Ein Besuch von US-Präsident Donald Trump in Europa löst jedes Mal ein vertrautes Wechselbad der Gefühle aus: Hier die Sorge, er könnte für den nächsten diplomatischen Eklat sorgen – und dort die leise Hoffnung, dass die transatlantische Bande doch noch mehr ist als ein dünner Faden.
Was am vergangenen Wochenende in Schottland verhandelt wurde, lässt allerdings wenig Raum für Optimismus. Aus europäischer Sicht war es ein zäher Balanceakt zwischen wirtschaftlicher Ohnmacht und politischem Gesichtsverlust. Dass die USA den Ton angeben und Europa einknickt, ist nicht verwunderlich. Doch wie billig der Klimaschutz und damit die Zukunft nachfolgender Generationen diesmal verkauft wurde, überrascht dann doch.
Totale Katastrophe für den Klimaschutz
Die EU verpflichtete sich, in den kommenden drei Jahren fossile Energieträger – Flüssiggas, Kohle, Öl – im Wert von 750 Milliarden US-Dollar aus den USA zu importieren. Zusätzlich sollen weitere 600 Milliarden US-Dollar direkt in den Vereinigten Staaten investiert werden. Ein solcher Deal wirkt in Zeiten globaler Klimakrisen wie ein Anachronismus, ja – sogar wie eine schallende Ohrfeige für die Menschen, die sich um eine bessere Zukunft be- und abmühen.
Konstantin Zerger von der Deutschen Umwelthilfe spricht von einer „totalen Katastrophe“ für den Klimaschutz. Europa, so seine Einschätzung, verfüge nicht einmal über die nötige Infrastruktur, um diese fossilen Mengen zu verarbeiten. Alte Kohlekraftwerke müssten reaktiviert, neue LNG-Terminals und Gaskraftwerke gebaut werden. Während wir eigentlich aussteigen wollten, steigen wir wieder voll ein. Klimapolitisch ist das nicht nur der Rückwärtsgang, sondern ein Kolbenfresser.
Streit um Energie als Teil des Kulturkampfes
Und so feiern Kohle, Fracking-Gas und Öl ein Comeback – zur Freude all jener, die die Energiewende lieber ausbremsen als gestalten. Der Streit um Energie ist längst Teil eines Kulturkampfs geworden, in dem Fakten zweitrangig sind. Es geht nicht mehr um das bessere Argument, sondern um politische Erzählungen. Um kurzfristige Gewinne, statt um langfristige Verantwortung. Bis dann, wie so oft, Ministerinnen und Minister in Gummistiefeln durch überflutete Straßen waten und betroffen in die Kameras sprechen.
Dabei könnte Europa so viel mehr sein. Kein Dumpingmarkt für US-Rohstoffe, sondern ein Motor für ein faires, zukunftsfähiges Wirtschaften. Eine Wirtschaft, die nicht nur „nachhaltig“ sagt, sondern auch so handelt. Dafür braucht es Mut zur Vision – und die Kraft, sie durchzusetzen.
Konsumenten erwarten von Marken ökologische Verantwortung
Dass viele Menschen längst weiterdenken als ihre Regierungen, zeigt ein aktueller Report von Getty Images. Laut der Studie erwarten 83 Prozent der Deutschen, dass Unternehmen nicht nur Profite im Blick haben, sondern auch gesellschaftliche und ökologische Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig glauben 80 Prozent, dass „grüne“ Werbung oft nichts weiter als ein Marketingtrick ist. Vertrauen entsteht nicht durch perfekte Inszenierung, sondern durch echte, transparente Kommunikation.
Die Zeit der Hochglanzbilder ist vorbei. Was die Menschen heute wollen, sind ehrliche Darstellungen – mit Ecken, Kanten und Kompromissen. Sie wollen sehen, wie Nachhaltigkeit tatsächlich gelebt wird: nicht nur in Slogans, sondern im Alltag, in Entscheidungen, in Konsequenzen. Glaubwürdigkeit entsteht dort, wo Unternehmen den Mut haben, auch Unvollkommenes zu zeigen – und trotzdem dranbleiben.
Nachhaltigkeit im Modemarkt: kein Vorankommen
Wie groß die Lücke zwischen Anspruch und Realität noch immer ist, lässt sich exemplarisch an der Modebranche ablesen. Der neue Circular Fashion Index 2025 dokumentiert zwar erste Fortschritte, aber vor allem Stillstand. Viele Unternehmen sind nicht über Pilotprojekte hinausgekommen, echte strukturelle Veränderungen bleiben die Ausnahme. Auch in der DACH-Region dominieren Insellösungen und Einzelinitiativen – trotz wachsender Regulierung und politischen Drucks.
Nachhaltigkeit bleibt zu oft ein Etikett, nicht Teil der DNA. Der Wandel bleibt Flickwerk, während Pioniere wie Frankreich oder die Niederlande längst vorangehen. Was fehlt? Klare Standards, verlässliche Rücknahmesysteme, vor allem aber der Wille, Kreislaufwirtschaft zur unternehmerischen Normalität zu machen. Nachhaltigkeit darf kein Add-on mehr sein – sie muss zum Ausgangspunkt werden.
