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Willkommen in Chinas jüngstem Roboter-Restaurant

Restaurantroboter treffen den perfekten Garpunkt und sind effizienter als ihre menschlichen Kollegen. Dem Service fehle aber die persönliche Note, so kritische Besucher. © Country Garden Holdings

In China wurde der weltweit erste "Roboter-Restaurant-Komplex" eröffnet. Roboter übernehmen Bestellungen, das Kochen und das Servieren. Das Restaurant zeugt vom hohem Marktwert der chinesischen Robotikindustrie, die auch in der Corona-Pandemie hilfreich sein kann.

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Der Foshan Shunde District gilt traditionell als die Wiege der kantonesischen Küche. Ausgerechnet hier hat das Foodom Tianjiang Food Kingdom eröffnet. Es ist eines von sechs Restaurants der Qianxi Robot Catering Group. Zusammen bilden sie den ersten Roboter-Restaurant-Komplex der Welt.

Allein der Begriff “Komplex” zeugt von der Größe des Restaurants und der Synchronität der Abläufe. Die Anlage hat eine Kapazität von fast 600 Sitzplätzen und bietet Platz für über 40 Roboter, die rund 200 Gerichte aus drei Grundkategorien kochen können: Chinesisch, Hot Pot und Fast Food. Gäste, die im rosa-weißen Restaurant ankommen, treffen ihre Menüauswahl unter der Beobachtung breitäugiger Roboterkellner.

Bedienung bis zu 24 Stunden am Tag

Wenn die Mahlzeiten fertig sind, wird das Essen direkt von einem Skyrail-System an ihren Tisch geliefert oder auf einem Tablett herbeigefahren. Einige Roboter, die sogenannten “Burger-Maschinen”, bedienen Kunden 24 Stunden am Tag.

Der Geschäftsführer der Qianxi Group betont, dass die Roboter die Restaurants in Bezug auf den genutzten Platz und die benötigte Garzeit effizienter betreiben als ihre menschlichen Kollegen. Der Nudelroboter zum Beispiel nimmt vier Quadratmeter Grundfläche ein und kann bei Bedarf 120 Gerichte pro Stunde ausschütten.

Sie sind auch sicherer, sagte der Manager. Dank eines standardisierten Kochprozesses und des Fehlens von Mensch-zu-Mensch-Kontakt. Ein vollständiges wissenschaftliches Kontrollsystem und der weit verbreitete Einsatz intelligenter Geräte verringern das Risiko einer Infektion. Dies sei zu Corona-Zeiten ein Extraargument für die chinesischen Restaurantbesucher.

1000 Versuche für Hühnerbrühe

Die Kochroboter lernen, wie sie komplizierte chinesische Gerichte zubereiten sollen, indem sie erfahrene menschliche Köche bei ihrer Arbeit imitieren. Um die perfekten Garzeiten, Abläufe und Temperaturen für die finale Programmierung herauszufinden, durchlaufen sie Trial-and-Error-Prozesse. Allein für einfache Gerichte wie eine Hühnerbrühe müssen alle Variablen in bis zu 1000 Versuchen angepasst werden. Danach ist die Programmierung allerdings für die Ewigkeit.

Die Muttergesellschaft der Qianxi Group, der Immobilienentwickler Country Garden, ist mit der Gründung der Tochtergesellschaft Anfang 2019 in den Bereich Robotik eingestiegen. Seitdem hat die Qianxi Group 61 Roboterprototypen entwickelt, über 500 Patente angemeldet und verfügt nun über ein Forschungs- und Entwicklungsteam mit über 300 Mitarbeitern.

In keinem anderen Land sind Roboter so beliebt wie in der Volksrepublik. Ihr Industrierobotersektor ist der größte und am schnellsten wachsende aller Länder der Welt. Im Jahr 2019 wuchs er um 21 Prozent auf einen Marktwert von 5,4 Milliarden US-Dollar. Dabei sind vor allem Fabrikroboter entscheidend, um die Produktionskosten zu senken und die Effizienz der Arbeiter zu maximieren.

Einsatz in allen Bereichen

In den vergangenen Jahren haben sich alle möglichen Unternehmen daran versucht, Lebens- und Arbeitsbereiche der chinesischen Bevölkerung zu mechanisieren. Darunter fiel die Begrüßung von Gästen bei Konferenzen, der Unterricht im Klassenzimmer, die Präsentation der Nachrichten im Fernsehen und sogar Sex. Im medizinischen Bereich hat sich China auf Roboter verlassen, um ältere Menschen zu unterstützen, Patienten zu diagnostizieren und Akupunktur zu verabreichen.

Die Notwendigkeit, den Kontakt zwischen Menschen während der COVID-19-Pandemie zu minimieren, brachte und bringt der Roboterindustrie weiter Aufwind. Seit Januar werden Roboter verwendet, um Krankenhäuser zu desinfizieren, Patienten Nahrung zu servieren und auf den Straßen zu patrouillieren.

Einige dieser Robocops können von der Temperaturmessung bei Menschen über die Übermittlung von Patientendaten an öffentliche Stellen bis zur Züchtigung bei Nichteinhalten der Regeln alles übernehmen. Die Qianxi-Gruppe hat während der Pandemie ihre Roboter in Krankenhäuser in Wuhan geschickt. Ein einziger Roboter war in der Lage, 100 Portionen Tofureis pro Stunde vorzubereiten und konnte dabei Übertragungsrisiken massiv senken.

Das Menschliche fehlt

So hygienisch die Abläufe auch sind – die Eröffnung des neuen Roboterrestaurants wurde zwar gefeiert und die Technologie als äußerst innovativ bewertet. Die tatsächliche Restaurantkritiken sind allerdings nur mittelmäßig. Auf der beliebten Bewertungs-App Dianping hat die Lokalität eine durchschnittliche Bewertung von 3,8 von fünf Sternen. Der Hauptkritikpunkt wirkt fast ironisch: “Das Gemüse und die Zutaten der Gerichte seien zu genau geschnitten, ohne menschliche Note”, so einer der ersten Kommentare. Zwar sei der Geschmack der Gerichte ausgezeichnet, alles aber zu unpersönlich, schrieben weitere Kritiker.

absatzwirtschaft+

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