 Chefredakteur der absatzwirtschaft. Er ist weder Native noch Immigrant, doch auf jeden Fall Digital. Der Wahlberliner mit einem Faible für Nischenthemen verfügt über ein breites Interessenspektrum, was sich bei ihm auch beruflich niederschlägt: So hat er bereits beim Playboy, in der Agentur C3 sowie beim Branchendienst Meedia gearbeitet.