Das Internet vergisst nichts. Diese meist im negativen Sinne genutzte Zuschreibung ist in diesem Rückblick auf schöne Marken-Award-Erinnerungen aus 25 Jahren ausdrücklich positiv gemeint.
So findet sich bei der Google-Suche der beiden Begriffe „Frosta“ und „absatzwirtschaft“ ein Blogeintrag aus dem Jahr 2015. Auf dem unternehmenseigenen Blog des Tiefkühlkostherstellers unter der Kategorie „Produkt News“ schreibt da der damalige Director Marketing & Sustainability Torsten Matthias: „Fast hätten wir den Marken-Award gewonnen“. Aus seiner Enttäuschung macht der Manager keinen Hehl und gibt den Mit-Finalisten in der Kategorie „Bestes Marken-Momentum“ auf humorvolle Art und Weise noch einen Seitenhieb: „Neben uns waren noch zwei Marken nominiert, die man kaum kennt, nämlich ‚Bild‘, eine Zeitung, die jetzt auch online etwas macht, und BMW, eine Autofirma aus Bayern. Da haben wir uns natürlich schon etwas ausgerechnet.“
Die Pointe folge drei Jahre später in Form einer Reaktion auf eben jenen Blog-Eintrag. Da schreibt Hinnerk Ehlers, damals wie heute Marketing- und Vertriebs-Vorstand bei Frosta: „Ein Nachtrag heute mal von meiner Seite, weil ich gerade drauf hingewiesen wurde, dass wir das hier ja nie veröffentlicht haben: Wir haben 2017 den Marken-Award nämlich dann doch gewonnen. Die Auszeichnung war für uns eine große Ehre und großer Ansporn zugleich.“
Frische Zutaten, keine Zusätze, transparente Herkunft
Mit „Cool geblieben“ ist der damalige Gewinnertext betitelt. „Frische Zutaten, keine Zusätze, transparente Herkunft. Klingt super, brachte anfangs aber keinen Schub. Inzwischen wächst Frosta wie ein Start-up – und verdient dabei auch Geld“, heißt es weiter. Das börsennotierte Familienunternehmen aus Bremerhaven gewann den Preis 2017 in der Kategorie „Bestes Marken-Momentum“.
Am Beispiel der Tiefkühlmarke zeigt sich, dass sich mutige Entscheidungen, Transparenz und ein langer Atem auszahlen. Bei Frosta geht es um Nachhaltigkeit in doppelter Hinsicht – sowohl ökologisch als auch im Sinne von konsequentem Verfolgen des eingeschlagenen Weges.
Dieser Weg liest sich im damaligen Gewinnerporträt wie folgt: „Nach Krisenjahren und Umsatzeinbrüchen zwischen 2000 und 2003 erholte sich das damals vor allem für seine Fischstäbchen bekannte Unternehmen schnell und kehrte seiner alten Philosophie – Tiefkühlware in Folienverpackung – den Rücken. Die neue Devise lautet seitdem: Frische Zutaten, keine Zusätze, transparente Herkunft. So überraschte Frosta im Jahr 2009 die Branche damit, die umstrittene Lebensmittel-Ampel freiwillig auf vier Produkten abzudrucken.
Im selben Jahr veröffentlichte Frosta bei seinen Markenprodukten den CO2-Fußabdruck im Internet. 2011 stellte das Unternehmen auf Grünstrom um und präsentierte 2013 den Zutatentracker. Schon 2011 nahm Frosta Tiefkühlgemüse ins Programm, 2013 dann auch Tiefkühl-Fischzubereitungen. 2015 folgte der Transparenzcoup: Auf den Verpackungen ist nun die Herkunft jeder Zutat chargengenau abgedruckt. Die Wände der Produktionshallen in Bremerhaven wurden durch Glasscheiben ersetzt (gläserne Fischmanufaktur). Die Beutel bestehen seither aus einem Kunststoff mit besonders hohem Recycling-Wert, bedruckt mit wasserbasierten Farben. Was andere für zu kompliziert halten, macht Frosta einfach.“
Starkes Wachstum und Ausbau der Marktführerschaft
Diese Investitionen in Qualität, Nachhaltigkeit und Transparenz begleitet mit der richtigen Kommunikation überzeugten die Zielgruppe und mündeten schließlich in anhaltendem wirtschaftlichem Erfolg: steigendem Umsatz und Gewinn sowie dem Ausbau der Marktführerschaft in verschiedenen Tiefkühl-Kategorien.
2012 wurde Frosta bereits als „Deutschlands nachhaltigste Marke“ ausgezeichnet. Das Unternehmen verzeichnete in der Folge regelmäßig zweistellige Wachstumsraten bei Umsatz (2024: 638 Millionen Euro) und Gewinn (2024: 42 Millionen Euro). Frosta beschäftigt heute mehr als 1760 Mitarbeiter, 700 davon in Bremerhaven, die übrigen in drei weiteren Werken in Deutschland und Polen.

Nachhaltigkeit als Basis für Marketing-Anstrengungen
Die Herausforderung für den Tiefkühlproduzenten, früher als die Konkurrenz auf das Thema Nachhaltigkeit gesetzt zu haben, beschrieb Marketingvorstand Ehlers 2020 in einem Gastbeitrag für die absatzwirtschaft so: „Dieser Weg ist anstrengend, aber gleichzeitig für jeden von uns unglaublich motivierend. Mit absoluter Überzeugung beschäftigen wir uns stets mit Ideen, noch nachhaltiger zu werden. Gleichzeitig freut es uns, dass das Thema nun in der Branche wirklich angekommen ist. Nachhaltigkeit wird die Basis für unsere Marketing-Anstrengungen bleiben.“
Frosta hat die Zeichen der Zeit früher als seine Wettbewerber erkannt und seine Linie konsequenter als die Konkurrenz verfolgt. Das Unternehmen verzichtet mittlerweile seit 22 Jahren auf Zusatzstoffe. Ein weiteres Erfolgskriterium war die stetige Erweiterung der Produktpalette, mit der die Marke der ungebrochenen Lust der Deutschen auf Tiefkühlprodukte entsprochen hat.
Marketing kommuniziert Veränderungen
Der Beitrag des Marketings für den Erfolg ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Schließlich müssen alle Veränderungsmaßnahmen nicht nur kommuniziert werden, sondern auch auf Zustimmung der Zielgruppen treffen. „Unsere Produkte konnten wir nicht (mehr) besser machen. Aber besser und klarer unsere Überzeugung kommunizieren“, sagte Hinnerk Ehlers schon 2017. Bei allem Wandel schadet es nicht, auch an manchen bewährten Dingen festzuhalten. Ein kommunikativer Anker der Norddeutschen ist ihr Claim. „Frosta ist für alle da“ spielt ungefähr in der gleichen Ohrwurm-Liga wie „Merci, dass es dich gibt“ oder „Auf diese Steine können Sie bauen – Schwäbisch Hall“.
Das 1905 gegründete Unternehmen und die 1961 eingetragene Marke Frosta gehen technologisch mit der Zeit. Im Marketing, etwa bei der Media-Planung, setzt Frosta längst auf KI, wie Hinnerk Ehlers 2023 im Interview mit der absatzwirtschaft schilderte. Auch bei der Produkt- und Verpackungsentwicklung sei ein Einsatz denkbar, so der Manager. Die wichtigste Aufgabe werde allerdings immer in Menschenhand oder besser -Mund bleiben: „Mir ist noch keine KI bekannt, die für uns das Abschmecken unserer Produkte übernehmen könnte und das ist auch gut so.“
