Julep-Deal zeigt Potenzial für Podcast-Werbung

Das amerikanische Unternehmen Libsyn kauft das deutsche Startup Julep Media. Die heute bekanntgegebene Transaktion lässt darauf schließen, dass die goldene Ära der Podcast-Werbung gerade erst beginnt.
Mit der Übernahme von Julep Media investiert Libsyn in den europäischen Podcast-Werbemarkt. ©Julep

In die Podcast-Szene kommt Bewegung: Der große amerikanische Podcast-Dienstleister Libsyn kauft das erst 2019 gegründete Münchner Startup Julep Media, über dessen Plattform Werbetreibende und Hosts zueinander finden können. Der Deal ist nicht zuletzt deshalb bemerkenswert, weil er zeigt, für wie zukunftsträchtig und wachstumsstark das junge Segment Podcast-Werbung angesehen wird. „Der Podcast-Werbemarkt steht in Europa noch ganz am Anfang“, sagte Libsyn-CEO Brad Tirpak anlässlich der Übernahme. Julep habe „genau auf die Themen gesetzt, in denen auch wir die Zukunft der Podcast-Vermarktung sehen: Technologie und Automatisierung“.

Zu Juleps Gründern zählen der prominente Medienmanager und frühere ProSiebenSat1-Vorstand Marcus Englert sowie die Seriengründer Björn Jopen und Sebastian Weil, letzterer bekannt durch das Multichannel-Network Studio71. Sie positionierten Julep als Werbepartner für Hosts mit kleiner und mittelgroßer Reichweite, deren Betreuung die meisten Wettbewerber zu aufwendig fanden. Juleps Lösung: eine Plattform, die auch automatisierte Werbeeinspielungen ermöglicht.

Schon nach einem halben Jahr vermarktete die kleine Firma 150 Podcasts mit rund sieben Millionen Streams. Heute sind es mehr als 500 Podcasts mit über 45 Millionen Streams, laut Englert ein „enormer Erfolg“. Überdies produziert Julep eigene Podcasts wie die True-Crime-Formate „Reich schön tot“ oder „Schwarze Akte“ und reklamiert mit dem Dreiklang Vermarktung, Produktion und Distribution eine Alleinstellung in Deutschland.

Libsyn will expandieren – und das aggressiv

Über die Anfänge des Startups hatte die absatzwirtschaft im September 2020 berichtet. Schon damals ließ Investor Englert Interesse an einem Verkauf erkennen, indem er einen Börsengang ausschloss und als mögliche Interessenten unter anderem „internationale Marktpartner“ nannte. Allerdings konnte er sich auch eine Expansion in Eigenregie vorstellen: „Vielleicht sind wir eines Tages auch selbst der Kopf eines internationalen Podcast-Netzwerks.“ Dies hat sich durch den Verkauf an Libsyn nun erübrigt.

Libsyn, das korrekt „Liberated Syndication Inc.“ heißt, hat seinen Hauptsitz in Pittsburgh, Pennsylvania. Das Unternehmen war bereits 2004 gestartet und vermarktete im vergangenen Jahr weltweit rund 75 000 Podcasts mit 5,8 Millionen Episodendateien und mehr als sechs Milliarden Downloads. Außerdem produziert und hostet das Unternehmen Digital-Talks unter verschiedenen Marken und ist Partner von über 25 Streaming-Diensten. In einer Präsentation für Investoren aus dem Jahr 2021 heißt es, Libsyn wolle „aggressiv über die gesamte Wertschöpfungskette von Podcasts hinweg“ expandieren. Die Popularität von Audiosendungen wachse, während das Potenzial ihrer Monetarisierung noch lange nicht ausgeschöpft sei.

Über den Verkaufspreis wurde nichts bekannt. Alle bisherigen Investoren bleiben an Bord, nun als Gesellschafter von Libsyn. Die Geschäfte von Julep führt weiterhin CEO Steffen Hopf, der die Übernahme dank der Expertise von Libsyn als Chance zur Weiterentwicklung des Startups bezeichnete. Formal muss das Bundeswirtschaftsministerium den Verkauf noch genehmigen.

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