KI und Agenturen: Wo Euphorie auf Ernüchterung trifft 

KI verändert alles – doch nicht alle Agenturen sind bereit dafür. Während die einen Effizienz und Kreativität neu denken, bremsen andere aus Angst, Unsicherheit und alten Geschäftsmodellen.
Ralf Strehlau ist Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter der Anxo Management Consulting sowie Ehrenpräsident des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberatungen.
Ralf Strehlau ist Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter der Anxo Management Consulting sowie Ehrenpräsident des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberatungen. (© Anxo)

Künstliche Intelligenz ist zweifellos das Schlagwort unserer Zeit und verändert laufend Prozesse, Strukturen und Geschäftsmodelle in der Agenturwelt. In den vergangenen Monaten hatte ich als Beiratsvorsitzender von Unternehmen oder Berater Gelegenheit, mit unterschiedlichsten Kommunikations- und Marketingagenturen bei Pitches zusammenzuarbeiten. 

Während einige Akteure KI als Wettbewerbsfaktor erkannt und integriert haben, kratzen andere noch an der Oberfläche oder setzen sie punktuell sein – oder gar nicht. Die Spreizung ist enorm. Dies macht sich in Projekten, Ergebnissen, der Zusammenarbeit und dem Pricing bemerkbar. Welche unterschiedlichen Agentursituationen gibt es? 

Die Vorreiter: KI als fester Bestandteil der Wertschöpfung 

Es gibt Agenturen, bei denen KI längst nahtlos in die täglichen Abläufe eingebunden ist. Hier gehören automatisierte Analysen, Predictive Content Creation, Sentiment-Analysen auf Social Media sowie der gezielte Einsatz von KI-gestützten Tools zum festen Werkzeugkasten. In solchen Agenturen ist KI nicht mehr nur Buzzword, sondern praktischer Teil der Wertschöpfung. 

Eine große Zahl von Agenturen ist aktuell im Übergangsstadium. KI wird hier als faszinierende Chance begriffen und einzelne Teams oder Mitarbeitende testen verschiedene Tools auf Eigeninitiative: ChatGPT für schnelle Texterstellung, Midjourney oder DALL·E für kreative Bildideen oder KI-getriebene Auswertungen von Social Media

Konsequenzen für den Agenturkunden 

Trotz des Hypes gibt es weiterhin Agenturen, die beim Thema KI noch am Anfang stehen. Hier dominieren Bedenken rund um Datenschutz, Qualität, Kundenakzeptanz und nicht zuletzt Angst vor möglichen Jobverlusten. Diese Zurückhaltung hat oft organisatorische oder kulturelle Gründe: Fehlende Ressourcen, geringe Digitalkompetenz, ein mangelndes Innovationsklima oder Sorgen vor Reputationsrisiken hemmen die Entwicklung. Manchmal wird KI trotz offensichtlicher Vorteile ausgeschlossen, um das eigene Geschäftsmodell oder kreative Selbstverständnis zu schützen. 

Fundamental ist es als Kunde von Agenturen zu erkennen: Wo steht mein Dienstleister? Eine intensive Diskussion und Hinterfragen ist notwendig, wobei man nicht nur auf die Vorreiter setzen sollte. Das gute Verständnis des Geschäftsmodells des Kunden, der Strategie und Prozesse seitens der Agentur hat einen hohen Mehrwert. Als Kunde muss man manchmal die etablierte Agentur treiben, stärker KI zu nutzen. 

Frage bei diesen Vorreitern ist insbesondere, wie werden die Effizienzgewinne an den Kunden weitergeben? Leider habe ich in Diskussionen um Budgets erlebt, dass die Intransparenz und mangelnde Erfahrung der Kunden von einigen Agenturen unangemessen ausgenutzt wird. Für mich ist dies ein kurzfristiges Denken. 

Liebe Agenturen, bitte seit offen, die Effizienzgewinne mit den Kunden zu teilen!