Die aktuelle Bahn-Kampagne und die Reaktionen auf die kafkaeske Wo-Wurst-draufsteht-muss-Fleisch-drin-sein-Entscheidung des EU-Parlaments zeigen, dass Humor ein super Mittel ist, auf den Irrsinn dieser Zeiten zu reagieren. Lars Klingbeil hatte ja diagnostiziert, dass die schlechte Stimmung ein Problem dieses Landes sei.
Betrachten Sie den folgenden Text also als Beitrag zu ihrem „Wellbeing“, denn er enthält positive Meldungen, die zeigen, dass Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit deutlich weiter sind als die Politik in Berlin, Brüssel oder den USA.
Das fängt schon damit an, dass sich Unternehmen von der seitens der Politik gefeierten Abschwächung des deutschen Lieferkettengesetzes maximal unbeeindruckt zeigen: Hört man sich um, dann machen die meisten einfach weiter wie bisher. Was schon deshalb clever ist, weil vielleicht ja 2027 die europäische CSDDD in Kraft tritt (sie war mal beschlossen, aber nichts Genaues weiß man wegen des in der EU laufenden Omnibusverfahrens nicht).
Unternehmen erhöhen ihre Klimainvestitionen
Belege fürs Festhalten am nachhaltigen Wirtschaften liefern auch gleich drei brandaktuelle Studien: Laut der Untersuchung “Tackling the Climate Challenge—and Creating Value” von BCG halten die meisten Unternehmen ihre Klimainvestitionen aufrecht oder erhöhen sie sogar.
Über 80 Prozent berichten von wirtschaftlichen Vorteilen durch die Dekarbonisierung, wobei einige einen Return-on-Investment von mehr als 10 Prozent ihres Umsatzes erzielen. Was vor wenigen Jahren noch als Kostenfaktor galt, ist also heute ein Werttreiber.
Das bestätigt der 2025 C-suite Sustainability Report von Deloitte. Demzufolge sind die Investitionen in Nachhaltigkeitsbemühungen in Unternehmen sogar gestiegen. Häufigster Grund dafür: Umsatzgenerierung.
Und laut der Capgemini-Studie “A world in balance 2025” betrachten 67 Prozent der Führungskräfte Nachhaltigkeit explizit als strategischen Werttreiber und nennen das Schaffen von Unternehmenswert – Rentabilität, Effizienz und Kosteneinsparungen – als Hauptgrund für Investitionen in Nachhaltigkeit.
Tendenz: mehr Nachhaltigkeit
Das ist zugegebenermaßen eine etwas gewagte Aneinanderreihung von Befragungen, aber die Tendenz geht jedenfalls in Richtung mehr Nachhaltigkeit, nicht weniger, wie die öffentliche Diskussion mitunter suggeriert. Ein schönes, aktuelles Beispiel für angewandte Nachhaltigkeit liefert der Edeka-Verbund, der gerade als erster Lebensmittelhändler in Deutschland eine Leitlinie für zirkuläres Wirtschaften veröffentlichte.
Das Ziel: Das Thema aus der „Recyclingecke“ herauszuholen und Materialien – angefangen beim Bau neuer Märkte bis hin zu Verpackungen – nach dem „Cradle to Cradle“-Prinzips für Kreisläufe zu gestalten, anstatt sie zu entsorgen.
Außerdem spannend: die Theorie der am Montag gekürten Wirtschaftsnobelpreisträger Joel Mokyr, Philippe Aghion und Peter Howitt. Ihr zufolge wachsen Volkswirtschaften immer dann nachhaltig, wenn sie im Sinne der Schumpeterschen „kreativen Zerstörung“ unablässig innovativ sind und auf neue Technologien setzen, anstatt Bewährtes weiter zu verbessern. Hmm, vielleicht eine gute Lektüre für Verfechterinnen neuer Gaskraftwerke und Befürworter der „Verbrenner-Aus-Rücknahme“?
Dazu passt auch sehr schön der lesenswerte Text Diese Fakten werden Ihr Weltbild verändern von Spiegel-Kolumnist Christian Stöcker (der übrigens im November beim BAM!-Festival auf der Bühne stehen wird).
Stöcker schreibt: „Es ist nicht zu spät. Deutschland könnte wieder zu den Vorreitern aufschließen, indem man die Wachstumsbereiche der Autoindustrie (auch kommunikativ) fördert, nicht ständig für ihre Schrumpfungsbereiche wirbt; indem man vormacht, wie eine Industrienation mit Elektrotech und intelligenter Systemintegration die elektrifizierte Zukunft gestaltet – kompatibel mit den Klimazielen. Stichwort »deutsche Ingenieurtugenden«.“ Kurzum: Hoffnung nicht aufgeben, Laune bewahren, weitermachen!
