Deutschlands Agenturen haben sich im Umgang mit generativer Künstlicher Intelligenz (KI) weit vorgewagt, weiter als viele andere Branchen. Das zeigt die aktuelle Umfrage „Treiber der Transformation: Wie Agenturen generative KI nutzen“, durchgeführt vom Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) und Observatory International. Mit über 200 teilnehmenden Agenturen, darunter Full-Service-, Digital-, Kreativ- und PR-Agenturen, liefert die Untersuchung einen realitätsnahen Querschnitt der Branche, und erstmals belastbare Einblicke in die strategische Verankerung von KI in Agenturprozessen.
98 Prozent der Agenturen setzen heute bereits generative KI ein. Besonders bemerkenswert: 28 Prozent haben eigene Modelle entwickelt, über die Hälfte nutzt individuell angepasste („customized“) Varianten. Die Technologie ist nicht länger ein Testfeld, sondern ein produktiver Bestandteil operativer und kreativer Prozesse. Von der ersten Idee bis zur kanalübergreifenden Umsetzung beim Kunden.
KI ist struktureller Bestandteil der Wertschöpfung
Die Daten zeigen klar: Die Rolle von Künstlicher Intelligenz hat sich gewandelt, sie wird nicht mehr als kurzfristige Effizienzlösung betrachtet, sondern als langfristiger Transformationsmotor. 90 Prozent der Agenturen investieren heute aktiv in entsprechende Technologien. Und es soll weitergehen: 71 Prozent planen, ihr KI-Budget im Jahr 2025 zu erhöhen. Damit ist KI nicht nur ein technologisches Thema, sondern auch ein strategisches Investment, das über die Zukunftsfähigkeit von Agenturen (und ihren Kunden) entscheidet.
Franziska von Lewinski, Managing Partner bei Observatory, bringt es auf den Punkt: „Es geht nicht mehr ums Testen, sondern um etablierte Prozesse und neue Geschäftsmodelle.“ Wer heute mit Agenturen arbeitet, deren Prozesse von generativer KI gestützt werden, profitiert von höherer Geschwindigkeit, analytischer Tiefe und kreativer Qualität.
Kreativität und KI: Ein Zusammenspiel mit Potenzial
In der Kreativarbeit ist der Einfluss generativer Künstlicher Intelligenz besonders sichtbar. 95 Prozent der befragten Agenturen setzen sie in kreativen Prozessen ein, vor allem zur Ideenfindung, im Visual Design oder bei der Erstellung von Mock-ups. Dabei ersetzt KI nicht menschliche Kreativität, sondern erweitert sie: Sie macht Konzepte mutiger, schneller umsetzbar und inspirierter. Der eigentliche Qualitätssprung entsteht nicht erst in der Ausführung, sondern bereits in der Ideenphase.
Agenturen berichten, dass KI als „Sparringspartner“ fungiert. Sie stellt bestehende Ideen infrage, generiert neue Impulse und reduziert gleichzeitig den Aufwand für manuelle Routinen. In der Praxis heißt das: Teams können sich stärker auf strategische, markenrelevante Fragen konzentrieren und so Kommunikationslösungen schaffen, die relevanter und schneller marktreif sind.
Strategie, Daten, Planung: KI professionalisiert Kommunikation
Auch auf strategischer Ebene entfaltet Künstliche Intelligenz zunehmend Wirkung. 80 Prozent der Agenturen nutzen sie bereits zur Marken- und Kommunikationsplanung, zur Entwicklung von Personas, zur Marktforschung oder zur Customer-Journey-Optimierung. Besonders im Research-Prozess liefert KI schnellere und oft differenziertere Ergebnisse, ein Wettbewerbsvorteil, der gerade bei dynamischen Märkten und kurzen Time-to-Market-Zyklen entscheidend ist.
In der Datenanalyse kommt Künstliche Intelligenz ebenfalls flächendeckend zum Einsatz: 94 Prozent der Agenturen, die Datenprozesse automatisieren, nutzen KI-gestützte Tools zur Analyse, Prognose und Visualisierung. So lassen sich Kampagnen in Echtzeit optimieren, Inhalte präziser auf Zielgruppen zuschneiden und Budgets effizienter einsetzen.
Effizienz entlang der gesamten Produktionskette
Drei von vier Agenturen integrieren generative KI in ihre Produktionsprozesse. Besonders häufig wird sie für Textproduktion, Übersetzungen, Voiceover, Videobearbeitung und 3D-Renderings genutzt. Aber auch operative Abläufe wie Briefing-Erstellung, Projektsteuerung und Qualitätssicherung werden zunehmend KI-gestützt automatisiert – mit messbarem Effizienzgewinn.
Auch wenn die Nachfrage seitens der Unternehmen bislang oft noch zurückhaltend ist, bei über 60 Prozent der Agenturen machen KI-Projekte weniger als 10 Prozent der Kundenaufträge aus, wird der Großteil der generativen KI dennoch im direkten Kundenauftrag eingesetzt. Hier liegt für Unternehmen ein noch weitgehend unausgeschöpftes Potenzial.
Durch den intensiven Einsatz von Künstlicher Intelligenz verändern sich nicht nur Prozesse, sondern auch das Selbstverständnis vieler Agenturen. Sie verstehen sich nicht mehr nur als Dienstleister, sondern als Innovationspartner, Technologieanbieter und strategische Sparringspartner. Mit eigenen oder customized KI-Modellen bieten sie skalierbare Lösungen, entwickeln Lizenzprodukte und SaaS-Angebote – oft mit neu definierten Abrechnungsmodellen.
Bemerkenswert: Die Agenturgröße spielt dabei kaum eine Rolle. Kleine und mittlere Agenturen arbeiten mit KI ebenso erfolgreich wie große Netzwerke. Entscheidend ist nicht die Ressourcenstärke, sondern die Haltung: Offenheit, Experimentierfreude und der Wille, neue Technologien produktiv zu integrieren (Link zur Umfrage).
