Die Zahl der Beschwerdefälle ist in den ersten sechs Monaten 2025 erneut gestiegen. Wie der Deutsche Werberat berichtet, gingen insgesamt 302 Einzelbeschwerden ein. Daraus ergaben sich 196 Fälle, über die das Gremium entscheiden musste – ein Plus von rund acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit einer Durchsetzungsquote von 92 Prozent sieht sich der Werberat in seiner Rolle als Selbstkontrollorgan der Werbewirtschaft bestätigt.
Werberat: Sexistische Werbung weiter Hauptproblem
Am meisten Anlass zur Kritik gab erneut geschlechterdiskriminierende Werbung. Hier verzeichnete der Werberat einen deutlichen Anstieg um mehr als 30 Prozent auf 96 Fälle (Vorjahr: 73). Bemerkenswert: 2024 war diese Kategorie im ersten Halbjahr noch stark rückläufig. In 15 Fällen konnte die beanstandete Werbung gestoppt oder deutlich verändert werden. In 50 Fällen lag nach Prüfung kein Verstoß vor. Drei Unternehmen jedoch ignorierten die Aufforderung zur Änderung – sie erhielten eine öffentliche Rüge.
Im Mai traf es zunächst die Berliner Pekeag GmbH, die auf ihrer Webseite leicht bekleidete Frauen ohne Bezug zur Dienstleistung zeigte, sowie die Klempnerei Ulbricht aus Großenhain, deren Fahrzeugwerbung Frauen sexualisiert und abwertend darstellte. Die nun ausgesprochene dritte Rüge ging an die RiTec GmbH aus Schleswig-Holstein: Auf einem Firmenfahrzeug zeigte das Unternehmen den Ausschnitt eines weiblichen Körpers im Bikini mit dem doppeldeutigen Slogan „Alles in bester Form“.

Nach Ansicht des Werberats reduziert das Motiv die Frau auf ihre sexuellen Reize. Der fehlende Kopf verstärke den objektivierenden Charakter zusätzlich. Da RiTec nicht bereit war, das Motiv zu ändern, wurde die Rüge ausgesprochen
Mit 22 Fällen belegt der Bereich Ethik und Moral den zweiten Platz der Kritikpunkte, gefolgt von der Diskriminierung von Personengruppen (16 Fälle). Auch Werbung für Alkohol (+275 Prozent gegenüber dem Vorjahr) und Gewaltverherrlichung (+150 Prozent) legten deutlich zu, wenn auch auf niedrigerem Nivea
Digitale Werbung und Fahrzeuge besonders oft beanstandet
In der Medienkategorie führt digitale Werbung mit 64 Fällen das Ranking an – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 49 Fällen im Vorjahr. Innerhalb dieser Gruppe sind soziale Netzwerke und Influencer mit 34 Fällen am häufigsten betroffen, gefolgt von mobiler Werbung (12) und Display-Anzeigen (11).
Die Beanstandungsquote liegt hier mit knapp 30 Prozent hoch, Rügen wurden jedoch keine ausgesprochen. Gleichauf bei der Beanstandungsquote liegt Fahrzeugwerbung. Sie verzeichnete im ersten Halbjahr zwar nur 27 Fälle, jedoch drei Rügen – allesamt wegen sexistischer Darstellungen.
Branchen mit den meisten Beschwerden
Nach Produktkategorien dominieren der stationäre und der Online-Handel mit jeweils 25 Fällen. Dahinter folgen Lebensmittel ohne Alkohol (18 Fälle) sowie Elektronik und Kommunikationstechnik (17).
Thomas Hinderer, Vorsitzender des Deutschen Werberats, fasst zusammen: „Die Bilanz für das erste Halbjahr 2025 zeigt einmal mehr, wie wichtig das Selbstkontrollorgan der Werbewirtschaft ist und auch, dass der Werberat besonders im Bereich der geschlechterdiskriminierenden Werbung konsequent vorgeht. Zwar ist die Zahl dieser Fälle im Vergleich zum Vorjahr wieder gestiegen, doch zeigen die Rügen der letzten Monate, dass der Werberat gerade in diesem sensiblen Bereich klare Grenzen setzt und Verstöße nicht duldet.“
