Lidl-Marketingchef: „Wir nehmen die Perspektive des Kunden ein“ 

Seit dem 1. Februar ist Robin Ruschke internationaler Marketingchef bei Lidl. Im Interview spricht er über seine Pläne für das Unternehmen und über die „Lidl-Brille“, die er von nun an immer beim Einkaufen trägt.
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Seit Anfang Februar verantwortet Robin Ruschke das internationale Marketing von Lidl. Zuvor war er in führenden Positionen beim Autoverleiher Sixt tätig. (© Lidl, Montage: Markus Weyerke)

Herr Ruschke, bitte fassen Sie Ihre ersten 99 Tage als Marketingchef bei Lidl in einem Satz zusammen? 

Meine ersten 99 Tage bei Lidl waren wie ein Strauß bunter Luftballons: Prall gefüllt mit neuen Ideen und Impulsen, die zusammen ein beeindruckendes Gesamtbild ergeben. 

Welchen Eindruck haben Sie in den ersten Wochen von Lidl gewonnen? 

Lidl ist für mich der Inbegriff eines dynamischen Unternehmens. Die Kolleginnen und Kollegen setzen sich mit großer Leidenschaft dafür ein, Kunden von der Marke Lidl zu begeistern. Dabei steht der Mensch stets im Mittelpunkt unseres Handelns. Trotz der internationalen Größe von Lidl mit über 12.350 Filialen in 31 Märkten hat sich das Unternehmen seine Agilität und sein Tempo bewahrt. 

Was hat Sie am meisten überrascht? 

Vor meinem Start wurde mir oft gesagt, dass der Einstieg als Branchenfremder mit wenig Erfahrung im Lebensmitteleinzelhandel eine Herausforderung darstellen würde. Doch bei Lidl habe ich das Gegenteil erlebt. Es gab nicht nur ein außergewöhnliches Einarbeitungsprogramm, bei dem meine Kolleginnen und Kollegen den Unterschied gemacht haben. Ich wurde auch herzlich aufgenommen, eng involviert und habe viele neue Perspektiven erfahren. 

Mit welcher Hürde hatten Sie nicht gerechnet? 

“Hürde” würde ich es nicht nennen. Aber es hat mich keiner davor gewarnt, dass ich ab jetzt nicht mehr ohne Arbeitsbezug einkaufen gehen kann. Handel bewegt die Menschen jeden Tag – und ich bin nun kein “normaler Kunde” mehr, sondern trage in jedem Shop und bei jedem Einkauf immer meine “Lidl-Brille”.  

Wie unterscheidet sich die Unternehmenskultur bei Lidl von Ihren früheren Stationen? 

Ich hatte das Glück, bereits in sehr unterschiedlichen Unternehmen zu arbeiten, von Kreativagenturen über Audi bis hin zu Sixt. Sowohl dort als auch jetzt bei Lidl fühle ich mich sehr wohl. Bodenständigkeit war schon immer ein wichtiger Wert für mich, und ich freue mich, dass er auch bei Lidl eine zentrale Rolle spielt. Für mich ist die Unternehmenskultur wie eine Beziehung: Die Chemie muss stimmen.  

Welche ersten Veränderungen haben Sie vorgenommen? 

Ich halte nichts davon, sofort alles verändern zu wollen, nur weil man neu in einer Position ist. Das hat auch mit Respekt und Bodenständigkeit zu tun. Lidl ist sehr erfolgreich, daher war es mir wichtig, zuerst zuzuhören, um das Unternehmen wirklich zu verstehen. Gemeinsam mit dem Marketing-Führungsteam haben wir dann unsere Ziele für das Geschäftsjahr 2025 festgelegt. Ich möchte die Marke Lidl nachhaltig stärken und die passenden Themen dafür definieren – und das zusammen mit unseren Teams in den Lidl-Landesgesellschaften. 

Welche weiteren Pläne haben Sie für Lidl? 

Im Marketing geht es oft darum, mit einem Vergrößerungsglas die Aspekte einer Marke hervorzuheben, die Konsumenten besonders ansprechen. Bei Lidl ist das anders. Wir müssen nicht vergrößern, sondern den Vorhang zur Seite schieben. Lidl steht für ausgezeichnete Preise, aber dahinter steckt so viel mehr: eine unübertroffene Qualität unseres Obstes und Gemüses, starke Marken wie Parkside, Europas erfolgreichste DIY-Marke, oder die Lidl Plus App, die unsere Kunden über Rabatte und Sonderaktionen informiert und ihnen hilft, Geld zu sparen. Lidl bietet unzählige Möglichkeiten, das Leben unserer Kunden zu bereichern – es ist an der Zeit, das noch stärker zu betonen. 

Was waren die ersten konkreten Schritte auf diesem Weg? 

Erfolgreiche Marken haben eine Gemeinsamkeit: Sie konzentrieren sich in ihrer Kommunikation weniger auf Produktdetails, sondern nehmen die Perspektive des Kunden ein und beantworten die Frage: Warum sollte ich dieses Produkt wählen? Beziehungsmarken vermitteln den Kunden ein gutes Gefühl und zeigen, welchen positiven Beitrag sie in ihrem Leben leisten können. Sie begeistern und schaffen nachhaltige Kundenerlebnisse, anstatt nur über das Produktangebot zu informieren. Als Unternehmen mit täglichen Berührungspunkten zu Millionen von Kunden ist dieses Verständnis unglaublich wichtig. Dieser Perspektivwechsel soll unsere Kommunikation künftig noch stärker prägen. 

Wenn Sie sich etwas wünschen könnten: Was sollte man einmal über die Kombination Robin Ruschke und Lidl sagen? 

Meine persönliche Reputation ist für mich zweitrangig. Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, Lidl zur ersten Wahl für Kunden zu machen. Lidl soll nicht nur attraktiv sein, sondern Kunden sollen sich bewusst dafür entscheiden. Wenn ich gemeinsam mit meinem Team Teil dieser Entwicklung sein kann, dann habe ich meinen Job richtig gemacht. 

Dieses Interview wurde schriftlich geführt. 

Anna Lena Hartmann (alh, Jahrgang 1997) ist seit August 2023 Werkstudentin bei der absatzwirtschaft. Im grünen Herzen Deutschlands aufgewachsen, lebt sie nun aufgrund ihres Germanistikstudiums in Leipzig. Zuvor verbrachte sie einige Jahre an der juristischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Ihr breites Wissens- und Interessenspektrum betrifft Themen wie Sport, Wirtschaft und Gesundheit.