Ungewöhnliches Traineeship: Jung von Matt sucht den „Future CEO“ 

Mal dem Creative Director über die Schulter schauen, Inspiration für Tiktok geben und älteren Mitarbeitenden erklären, was „smash“ bedeutet? Jung von Matt in der Schweiz hat für den neuen Trainee der Agentur andere Pläne: Er oder sie darf als „Future CEO“ mitreden, mitdenken – und mitentscheiden.
Roman Hirsbrunner ist Chef von Jung von Matt in der Schweiz und sucht nun den oder die "Future CEO". ©Jung von Matt

Roman Hirsbrunner wäre gerne nochmal 22. Denn dann, meint der CEO von Jung von Matt in der Schweiz, könnte er sich als Vertreter der Gen Z einfach selbst um Rat fragen, wenn er mal ein Urteil braucht. Allerdings könnte das jüngere Ich „hier und da ziemlich verwundert sein“ über die Fragen des heute 50-Jährigen. „Über die Jahre schleichen sich Denk- und Handlungsmuster ein, die man nicht mehr so richtig reflektieren kann“, gibt Hirsbrunner zu. Und hofft, diesen Gegenpol jetzt mit einem oder einer ganz besonderen neuen Mitarbeiter*in zu erhalten: Jung von Matt sucht den Future CEO.  

Um genau zu sein einen Trainee, der oder die den CEO Roman Hirsbrunner im Frühjahr 2023 für zwei Monate lang durch den „Alltag und den täglichen Wahnsinn einer Kreativagentur“ begleitet, heißt es in der Ausschreibung. Und weiter: „Du redest, denkst und entscheidest mit. Und teilst deine Eindrücke mit unserer – und deiner – Community.“ Voraussetzung: Der oder die Future CEO sollte zwischen 18 und 22 sein, eine Lehre oder das Gymnasium abgeschlossen haben und: „Dein Social Feed ist sowas wie deine zweite Familie und beim Durchlesen von Boomer-Posts hast du regelmäßig Cringe Alert. Werbung konsumierst du eigentlich nur noch über deine Lieblings-Microinfluencer und Workation ist für dich ein Grundrecht. Du glaubst an die Kraft deiner Generation und liebst kreative Lösungen.“  

Als Belohnung gibt es eine „Fahrt auf der Überholspur Richtung Chef*innenetage“ und die Tatsache, dass die Ideen des Trainees in der Führungsetage auch gehört werden, verspricht die Agentur. Die Person soll Hirsbrunner eng begleiten, mit ihm von Event zu Event reisen, an Meetings teilnehmen, wird gecoacht und lernt unterschiedliche Bereiche der Agenturgruppe kennen. Bewusst wird auch Raum für Austausch und Reflexion eingebaut. „Das Erlebte soll ja auch besprochen und hinterfragt werden“, sagt Hirsbrunner.  

Beidseitiges Lernen 

Mit Über-die-Schulter-Schauen hat das aber wenig zu tun. “Wir schaffen die Möglichkeit, gleich voll einzusteigen und mitzugestalten”, so der CEO, der auf gegenseitige Inspiration und beidseitiges Lernen setzt: „Aus Unternehmenssicht erhoffen wir uns von der Aktion eine kritische Auseinandersetzung mit uns selbst.“ Hirsbrunner ist überzeugt, dass das am besten funktioniert, wenn der Future CEO gleich ganz oben einsteigt. „Je größer der Erfahrungs-Gap, desto spannender die Aufgabe“, sagt Hirsbrunner. „Ich denke, wenn man sich nicht klar dazu bekennt, dass eben auch die Rolle eines CEO lernbar ist und hinterfragt werden kann, muss man ein solches Programm gar nicht erst initiieren.“  

Eine ungewöhnliche Aktion, die aber zeigt: Die Zürcher haben die Zeichen der Zeit verstanden. Sie wissen, dass die Gen Z was zu sagen hat und nicht, wie oft behauptet, arbeitsscheu und anspruchsvoll, sondern die Zukunft ist. 2030 macht die Gen Z 34 Prozent der arbeitenden Bevölkerung aus – eine starke Säule, auf die die Schweizer Agentur baut. Im laufenden Bewerbungsprozess sieht Hirsbrunner, dass die Gen Z sehr viel Lust und Freude an Verantwortung zu haben scheint – und gleichzeitig Wert auf die Work-Life-Balance legt. „Die Vorstellung eines CEO-Postens verheißt nicht gerade sehr viel Freizeit. Aber genau das gilt es ja aufzubrechen. Die CEO-Rolle von morgen ist wohl kaum die CEO-Rolle von heute“, erklärt Hirsbunner.  

Unzufrieden bleiben mit dem, was ist 

Wie kam die Agentur eigentlich auf die Idee, Gen Z-Vertreter*innen, die frisch von der Schule kommen, gleich mit in die Chefetage zu nehmen? „Unsere Unternehmens-DNA ist es, immer auf der Suche nach neuen Impulsen zu sein“, sagt Hirsbrunner. „Und unzufrieden zu bleiben mit dem, was ist. Diese Haltung macht auch vor der `Chefetage` und meiner Rolle nicht Halt.“ Für ihn und sein Team lag es damit auf der Hand, junge Menschen nicht nur an in die Agentur zu holen, sondern ihnen einen intensiven Einblick in den CEO-Alltag zu geben.  

Auf gute Noten wird hier übrigens kein Wert gelegt. Viel wichtiger sei ein grundsätzliches Interesse daran, ein Unternehmen zu verstehen und aktiv zu formen. Auch vorbereiten braucht sich der oder die Future CEO auf das außergewöhnliche Traineeship nicht – im Gegenteil: „Die Person, die zu uns kommt, sollte sich am besten gar nicht vorbereiten. Das ist ja genau, was wir wollen: Jemand mit einem unverstellten Blick auf uns als Agentur, auf die Kreativbranche, auf das Arbeitsleben im Allgemeinen.“ 

Hätte der Chef sich selbst beworben?  

Roman Hirsbrunner hat selbst mit 24, noch während seines Studiums, seine erste eigene Agentur Maxomedia gegründet. Hätte er sich bei Jung von Matt um den Posten des Future CEO beworben? „Nein. Das hätte ich mir wohl nicht zugetraut“, gibt er zu. Den Mut, ein eigenes Unternehmen zu gründen, hatte er. Aber viel mehr dank, wie er sagt, seines unverstellten jugendlichen Elans. „Ich freue mich darauf, jemanden an meiner Seite zu haben, der oder die noch die gleiche Unvoreingenommenheit besitzt. Und einfach mal macht.“  

Stay tuned: Was Roman Hirsbunner von der Aktion „Future CEO“ erwartet – in drei Worten? Das hat er uns natürlich auch verraten: „Feedback, Reflexion und – befürchte ich – ein oder zwei TikTok-Auftritte von mir“. Ob das so eingetreten ist? Wir fragen 2023 wieder nach.