Was macht Quentin Tarantino zur Lieblingsmarke? 

Wir haben Kreative aus den Top-Designagenturen nach ihrer persönlichen Love Brand gefragt. Heute: Ralf Heuel, Partner und Geschäftsführer Kreation bei Grabarz & Partner.
Der Kult-Regisseur Quentin Tarantino schafft Grenzerfahrungen, die belustigen oder schockieren, in jedem Fall aber hängenbleiben.
Der Kult-Regisseur Quentin Tarantino schafft Grenzerfahrungen, die belustigen oder schockieren, in jedem Fall aber hängenbleiben. (© Imago, Montage: Marcus Weyerke)

Marken leben von Vertrauen. Von Gefühlen. Und in einer Welt voller mittelmäßiger Spielfilme gibt es ganz wenige Namen, die für absolute emotionale Verlässlichkeit stehen. Wer einen Porsche kauft, weiß: Das ist kein Auto. Das ist die Mutter aller Sportwagen. Wer einen Film von Quentin Tarantino schaut, weiß: Das ist nicht der zehnte Aufguss eines „erfolgreichen globalen Franchise-Konzeptes für Familien in urbanen Ballungsräumen“. Das ist eine Grenzerfahrung, die belustigen oder schockieren, in jedem Fall aber hängenbleiben wird. 

Ikonische Marken haben eines gemeinsam: Sie machen nicht alles. Aber das, was sie machen, machen sie perfekt. Tarantino dreht keine Serien, keine Franchise-Filme, keine Streaming-Produktionen. Er macht Filme fürs Kino, für die große Leinwand. Und auch heute noch dreht er nie digital, sondern immer auf Zelluloid. Gern auf 70 mm. Weil: Qualität. Gefühl. Siehe oben. 

Der Regisseur ist die Marke 

Mittlerweile ist sein Name auf dem Plakat wichtiger als die der Schauspieler*innen. Gleichgültig, wer das gerade sein mag. Brad Pitt? Uma Thurman? John Travolta? Völlig egal. Das Ding ist ein Tarantino-Film. Der Regisseur ist die Marke. Er ist das Versprechen. Er ist Entwicklungsabteilung, Produktion, Qualitätssicherung und Marketingabteilung in einer Person. 

Wie jede Marke hat Tarantino eine Zielgruppe. Er macht Filme für Menschen, die Kino nicht nur konsumieren, sondern mit Haut und Haar erleben wollen. Und das liefert er seit Jahrzehnten konsequent. Kompromisslos. Stilprägend. Keine weichgespülten Szenen, keine „für alle Altersklassen“-Versionen, kein künstliches Happy End, um mehr Tickets zu verkaufen. Als einer von wenigen Hollywood-Regisseuren hat er das Recht auf den Final Cut. Was heißt: Er allein entscheidet, wie der Film am Ende aussieht und wie lang er ist. Nicht das Filmstudio. 

Tarantino ist ein eigenes Genre geworden 

Tarantino ist kein Genre-Spezialist. Als globale Marke hat er es geschafft, ein ganz eigenes Genre zu werden. Er dreht Gangsterfilme, Martial-Arts-Filme, Western, Dramen, Grindhouse. Und bei jeder einzelnen Story setzt er seine USPs gezielt ein. Er schreibt Dialoge wie niemand sonst. Er entwickelt Charaktere wie niemand sonst. Er zitiert Popkultur wie niemand sonst. Er setzt Musik ein wie niemand sonst. Und ja: Irgendwie hat der Mann eine latente Affinität zu exzessiver Gewalt. 

Tarantino wollte in seinem Leben insgesamt nur zehn Filme drehen. Neun hat er gemacht. Worum auch immer es in seinem zehnten und letzten gehen wird – es wird in jedem Fall wieder das, was in Marketingabteilungen gern eine „Consumer Experience“ genannt wird. Und vermutlich wird es wieder mehr als das. Es wird ein globales Event.  

In seinem ersten Film „Reservoir Dogs“ fragte die Figur Mr. Blonde lakonisch: „Are you gonna bark all day, little doggy, or are you gonna bite?“  

Die Marke Tarantino beißt. Jedes Mal.