Meine erste Love Brand habe ich nicht in der Marketingwelt kennengelernt, sondern im Keller eines Seniorenwohnheims. Bevor ich International Business studiert und meine Karriere im Marketing begonnen hatte, war da bei mir erst mal: Zivildienst.
Ich war – wie bei vielem – zu spät dran und hatte Glück. Durch Zufall bekam ich eine Stelle im Rosenhof in Kronberg. Damals hatte ich keine Ahnung, wie wertvoll diese Zeit werden würde, wie viel die älteren Generationen zu erzählen haben, wie dankbar Menschen für ein freundliches „Guten Morgen“, ein beiläufiges Lächeln oder Hilfe im Alltag sind.
Die Bibel der alltäglichen Problemlöser
Und ich verstand, wie wichtig die Mitarbeitenden dort waren, von der Verwaltung bis zur Pflege. Ich selbst arbeitete bei den heimlichen Stars des Hauses: den Hausmeistern und Gärtnern. In Kellern und Garagen, zwischen Werkzeug, Kabeln und Material, da lag sie, die Bibel der alltäglichen Problemlöser und Möglichmacher: der Katalog von Engelbert Strauss.

Wie viele Diskussionen wir dort mit starkem Kaffee führten – über die nächste wirklich sinnvolle Anschaffung, von den neuesten technischen Gadgets bis zur Arbeitskleidung, über Taschenanzahl, Reißverschlüsse, Kniepolster und Wintertauglichkeit, über das perfekte Multifunktions-Outfit mit mindestens sieben Taschen. Und immer wieder kamen wir zur selben Erkenntnis: Für viele ist Strauss mehr als Funktion. Es ist Uniform und ein Signal: Ich kann was, ich mache was, ich halte den Laden am Laufen.
Strauss gibt dem Handwerk neue Bühnen
Heute fasziniert mich, wie sich Strauss entwickelt hat, vom Arbeitskleidungshersteller zur kulturellen Marke – ohne das Handwerk zu verlieren. Im Gegenteil, Strauss hat das Handwerk sichtbar gemacht und ihm neue Bühnen gegeben: E-Sports, NFL, digitale Welten. Es sind Partnerschaften, die man eher von Lifestyle-Brands erwartet, nicht getrieben durch radikale Produktinnovation, sondern durch Marke. Industrieprodukt wird Popkultur, inklusive Verjüngung, neuen Zielgruppen und Preislogiken. Das alles wird getragen von Haltung und Konsistenz.
Der Schritt vom Namen Engelbert Strauss hin zu Strauss passt dazu. Er wirkt internationaler, klarer, moderner – und trotzdem bleibt die Herkunft spürbar. Strauss ist anschlussfähig geworden, ohne seine Wurzeln zu kappen.
Workwear wird zur kulturellen Marke
Ein bisschen erinnert das an Carhartt in den USA: Workwear, die über Subkulturen und Community zur kulturellen Marke wurde. Nur eben auf deutsche Art, mit dem Handwerk als Herzstück.
Dazu kommt die Verantwortung für den Standort, das Engagement rund um den Hauptsitz nahe Frankfurt: Arbeitsplätze, Infrastruktur, gesellschaftliche Angebote. Marke endet hier nicht beim Produkt, sondern wirkt in der Region und Gesellschaft.
Strauss ist meine Love Brand. Sie zeigt, was möglich ist, wenn ein Markenkern ernst genommen wird, wenn man Tradition nicht verwaltet, sondern weiterdenkt, und wenn progressive Ansätze nicht Selbstzweck sind, sondern dem Kern dienen.
Das ist langfristiges Wachstum, das ist Wertsteigerung, ein Gewinn für das Unternehmen, für das Handwerk und für den Standort Deutschland.



