Um es gleich vorweg zu sagen: Nein, der Obstkorb rettet nicht die Arbeitswelt. Niemand wird einen Job wegen des Obstkorbs zusagen und mit Tränen in den Augen an seinem ersten Arbeitstag in die übrig gebliebene Pflaume beißen.
Das aber glaubt nicht mal der aus der Zeit gefallene Chef mit autoritärem Auftreten ernsthaft. Der Obstkorb ist ein nettes Add-on. Und als solches sollte man ihn auch begreifen. Und nicht als Feigenblatt der Mitarbeitendenzufriedenheit.
Man könnte denken, dass der Obstkorb in etwa so sei, wie der Kollege, der heute noch seine Kollektion von 0er-Jahre Krawatten zur Schau trägt: immer da, ein bisschen überholt und stets Ziel von Spötteleien. Doch haltet eure Bananen fest! An diesem ach so unscheinbaren Korb hängt mehr, als auf den ersten Blick sichtbar ist.
Ein Stück weit ist der Früchtekorb auch der Energielieferant, der uns die Kraft gibt, uns durch endlose Meetings und die unermüdliche E-Mail-Flut zu kämpfen. Ein Korb voll Obst ist der kleine, stille, verspottete Alltagsheld des Büros, der uns mit seinen Superkräften davor bewahrt, beim Montagsmeeting vom Tisch zu kippen, während wir glauben, dass eigentlich der Koffeinschub von der Kaffeemaschine hilft. Über dessen Gratis-Kaffee übrigens weniger Spott zu hören ist.
Natürlich ist der Obstkorb als prominent platzierter oder gar einziger Benefit in einer Stellenanzeige fehl am Platz. Auf dem Tisch oder der Küchenablage im Büro ist der Obstkorb jedenfalls besser platziert als auf Stepstone oder LinkedIn.
Der Obstkorb ist maximal integrativ
Aber: Der Obstkorb kann in der Tat ein Vorteil sein, wenn es morgens mal wieder zu hektisch für das Frühstück war. Wenn es mit der Pause wieder nicht so richtig klappen will.
Weder Obstkorb-Hate noch ständige Obstkorb-Witzchen bringen uns irgendwie weiter. Dabei ist der Obstkorb doch maximal integrativ. Vielleicht können wir sogar etwas von ihm lernen. Er nimmt die Erdbeere bei sich auf, obwohl sie rein botanisch gesehen eigentlich eine Nuss ist.
Doch das ist längst nicht alles. Der Obstkorb ist der heimliche Förderer der Bürodemokratie. Egal, ob du aus der Buchhaltung oder der IT-Abteilung bist, ob Praktikant oder CEO – beim Griff zum Apfel ist jeder gleich. Der Obstkorb kennt keine Hierarchien!
Wenn der Obstkorb wirklich so ein abstruses Bürowesen ist, dann stellt sich die Frage wieso so mancher Tischkicker nach anfänglicher Hypephase eher in der Ecke verstaubt, während Früchtekörbe immer an zentralen Stellen des Büros stehen und dort regelmäßig leergefegt werden. Ja, das ein oder andere Stück Frucht wird mal mit spitzen Fingern angefasst. Aber generell wird der Obstkorb doch rege genutzt.
In einem der spottenden LinkedIn-Posts zum Thema Obstkorb liest man Sätze wie die folgenden: „Während sich andere Firmen noch immer selbstzufrieden auf die Schulter klopfen, weil sie ihren Mitarbeitenden einmal die Woche drei braune Bananen und einen Apfel vom Discounter anbieten.” Da muss man sich schon fragen: Wer macht das wirklich? Genau: Niemand.
Natürlich steigert der Obstkorb vor allem das Vitamin-C-Level und befördert einen keineswegs direkt ins C-Level. Wer aber ständig nur spöttelnde Benefit-Witzchen über den ach so lächerlichen Obstkorb macht, dem wird dieses Job-Level sicher ebenfalls versperrt bleiben.
Ein Korb voll Früchte zahlt keine Miete. Er ist auch nur im Extremfall ein Lebensretter. Aber er ist ein freundliches Helferlein, das die Arbeitswelt ein Apfelstückchen besser macht. Also eben doch genau das: ein Benefit.
Auf eine vitaminreiche Woche!
