Der Paukenschlag kam in einem Podcast. „Ich habe meinen Support von 9.000 auf 5.000 Köpfe reduziert, weil ich weniger brauche“, sagte Salesforce-CEO Marc Benioff im „Logan Bartlett Show“-Podcast. Der Grund ist der massive Einsatz von KI-Agenten, die inzwischen einen großen Teil der Anfragen selbst bearbeiten.
Benioff schwärmt im Gespräch von „acht der aufregendsten Monate meiner Karriere“. Die neuen Systeme führen inzwischen die Hälfte aller Kundengespräche. Sie rufen ungenutzte Leads zurück, betreuen Anfragen und arbeiten eng mit menschlichen Kollegen zusammen. Für Benioff ist das Zusammenspiel ähnlich wie bei Teslas Autopilot: Mal fährt die KI selbst, mal muss der Mensch übernehmen.
Salesforce mit schwacher Performance – und unter hohem Druck
Hinter der Euphorie steckt jedoch knallharter Spardruck. Wie CNBC berichtet, ist Salesforce im Tech-Sektor einer der schwächsten Performer des Jahres. Die Aktie hat ein Viertel ihres Werts verloren, das Umsatzwachstum stagniert seit vier Quartalen unter zehn Prozent. Analysten erwarten auch im laufenden Quartal nur ein Plus von rund neun Prozent.
Die Konkurrenz macht es nicht leichter. Oracle, einst auf Augenhöhe mit Salesforce, hat 2025 um 34 Prozent zugelegt und profitiert von milliardenschweren KI-Deals, etwa mit OpenAI und xAI. Der Abstand zwischen beiden Konzernen beträgt inzwischen fast 400 Milliarden Dollar an Börsenwert. Während Oracle-Gründer Larry Ellison zu den reichsten Menschen der Welt aufgestiegen ist, gerät Benioff zunehmend unter Druck.
Anschluss an Oracle bleibt offen
Die Jobkürzungen sollen nicht nur die Bilanz entlasten, sondern auch Investoren beruhigen. Aktionäre fordern seit 2022 mehr Effizienz und höhere Margen. Mit dem konsequenten Einsatz von KI im Service zeigt Benioff, dass er bereit ist, das Unternehmen tiefgreifend umzubauen. Doch Analysten wie Michael Turrin von Wells Fargo warnen: Neue Produkte wie Agentforce bringen zwar Umsätze, doch für die Größe von Salesforce reichen sie bislang nicht aus, um das Wachstum nachhaltig zu beschleunigen.
Für Kunden und Marketer bedeutet das: Salesforce setzt radikal auf KI und verändert damit nicht nur seine Kostenstruktur, sondern auch den direkten Kontakt zu Nutzern. Ob das den Anschluss an Oracle zurückbringt, bleibt offen.
