
Er hat meinen Koffer vergessen. Auf der Hochzeitsreise. Nach Irland. Guinness hat meine Ehe gerettet. Da kann man schon mal von einer Love Brand sprechen, oder?
Ansonsten bin ich als „Neuro-Uschi“ und Markenenthusiastin ja eher skeptisch, was das Konzept von Love Brands angeht. Ich liebe meinen Mann, auch wenn er den Koffer vergisst. Bei Marken nehme ich es mit der Treue nicht so genau.
Da bin ich … sagen wir: situativ monogam. Manchmal nehme ich auch einfach, was da ist. Das Prinzip funktioniert im Supermarkt erstaunlich gut. In der Ehe eher nicht.
Wird sonst nix mit Love.
In einem Pub in England fing es an
Und dennoch hege ich einen gewissen Sweet Spot für Guinness. Geschmack spielt eine Rolle, aber wenn ich ehrlich bin, ist das nicht der ausschlaggebende Grund: Ich will es einfach mögen.
Angefangen hat alles zu meinem Studienbeginn in England. Ein Pub. Hoppe-stoppe-voll. Ich nüchtern. Um mich herum alle wie der Pub.
Kaum eine Chance, an die Theke vorzudringen. „Hey, can I buy you a drink?“ Panik. Anmache? Oder einfach nur englische Höflichkeit? Ich war blutjung, unsicher und ahnungslos. Also sagte ich das erste und einzige, was mir in den Sinn kam (so viel zu Mental Availability): „Guinness“. Der Barkeeper zu mir: „Half pint?“ Fortsetzende Ahnungslosigkeit überspielt mit Nonchalance: „No, a Guinness“.
Und dann dieser Blick. Erstaunen. Respekt. Ritterschlag. Offenbar war das die richtige Antwort. Ich war… drin. Angekommen. Gleiche unter Gleichen. Ebenbürtig englisch.
Ikonische Werbung bringt sie ins Schwärmen
Ich weiß, ich weiß, Guinness ist durch und durch irisch – aber meine Assoziationen sind meine Assoziationen. Mich hat die Marke in dem Moment eingebürgert – das war zumindest meine Interpretation der Sachlage.
Es war wie ein Identitätswechsel. Auf einmal lief das mit dem Englischsprechen auch viel besser – und da reichte schon das Guinness in der Hand. In Deutschland trinke ich Wein, in England Guinness. Der Marketingplacebo-Effekt in Aktion: Guinness in Deutschland schmeckt nur so lala.
Und dann diese ikonische Werbung: Good things come to those who wait.
Ehrlich: Ich muss das nur sehen und spüre diesen herrlichen, kühlen, cremigen weißen Schaum, durch den man sich am Anfang durchtrinken muss. Das waren Künstler. Da darf man schon mal ins Schwärmen kommen.
In Deutschland schmeckt es einfach nicht
Wie sieht das heute mit meinem Guinness-Konsum aus? Nun ja, ich lebe wieder in Deutschland. Da schmeckt es leider nicht. Aber kaum betrete ich den heiligen Boden des Good Old Commonwealth: Guinness! Und zack, bin ich keine Besucherin, sondern gehöre wieder dazu.
Heute Abend gibt es Irish Stew. Beim Kochen darf Guinness auch in Deutschland nicht fehlen. Schmeckt ja sonst nicht.
Prost.

