Künstliche Intelligenz wird mehr und mehr zur digitalen Infrastruktur des Alltags: Wie Axios unter Berufung auf exklusive OpenAI-Daten berichtet, verarbeitet ChatGPT mittlerweile täglich rund 2,5 Milliarden Prompts weltweit – davon allein 330 Millionen in den USA. Das entspricht einem Zuwachs von 150 Prozent gegenüber Dezember 2024, als CEO Sam Altman noch von einer Milliarde täglicher Interaktionen sprach.
Die schiere Menge ist beeindruckend: Hochgerechnet bedeutet das rund 29.000 Anfragen pro Sekunde. Nur zweieinhalb Jahre nach der öffentlichen Einführung zählt ChatGPT damit zu den am schnellsten wachsenden Tech-Produkten aller Zeiten. „In gewissem Sinne ist ChatGPT schon heute mächtiger als jeder Mensch, der je gelebt hat“, schreibt Altman in seinem Essay „The Gentle Singularity“ – eine provokante Formulierung, die unterstreicht, wohin OpenAI seine Vision verortet.
Besonders bemerkenswert: Die USA machen trotz ihrer Spitzenposition nur rund 13 Prozent der weltweiten Nutzung aus – ein klares Signal für die globale Relevanz der Plattform. Damit wird auch der Vergleich mit dem Platzhirsch Google greifbar. Zwar veröffentlicht Alphabet keine genauen Zahlen, doch laut verschiedenen Marktanalysen verarbeitet Google zwischen 13,7 und 16,4 Milliarden Suchanfragen pro Tag. ChatGPT liegt mit 2,5 Milliarden Prompts bereits bei etwa 18 Prozent dieses Volumens.
„ChatGPT beginnt, Menschen an sich zu binden“
ChatGPT-Prompts sind im Schnitt deutlich länger (23 Wörter) als klassische Google-Suchanfragen (etwa 4,2 Wörter) und zielen auf komplexere, konversationelle Aufgaben ab. Studien zufolge fallen rund 70 Prozent der ChatGPT-Nutzungen nicht in klassische Suchmuster. Axios analysiert: „ChatGPT beginnt, Menschen an sich zu binden – ähnlich wie Nutzer tief im Apple-Ökosystem selten zur Konkurrenz wechseln.“
Dieser Trend spiegelt sich auch in den Geschäftszahlen wider: OpenAI verzeichnet laut eigenen Angaben inzwischen 500 Millionen wöchentliche Nutzer und einen jährlichen Umsatz von rund 10 Milliarden Dollar. Auch die Zahl der zahlenden Unternehmenskunden stieg deutlich von 2 Millionen im Februar auf 3 Millionen im Juli.
OpenAI will LLM tiefer in den Alltag integrieren
Parallel dazu baut OpenAI seine technologische Infrastruktur massiv aus, um die wachsende Nachfrage zu stemmen, nicht zuletzt, um sich gegenüber Mitbewerbern wie Google, Anthropic oder Meta zu behaupten. Der Zeitpunkt der Bekanntgabe ist dabei kaum zufällig gewählt: CEO Sam Altman will diese Woche in Washington D.C. beim Fed-Kongress die Produktivitätsgewinne durch KI betonen und damit OpenAI auch politisch stärker als Innovationsmotor positionieren.
Mit neuen Features wie ChatGPT Agent und geplanten Funktionen für autonomes Browsen will OpenAI die Plattform noch tiefer in den Alltag integrieren. Für Marken, Marketingverantwortliche und Strateginnen bedeutet das ein Einstellungswechsel.
Denn Sichtbarkeit entsteht zunehmend nicht mehr über klassische Suchmaschinen, sondern innerhalb von KI-generierten Antworten. Um relevant zu bleiben, müssen Unternehmen Inhalte schaffen, die von Sprachmodellen aufgegriffen und weiterverwendet werden können – hochwertig, vertrauenswürdig und kontextstark. Strukturierte Informationen und ein klarer Nutzwert rücken ins Zentrum der Markenkommunikation. Wer heute noch SEO denkt, muss morgen bereits „AI Visibility“ mitdenken. Denn KI wird zum neuen Gatekeeper der Aufmerksamkeit.
