„Die Generation Z ist offiziell faul: Mal wieder müssen wir Boomer es richten”, so war ein Kommentar im „Tagesspiegel“ in diesem Jahr überschrieben. Es ist nur einer von vielen Artikeln, der den Generationenkonflikt plakativ in die Manege des öffentlichen Debattenraums wirft. Dort, wo die Debattenlöwinnen und -löwen nur darauf warten, genüsslich „die Anderen” zu zerfleischen. Die Anderen – das meint besonders häufig eine andere Generation. Und aktuell eigentlich fast immer Boomer oder Generation Z.
Dieses Bashing der Generationen ist unwürdig. Und falsch.
Ich persönlich als Teil der Gen Y kann mich aktuell wenig beklagen: Wurde längere Zeit intensiv vor allem über das ständige Suchen nach Verbesserung, den Materialismus und die Sprunghaftigkeit diskutiert, ist mittlerweile weitestgehend Ruhe im Gen-Y-Game eingekehrt. Die Generation Alpha ist zumindest im Arbeitskontext noch nicht wirklich präsent.
Es bleiben also vor allem die Gen Z und die Babyboomer, um die sich eine krasse Debattenpolarisierung eingestellt hat. Prinzipiell gibt es zwar auch noch die Gen X. Doch so undifferenziert, wie die Debatte häufig geführt wird, verschmelzen die Gen Xler gleich mit in die Gruppe der Babyboomer, sodass eine große Generation entsteht.
Einzelpersonen sind keine statistische Masse
Wer sich die Realität anschaut, sieht aber recht schnell: Es gibt auch Menschen aus der Generation X, die auf TikTok unterwegs sind, ein Sabbatical machen und gerne in Teilzeit arbeiten. Genauso gibt es Angehörige der Gen Z, die wenig Lust haben, sich mit KI auseinanderzusetzen, dafür aber bereit sind, Überstunden zu schrubben.
Einzelpersonen sind eben keine statistische Masse. Sondern Menschen.
Auch auf die gesamte Generation gesehen, stimmt das Generationen-Klischee oft genug nicht: Eine IAB-Studie hat herausgefunden, dass die Erwerbsquote der 20- bis 24-Jährigen seit 2015 um sechs Prozent gestiegen ist. Eine Studie von Deel zeigt zudem, dass die Gen Z die Generation mit dem geringsten Anteil an Kündigungen ist (36 Prozent).
Wenn aufgrund einer Studie geunkt wird, dass die junge Generation immer weniger Lust darauf hat, in Führungsverantwortung zu kommen, lässt das eine Sache aus den Augen: Dass 43 Prozent der Befragten in dieser Studie angeben, eben doch Interesse zu haben, irgendwann eine Führungsrolle zu übernehmen. Also mehr als es tatsächlich schaffen können.
Pauschalurteile über Generationen bringen uns nicht weiter
Ganz oft ist das Verhalten von einzelnen Personen innerhalb ihrer Generation vor allem eins: ein Resultat seiner Zeit. Wenn die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen es für Frauen am einfachsten machen, nicht zu arbeiten, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass weniger Frauen arbeiten. Wenn die Gesellschaft stärker „always on“ ist, dann steigt die Erschöpfung in der Gesellschaft zwangsläufig – und die Menschen suchen sich andere Wege zu Auszeiten – zum Beispiel Teilzeit. Tendenzen und Trends in den Generationen sagen aber nichts über den Einzelnen aus. Auch in den 50er-Jahren waren Frauen gegen alle Widerstände erwerbstätig, auch wenn sie Kinder hatten. Auch heute arbeiten Mitglieder der Gen Z in Vollzeit und haben noch einen Nebenjob.
Pauschalurteile über Generationen sind daher wenig sinnvoll. Der Blick auf die Generationen kann in wenigen Fällen tatsächlich wertvoll sein: Etwa wenn man Hintergründe erläutern will oder im Kontext der Zeit begründen, warum sich gewisse Tendenzen entwickelt haben.
Blick auf die Generationen ist meistens sinnlos
In den allermeisten Fällen und vor allem mit Blick auf die Menschen, um die es tatsächlich geht, ist der Blick auf die Generationen aber nicht aussagekräftig. Um nicht zu sagen: sinnlos. Also lasst uns endlich aufhören, ständig über Generationen zu sprechen. Weder ausgelutschte Boomer-Sprüche noch unreflektierter Gen-Z-Hate bringen uns weiter.
Anders als man es mir als Gen Y-Mitglied typischerweise vorwerfen würde, weiß ich hier nämlich genau, was ich will: weniger stumpfe Generationen-Stereotype und mehr Einzelfallbetrachtung. Denn ob Menschen einen guten Job machen, hängt nicht von ihrem Geburtsjahr ab.
Auf eine generationen-klischeefreie Woche!
