Neulich beim Blick auf den Kalender: Ich nehme mir vor, dieses Jahr früher dran zu sein. Mit allem – Karten, Plätzchen, aber vor allem den Geschenken. Ich bin fast ein wenig stolz auf mich. Immerhin habe ich schon Mitte November daran gedacht, dass Weihnachten – Überraschung! – auch dieses Jahr wieder im Dezember sein wird. Ironischerweise wird genau das natürlich nichts daran ändern, dass es mich auch diesmal wieder völlig unvorbereitet erwischt.Â
Für alle, denen es bei Geburtstagen von Bekannten, Jahrestagen oder anderen Anlässen ähnlich geht: Diese Kolumne ist für euch! Denn heute geht es nicht um durchdachte Weihnachtskampagnen, sondern um eine kleine psychologische Rückendeckung – für uns alle, die wir mit dem Schenken manchmal etwas (zu) spät dran sind.Â
Denkfehler im Kopf der SchenkendenÂ
Die festliche Erleichterung bringt eine Studie von Haltman, Malkoc und McGraw (2025): Wir Spät-Schenkenden überschätzen systematisch den Beziehungsschaden, den wir meinen, dass unsere verspäteten Geschenke anrichten. Warum? Weil wir, vermutlich geplagt von schlechtem Gewissen, glauben, dass ein verspätetes Geschenk Ausdruck mangelnder Wertschätzung gegenüber der beschenkten Person sei. Doch genau hier liegt der Denkfehler im Kopf der Schenkenden!Â
Die Studie zeigt: Während wir als Schenkende auf den Zeitpunkt fokussieren, bewerten Beschenkte vor allem die Geste. Und die kommt auch verspätet noch gut an. Statt zu denken: „Bin ich dir nicht wichtig?!“, denken viele Beschenkte eher: „Wie schön, dass du überhaupt an mich gedacht hast!“Â
Lieber ein spätes als gar kein GeschenkÂ
Diese Diskrepanz in der Wahrnehmung von Spät-Schenkenden und Beschenkten hat Folgen. Wer spät schenkt, gibt sich oft besonders Mühe, legt eine ungeahnte Kreativität an den Tag oder alternativ einfach mehr Geld auf den Tisch. Gleichzeitig wächst mit jedem Tag Verspätung auch der innere Stresspegel. Zwei Tage zu spät: schlechtes Gefühl. Zwei Wochen: schlechtes Gewissen. Zwei Monate? Lieber gar nichts mehr schenken. Da Beschenkte auch trotz Verspätung beseelt sind, ist es folglich für alle Beteiligten besser, lieber ein spätes als gar kein Geschenk zu machen.Â
Für das Marketing ergeben sich daraus spannende Ideen. Warum nicht gezielt mit Premium-Angeboten für verpasste Anlässe werben? Muttertag, Valentinstag – und für manche eben auch Weihnachten – liefern genug Gelegenheiten. Vielleicht sogar gepaart mit einem Service, bei dem Unternehmen die Schuld für die Verspätung übernehmen oder mit einem präventiven Erinnerungsabo?Â
In diesem Sinne: Frohes Fest! Falls ihr das richtige Geschenk noch nicht habt, könnt ihr es in Ruhe besorgen. Und falls das ein bisschen länger dauert: Gönnt euch! Die Wissenschaft steht auf eurer Seite.Â
Quelle: Haltman, C., Herziger, A., Donnelly, G. E., & Reczek, R. W. (2025). Better late than never? Gift givers overestimate the relationship harm from giving late gifts. Journal of Consumer Psychology, 35(4), 567-583.Â


