Xing-Studie: Frauen wechseln Job vor allem wegen zu niedrigem Gehalt

Die Job-Wechselbereitschaft bei Frauen und Männern ist in etwa gleich, aber bei den Ansprüchen an den Arbeitsplatz unterscheiden sich die Geschlechter. Bei Frauen ist einer der Hauptgründe für die Wechselwilligkeit das Geld.
Vor allem ein zu niedriges Gehalt und Unzufriedenheit mit der direkten Führungskraft sind ausschlaggebende Gründe dafür, dass Frauen sich nach einem neuen Job umschauen.
Vor allem ein zu niedriges Gehalt und Unzufriedenheit mit der direkten Führungskraft sind ausschlaggebende Gründe dafür, dass Frauen sich nach einem neuen Job umschauen. (© Unsplash / Claudio Schwarz)

Kurz nach dem Equal Pay Day ist die Xing-Wechselwilligkeitsstudie 2026, durchgeführt von Forsa im Auftrag des Karrierenetzwerks, erschienen. Die Studie zeigt: 37 Prozent der befragten Frauen, die sich einen Jobwechsel vorstellen können, sind unzufrieden mit ihrem Gehalt. Genauso viele gaben an, unzufrieden mit der direkten Führungskraft zu sein. Auf Platz drei folgt Stress mit 36 Prozent. Auffällig ist der Anstieg der Frauen, die zu geringe Aufstiegsmöglichkeiten für sich sehen, von 25 Prozent im Jahr 2025 auf 33 Prozent im Jahr 2026.

Allgemein äußern sich nur 32 Prozent der befragten Frauen sehr zufrieden mit ihrem aktuellen Job. Bei Männern sind es 38 Prozent. Dabei ist die Wechselwilligkeit der Frauen mit 32 Prozent sogar leicht niedriger als die der Männer mit 34 Prozent, und hat im Vergleich zu 2025 sogar ganze vier Prozentpunkte verloren.

Frauen erwarten Sicherheit, Flexibilität und Leadership

Der geringe Wunsch nach einem Jobwechsel bei Frauen könnte mit dem hohen Wunsch nach Arbeitsplatzsicherheit zusammenhängen. Dieser steht für 68 Prozent der befragten Frauen ganz oben auf der Wunschliste an den Arbeitgeber. Darauf folgen flexible Arbeitszeiteinteilung (65 Prozent) und ein gutes Führungsverhalten (64 Prozent). Trotz Kritik an der eigenen Bezahlung wäre ein besseres Gehalt nur für 60 Prozent ausschlaggebend für einen Wechsel. Bei Männern ist hingegen ein befristeter Arbeitsvertrag für 60 Prozent ein relevanter Faktor.

Die Daten zeigen auch: Frauen würden zugunsten von Flexibilität und Stabilität eher als Männer auf eine besser bezahlte Position verzichten. Das gilt für Faktoren wie einen ungünstigen Standort (Frauen: 45 Prozent, Männer: 40 Prozent), weniger Urlaubstage (Frauen: 59 Prozent, Männer: 44 Prozent) oder fehlende Möglichkeiten zur Remote-Arbeit (Frauen: 24 Prozent, Männer: 19 Prozent).

Auch eine schlechte Führungskultur (Frauen: 43 Prozent, Männer: 37 Prozent), schlechte Erfahrungen mit dem Arbeitgeber im Freundeskreis (Frauen: 29 Prozent, Männer: 24 Prozent) sowie die Tatsache, dass Produkte oder Leistungen nicht ihrer Wertvorstellung entsprechen (Frauen: 20 Prozent, Männer: 15 Prozent), spielen für Frauen eine etwas stärkere Rolle gegenüber dem Gehalt als für Männer.

„Gender Pension Gap“: Hälfte der Frauen erwartet, im Rentenalter aufstocken zu müssen

In der Umfrage gaben 44 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland an, dass sie „auf jeden Fall“ (11 Prozent) oder wahrscheinlich (33 Prozent) über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus beruflich tätig sein werden. Während es hier keine grundlegenden Differenzen zwischen den Geschlechtern gibt, sind die Gründe dafür zum Teil unterschiedlich.

Die Hauptmotivation besteht für beide Geschlechter darin, fit im Kopf zu bleiben (67 Prozent). Frauen nennen darüber hinaus häufiger als Männer soziale Motive und finanzielle Notwendigkeit als Gründe, im Rentenalter weiterzuarbeiten. 64 Prozent der Frauen, die sich eine berufliche Tätigkeit über das reguläre Renteneintrittsalter hinaus vorstellen können, möchten wegen sozialer Kontakte weiter im Job bleiben, bei den Männern sind es 54 Prozent. Für 51 Prozent der befragten Frauen spielt das zusätzliche Geld eine Rolle, zum Beispiel, weil die monatliche Rente nicht ausreicht. Bei den Männern sind es nur 39 Prozent.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zeigt die aktuelle sogenannte „Gender Pension Gap“, dass die Alterseinkünfte von Frauen 27,1 Prozent unter denen von Männern liegen.

Maurice Mühlberg (mm, Jahrgang 2003) ist seit August 2024 Werkstudent bei der absatzwirtschaft. Geboren und aufgewachsen nahe Leipzig, widmet er sich nun dort seinem Politikwissenschaftsstudium. Er ist zudem ehrenamtlich als Ressortleiter im Wissenschaftsressort der Leipziger Hochschulzeitung „luhze“ aktiv und beschäftigt sich als Autor viel mit dem Thema Nachhaltigkeit.