Ein Internetphänomen des Jahres 2025 hat die deutsche Öffentlichkeit bisher nur gestreift: der „Dr. Pepper Man“. Er taucht in IRL-Streams (In Real Life) bekannter Streamer auf, übergibt ihnen eine Dr. Pepper Cola und verschwindet wieder, ohne ein Wort zu verlieren. Das Konzept ist ein Reichweitengarant. Auf dem offiziellen Instagram-Account erhält jedes Video von einem seiner Auftritte über eine Million Aufrufe – viele schaffen es sogar in die zweistellige Millionenhöhe.
Aber ist der Account wirklich offiziell? Wer steckt dahinter – etwa Dr. Pepper selbst? Und warum ist der Content so erfolgreich?
Was über den „Dr. Pepper Man“ bekannt ist
Zuerst die Fakten. „Dr. Pepper Man“ präsentierte sich eingangs als „Streamsniper“ – eine Person, die IRL-Streamer, während sie streamen, ausfindig macht, um selbst im Livestream auftauchen zu können. Es begann mit Streams aus Japan, mittlerweile erscheinen auch Clips aus den USA.
Neben eher kleineren Streamern taucht er regelmäßig auch bei Stars der aktuellen Popkultur wie dem Rapper „BBnoMoney“ oder dem aktuell erfolgreichsten Livestreamer „IShowSpeed“ auf. Neben den Stream-Ausschnitten postet der Account auch normale Kurzvideos. Der Twist ist, dass es sich dabei um neu gedrehte Versionen viraler Videos handelt – in Kooperation mit den originalen Creators. Erst wirkt es wie ein Reupload, doch dann ist es wieder der „Dr. Pepper Man“.

Damit lässt sich mutmaßen, dass vieles von dem Content abgesprochen ist, möglicherweise auch manche der Livestream-Auftritte. Davon profitieren alle beteiligten Creators, denn „Dr. Pepper Man“ ist selbst zur Berühmtheit mit enormem Wiedererkennungswert geworden.
Und er ist nicht mehr allein. Über den Instragram-Account ist eine Website verlinkt, auf der man sich anmelden kann, um der Bewegung beizutreten. Die Botschaft: „Pepper anyone, anywhere“. Auf dem dort verlinkten Discord-Server tauschen sich bereits über 900 Menschen aus verschiedensten Ländern darüber aus, wie man selbst ein „Dr. Pepper Man“ wird, und wo man überhaupt Dr. Pepper Colas herbekommt.
In vielen Ländern, darunter auch Deutschland, zählt die Marke nicht zwingend zu den beliebtesten Erfrischungsgetränken und ist nicht überall erhältlich. Dr. Pepper profitiert damit stark von der großen Aufmerksamkeit des Kuriosums. Auf der Website ist ein E-Mail-Kontakt angegeben. Aber auf die Frage, ob die Marke selbst dahintersteckt, gab es keine Antwort. Auch über die offiziellen Stellen der Marke ließ sich das Geheimnis nicht lüften.
Das Erfolgsrezept, von dem jeder abschreiben kann
Ob gewieftes Marketing oder ein cleverer Creator dahinterstecken, die „Dr. Pepper Man“-Geheimformel ist simpel und effektiv: Es beginnt mit einer Kuriosität – aktuelle Internettrends basieren oft auf Absurditäten. Absurd wie Pudding mit der Gabel zu essen, absurd wie eine KI-Chimäre aus Krokodil und Bomber, oder eben absurd wie ein unbekannter Typ, der auf einmal überall auftaucht und Dr. Pepper verteilt.
„Dr. Pepper Man“ hat auch gezeigt: Bereits vorhandene Reichweite lässt sich nutzen. Die Internetkultur funktioniert über Wiedererkennung – das ist die Funktionslogik eines Memes. Das geht über die Teilnahme an Trends oder, wie hier, in dem man den Content anderer für sich selbst nutzt – natürlich einvernehmlich.
Damit sich Aufmerksamkeit hält, braucht es zusätzlich Abwechslung. Das gelingt dem „Dr. Pepper Man“ über den Wechsel von Stream-Ausschnitten und regulären Kurzvideos. Auch sein Auftreten wechselt sich ab. Mal sieht man ihn mit Pikachu-Mütze, mal mit extra langem Strohhalm um den Hals, mal sieht man ihn noch gemeinsam anstoßen, bevor er wieder verschwindet.
Tatsache ist, man weiß nie, wo man ihn als Nächstes sieht und was dann passieren wird, sodass das Mysterium – zumindest bisher – nicht an Interesse verliert.
