Brief an mein jüngeres Ich: Raphael Brinkert  

Im Brief an sich selbst blicken bekannte Köpfe aus dem Marketing zurück. Heute: Raphael Brinkert. Er erinnert sich an seine Schulzeit und schreibt über Kompetenzen, die im Klassenzimmer nicht vermittelt werden können.
Schon als Achtjähriger hatte Raphael Brinkert einen starken Bezug zum Fußball.
Schon als Achtjähriger hatte Raphael Brinkert einen starken Bezug zum Fußball. (© privat, Montage: Wolfram Esser)

Lieber Raphael,  

du bist acht Jahre alt, gehst in Haltern am See zur Schule und glaubst, dass Fußball vielleicht dein Leben wird. Du liebst den Wettkampf, die Mannschaft, das Gefühl, besser werden zu wollen. Und ich kann dir sagen: Genau darin steckt schon sehr viel von dem, was dich später tragen wird.   

Du wirst viele Jahre in der Schule verbringen. Du wirst dort lernen, was eine Sinuskurve ist, Gedichte interpretieren, Vokabeln pauken. Aber vieles von dem, was man fürs Leben wirklich braucht, bringt sie dir nicht bei: Welche Versicherung man braucht, wie man mit Geld umgeht, wie man Vertrauen gewinnt, wie man Verantwortung übernimmt, wie man mit Rückschlägen umgeht.  

Prognose der Lehrerin erweist sich als falsch  

Schule vermittelt Wissen, aber das Wesentliche lässt sie oft vermissen. Sie misst, was sich leicht prüfen lässt, aber nicht immer das, was einen Menschen ausmacht: Haltung, Fleiß, Disziplin, Neugier, Mut, Rückgrat und Verlässlichkeit. Die Fähigkeit, im richtigen Moment für andere da zu sein. All das, was später im Beruf, in der Familie und im Leben wirklich zählt.  

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Raphael Brinkert ist Gründer und Chef der auf Sport- und Politikmarketing spezialisierten Agentur BrinkertLück Creatives. (© BrinkertLück Creatives)

Mit 18 wird dir eine Lehrerin sagen, dass du wahrscheinlich keinen Job in der Werbung finden wirst. Heute, mit 48, als Vater von drei Kindern, als Werber, Sportmarketer und Politikberater, weiß ich: Sie lag falsch. Nicht aus Bosheit, sondern weil unser Schulsystem erstaunlich oft danebenliegt, wenn es Menschen beurteilt. 

Charakter ist mehr als ein Zeugnis  

Das Wichtigste lernst du nicht nur im Klassenraum. Du lernst es zu Hause, in deiner Familie, bei Freunden, auf dem Fußballplatz, im Verein, bei der Arbeit. Dort, wo man verliert und wieder aufsteht. Wo man merkt, dass Leistung mehr ist als eine Note und Charakter mehr als ein Zeugnis.  

Darum mein Rat: Nimm die Schule ernst, aber nimm ihr Urteil über dich nie als letzte Wahrheit! Wichtiger ist, dass du ein guter Mensch wirst. Einer, der arbeitet, wenn es unbequem wird. Einer, der Haltung zeigt, auch wenn es unpopulär ist. Einer, der es nicht jedem recht macht, aber immer auf der richtigen Seite der Geschichte steht.  

Denn am Ende entscheidet nicht, wer alles richtig auswendig gelernt hat, sondern wer verstanden hat, was wirklich zählt.   
 
Raphael