Mit der feierlichen Eröffnung ihres neuen Flagship-Standortes am prestigeträchtigen Baseler Platz in Frankfurt feierte die neue Coworking-Marke Rivvers am 20. Februar 2025 ihr Debüt. Dem ging ein Markenentwicklungsprozess voraus, der bereits im Vorjahr gestartet ist. Im Boot saßen die Hamburger Kreativagentur Dragon Rouge und die Bochumer 9elements. Dabei galt es, zwei regionale Coworking-Unternehmen miteinander zu verschmelzen. Aus dem hessischen SleevesUp! Spaces und dem nordrhein-westfälischen Work Inn wurde Rivvers.
Das 2016 von Sebastian Schmidt als „The Office Frankfurt“ zur Untervermietung überschüssiger Fläche des eigenen Tech-Unternehmens gegründete und 2018 in SleevesUp! Spaces umbenannte hessische Unternehmen besaß vor der Fusion 20 Spaces. Work Inn brachte 15 Spaces mit in die “Ehe” ein. Hinter dem Coworking-Anbieter aus NRW steht das Gründerpaar Dörte und Tim Schabsky. Sie brachten die Coworking-Idee aus ihrem Jahr in London mit. 2014 eröffneten sie ihren ersten Space in Dortmund, bei dem sie von Anfang an auf eine starke Community und den Aufbau des Netzwerks setzen.
Suche nach Partnern für neues Wachstum
„Wachstum war immer das Ziel“, sagt Tim Schabsky, mittlerweile Head of Marketing, Sales und People & Culture bei Rivvers. Als der Gründer und seine Frau im Ruhrgebiet mit Work Inn Marktführer wurden, machten sie sich auf die Suche nach einem Partner, mit dem sie gemeinsam wachsen können. „Uns war es von Anfang an wichtig, dass es eine Partnerschaft unter Gleichen ist, und wir nicht das Gefühl vermitteln, ein Unternehmen hätte das andere übernommen.“

Im Gespräch mit den beiden SleevesUp!-Geschäftsführern Sebastian Schmidt und Sebastian Fuss entdeckten die Schabskys einen ähnlichen Spirit. Zudem habe es geholfen, dass man sich bisher eher nicht auf die Füße getreten sei. Der Deal kam 2024 zu Stande. Es wurde eine neue Gesellschaft gegründet, die United Workspace, in denen Work Inn und SleevesUp! Tochtergesellschaften sind. Fast alle Mitarbeitenden haben den Übergang mitgemacht. Die United Workspace beschäftigt heute gut 80 Mitarbeitende, zwei Drittel davon im Bereich Standort- und Community-Management.
Die Markenentwicklung: Eine Kooperation
Die Entwicklung der neuen Marke war ein Gemeinschaftsprojekt, an dem ein großes Team beteiligt war: Die vier Gesellschafter und Gesellschafterinnen mit ihren Investoren und den Mitarbeitenden, wovon Tim Schabsky die Schnittstelle war, sowie der Hamburger Agentur Dragon Rouge und der Agentur 9elements aus Bochum.
Schabsky ging zunächst auf 9elements zu, die ihrerseits Niki Slawinski mit ins Boot holten. Der Head of Corporate Branding bei Dragon Rouge agierte bei diesem Projekt vor allem in der Anfangsphase als Brand Strategist. Für die Muttergesellschaft war es wichtig, als neuen Markennamen nichts Produktbezogenes wie „Büro24.com“ zu nehmen, sondern die Verbindung der Menschen zu betonen.
Der Prozess zur Findung der gemeinsamen Markenstrategie und des Namings dauerte von Mitte Mai bis Ende Juni 2024. Vier Wochen später hatten alle Beteiligten ihre Freigabe erteilt. Die Markenstrategie, die von Dragon Rouge entwickelt wurde, griff zentrale Punkte auf: Ein wichtiges Thema war das „Flow“-Konzept, das besagt, dass sich die Nutzer im Coworking-Bereich zu Hause fühlen und schnell in den Arbeitsfluss kommen. Dieses Gefühl sollte visuell übersetzt werden.
Doppelt-V im Namen soll “Welle machen”
Der Name „Rivvers“, geschrieben mit zwei V, wurde als prägende Komponente aufgegriffen, die den Schwung und Fluss repräsentiert. Visuell manifestiert sich dies in einem geschwungenen grafischen Element, das sowohl im Logo im großen R, als auch auf der Website als „visuelle Klammer“ oder Hintergrundelement verwendet wird. Das Doppel-V in Rivvers ist dabei aus zwei Gründen nützlich: Zum einen ist es schwierig, ein reguläres Wort als Marke zu etablieren. Das Doppel-V hat aber auch eine symbolische Bedeutung, erklärt Schabsky: „Es sind zwei Unternehmen, die zusammenkamen. Und es macht optisch ein bisschen ‘eine Welle’.“
Eine weitere wichtige Komponente war die Farbe Grün. Da sowohl Work Inn als auch SleevesUp! Grün bereits als Hauptfarbe hatten, sollte es weiterhin eine dominante Rolle spielen. 9elements entwickelte ein detailliertes Farbsystem, um die Konsistenz in allen Coworking Spaces sicherzustellen. Ergänzt wird dies durch natürliche Farben wie Sand- und Gelbtöne, die mit den Grüntönen harmonieren und eine warme Atmosphäre schaffen. 9elements war außerdem für die Entwicklung des gesamten Corporate Designs, des Logos und der Webseite verantwortlich.

Eine Herausforderung, insbesondere bei der Entwicklung des Designs, war die Anzahl der Stakeholder. Zum einen sollte eine Brücke zwischen den beiden bereits bestehenden Designs geschlagen werden und doch ein neues Design entstehen. Tommi Gutscher, der hier das Design übernahm, berichtet: „Wir mussten da das Gleichgewicht finden. Es gab einige Vorgaben, an denen wir uns orientiert haben, und uns aber auch nicht zu sehr eingeschränkt haben. Das war schwierig, die Balance zu finden. Darum war der CI-Prozess etwas länger. Am Ende haben wir aber einen ganz guten Weg gefunden.“ Zudem habe es geholfen, schon früh in den Meetings dabei zu sein, als es noch um die Markenentwicklung ging, berichtet Daniel Nierhauve, Co-Founder und Chief Business Officer von 9elements.
Keine klare Definition von Coworking
„Umsatzmäßig sind wir sicherlich nicht der Größte. Aber wir sind der größte Anbieter, wenn es um Coworking-Standorte und die Anzahl der Städte geht“, beteuert Tim Schabsky. Das hängt allerdings auch von der Definition des Coworkings ab. Würde man Regus mit weit über 100 deutschen Standorten und Design Offices mit 50 Standorten zur Coworking-Branche zählen, nähme Rivvers nur Platz drei ein. Doch was Coworking genau ist, darüber streitet sich auch die Branche selbst, weswegen es auch zwei Verbände gibt.
Während Managed Offices flexible, voll ausgestattete Arbeitsplätze mit Fokus auf die Immobilie bieten, setzen Coworking Spaces zusätzlich auf den Aufbau einer Community durch gezieltes Management und gemeinsame Aktivitäten. Nimmt man also die engere Definition von Coworking, die eine Community voraussetzt, und steckt Regus und Design Offices in die andere Kategorie der Managed Offices, führt Rivvers bei der Anzahl der Coworking-Standorte, gefolgt von WeWork mit 17 Standorten, Spaces mit 14 Standorten (die auch zu Regus gehören) und Unicorn Workspaces mit 13 Standorten in Deutschland.
Potenzial im ländlichen Bereich im Blick
Hilfreich ist auch die Betrachtung der Zielgruppen und Standorte, was beides auch ein Grund für das rasante Wachstum der beiden Rivvers-Töchter in den letzten Jahren war. Beide konzentrierten sich vor allem auf die kleineren Großstädte, in denen Coworking notwendig, aber noch nicht so verbreitet war. Schabsky: „Das Verhältnis unserer Kunden ist 25 Prozent Einzelkunden und 75 Prozent Firmenkunden. Das ist unser Case und da kommt unser Wachstum her.“ Rivvers will in Zukunft auch in den deutschen Großstädten Fuß fassen, allerdings nie in den allerbesten Premiumlagen. Und: Sie wollen die weißen Flecken auf der Coworking-Landkarte füllen. Und die sind vor allem im ländlichen Bereich. Ein riesiges Potenzial, das Rivvers heben will.
Den Übergang der beiden alten Marken zur neuen wollen sie bis zum Sommer geschafft haben. Insbesondere online werden aus SEO-technischen Gründen noch eine Weile die alten Seiten zu sehen sein. Der Markenaufbau soll in den nächsten Jahren fortgesetzt werden, und wird sich auch daran messen lassen, wie die Gründer ihrem hochgesteckten Ziel näherkommen, 100 Spaces in Deutschland zu betreiben. Mitgründer Tim Schabsky: „Wenn es dann nur 70 Standorte in 60 Städten sind, dann ist das auch egal. Wir wollen im Markt präsent sein. Am Ende geht es darum, Firmen und Menschen in Deutschland dort ein gutes Angebot zu machen, wo viel ökonomische Aktivität ist.“
