Eintracht Spandau wechselt in die Icon League: Was der Deal über die Zukunft des Creator-Fußballs verrät

Eintracht Spandau spielt künftig in der Icon League. Der Schritt folgt auf das Aus der Baller League und bringt das reichweitenstarke Team in eine Liga mit Millionenbudget, prominenten Investoren und namhaften Sponsoren.
Club-Präsident und Streamer Maximilian Knabe (alias HandOfBlood) und Icon-League-Gründer Elias Nerlich (v.l.).
Club-Präsident und Streamer Maximilian Knabe (alias HandOfBlood) und Icon-League-Gründer Elias Nerlich (v.l.). (© Eintracht Spandau)

Eintracht Spandau sucht sich eine neue sportliche Heimat. Der Club tritt zur kommenden Saison in der Icon League an. Beide Seiten verkünden eine „gemeinsam langfristige Zusammenarbeit sowie den Beitritt des Spandauer Clubs zur kommenden Saison“, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Der Wechsel kommt nicht aus heiterem Himmel. Die Baller League musste Anfang 2026 ihren Spielbetrieb in Deutschland einstellen. Der Markt für Kleinfeld-Ligen sortiert sich neu. Für Eintracht Spandau bedeutet das: raus aus einem eingestellten Format, rein in eine Liga, die Wachstum und Stabilität versprechen soll.

Eintracht Spandau spielt nun in einer anderen Liga

Icon-League-Geschäftsführer Marc Goroll wird in der Mitteilung mit markigen Worten zitiert: „Mit Eintracht Spandau stößt das reichweitenstärkste Team der deutschen Kleinfeldfußball-Ligen zu uns hinzu. Die Kollegen von Eintracht Spandau bringen ein ausgezeichnetes Gespür für crossmediales, spannendes Storytelling und eine aktive, leidenschaftliche Fan Base mit. Damit bilden sie einen wichtigen Baustein für unser weiteres Wachstum.“

Auch Hendrik Ruhe, Geschäftsführer von Eintracht Spandau, bezeichnet den Schritt als strategisch und betont: „Wenn man in Deutschland eine echte Fankultur im Sport aufbauen willst, dann machst du das nicht für das schnelle Geld, sondern mit langem Atem.“ Niemand habe Lust, Fan von etwas oder jemandem zu werden, wenn kein Vertrauen da sei. „Wir haben unseren Fans versprochen, dass unser Fußball-Engagement nachhaltig ist. Und selbst wenn eine Liga daran scheitert, fühlen wir uns weiterhin daran gebunden.“

Nach den Gesprächen mit The Icon League sei man davon überzeugt, dass sie dieses Verantwortungsbewusstsein teilen. „Deshalb kann ich sagen: Wer glaubt, dass der Kleinfeld-Fußball in Deutschland auserzählt ist, der irrt. Denn, sobald unsere Fans das erste Mal in The Icon League zu hören sind, werden alle merken: Wir stehen gerade erst am Anfang.“

Sponsoring: Große Marken sind mit von der Partie

Das klingt nach Aufbruch – und es passt zur Entwicklung der Icon League, die 2024 von Toni Kroos und Elias Nerlich gegründet wurde und früh Kapital eingesammelt hat. Im November 2025 wurde eine Finanzierungsrunde über 15 Millionen Euro bekannt. Als Investoren werden unter anderem HV Capital, das Family Office von Jürgen Klopp sowie weitere Unternehmer genannt. Zudem übernahm mit David Fischer ein erfahrener Investor die CEO-Rolle.

Auch auf der Kostenseite zeigt sich, dass hier kein Hobbyprojekt läuft. Branchenberichte sprechen von Personalkosten im Millionenbereich. Hinzu kommt ein Preisgeldtopf von 500.000 Euro. Die Botschaft ist klar: Das Format will professionell wirken und dauerhaft bestehen.

Für das Marketing besonders relevant ist die Sponsorenliste. Mit dabei sind Marken wie Freenet, Nissan, Philips OneBlade und der Wettanbieter Bwin. Teilweise fließen laut Branchenmedien siebenstellige Budgets in Partnerschaften. Das ist kein Zufall. Die Icon League versteht sich als Plattform für junge Zielgruppen, die klassisches Fernsehen kaum noch erreicht. Gespielt wird in der Halle, übertragen wird über Twitch, YouTube und im Free-TV bei Sport1. Streaming und lineare Reichweite greifen ineinander.

Reicht Kapital plus Prominenz?

Prominente Namen gehören zum Geschäftsmodell. Neben den Gründern tauchen in Verbindung mit der Liga immer wieder frühere Profis und bekannte Persönlichkeiten auf, etwa Franck Ribéry, David Alaba oder Claudio Pizarro. Das sorgt für Schlagzeilen. Entscheidend bleibt jedoch, ob daraus eine stabile Marke entsteht oder nur Event-Feuerwerk.

Eintracht Spandau bringt dafür eine relevante Community mit. Der Club stammt aus dem E-Sport-Umfeld, ist stark creator-getrieben und hat in der Baller League schnell Reichweite aufgebaut. Für die Icon League ist das ein strategischer Zugewinn. Für Spandau bedeutet es die Chance, die eigene Fanbasis in ein Format zu überführen, das finanziell besser abgesichert wirkt.

Die entscheidende Frage lautet nun: Reicht Kapital plus Prominenz, um im fragmentierten Sport- und Entertainmentmarkt dauerhaft zu bestehen? Die Baller League hat gezeigt, wie schnell Euphorie verpuffen kann. Die Icon League setzt dagegen auf Investorenpower, Markenpartner und mediale Breite.

(amx, Jahrgang 1989) ist seit Juli 2025 Chefredakteur der absatzwirtschaft. Er ist weder Native noch Immigrant, doch auf jeden Fall Digital. Der Wahlberliner mit einem Faible für Nischenthemen verfügt über ein breites Interessenspektrum, was sich bei ihm auch beruflich niederschlägt: So hat er bereits beim Playboy, in der Agentur C3 sowie beim Branchendienst Meedia gearbeitet.