TikTok bündelt erstmals detaillierte Erkenntnisse zum deutschen Markt von TikTok Shop. Demnach sind bereits mehr als 14.000 Händlerinnen und Händler aktiv; die Zahl der Käuferinnen und Käufer wächst seit dem Start monatlich im Schnitt um 43 Prozent.
Besonders „Shoppable Videos“ treiben das Geschäft und legten in den ersten beiden Monaten nach Einführung um fast 200 Prozent zu, derzeit mit höherer Reichweite als LIVE-Shopping. Die Plattform zählt hierzulande über 25 Millionen Nutzerinnen und Nutzer, berichtet TikTok. Wie es im Report heißt, handelt es sich um interne Daten des Unternehmens.
Kultur treibt Konsum auf TikTok
#BookTok verzeichnete 2024 über 25 Millionen verkaufte Bücher in Deutschland, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Besonders dynamisch wächst die Gruppe der 30- bis 39-Jährigen; neben Young Adult und New Romance ziehen Reiseliteratur und Sozialwissenschaften an. TikTok war 2025 erstmals offizieller Berlinale-Partner, die Inhalte erzielten über 30 Millionen Videoaufrufe. Beim Eurovision Song Contest stiegen die Videoabrufe im Mai gegenüber April um 600 Prozent.
Die Frauen-EM befeuerte Sport-Communities: Der DFB meldete während des Turniers mehr als 100 Millionen Views auf seinem Kanal. Auch Popkultur kippt direkt in Nachfrage: Der Jet2holiday-Jingle wurde zum Meme, und beim Pitbull-Konzert in Köln schnellten die Aufrufe zum Thema im Monatsvergleich um über 6.000 Prozent. In der Musik wiederum ging 2024 mehr als jeder dritte Nummer-eins-Hit zuerst auf TikTok viral; „Major Tom“ kehrte 113 Tage nach seinem TikTok-Revival in die Top-10 zurück.
TikTok Shop-Formate und Nutzung
Seit dem Deutschlandstart zeigt TikTok Shop starkes Wachstum. Produkte lassen sich direkt in Videos, in LIVEs und über die Shop-Registerkarte kaufen. Aktuell erzielen Shoppable Videos die höchsten Reichweiten und wurden in den ersten beiden Monaten nach Launch fast doppelt so häufig genutzt.
Fashion: Von Nostalgie bis Festival-Saison
Suchtrends reichen von Bianca Censoris Grammy-Outfit über Tankinis, Bubble Skirts und Skaterkleider bis zu Flared und Barrel Jeans. Vor Festivals wie Coachella, Tomorrowland oder Splash! ziehen Suchen nach Outfits und Essentials spürbar an. Shapewear legt zu.
Die Videoaufrufe für #shapewear stiegen im Jahresvergleich um 371 Prozent. Creamy Fabrics setzte auf ein breites Creator-Affiliate-Programm mit über 1.000 Partnerinnen und Partnern und steigerte die wöchentlichen Umsätze seit Juli im Schnitt um 78 Prozent. Nostalgie erzeugt Sammeleffekte: Die Labubu-Figuren von POP MART kamen 2025 in Deutschland auf 1,3 Milliarden Videoaufrufe und rund 58.000 Posts; im Juli eröffnete der erste Store in Berlin, begleitet von langen Schlangen.
Beauty: Sensitive Skin und Selfcare
Inhalte zu empfindlicher Haut (#SensitiveSkin) verzeichneten zwischen Januar 2024 und Juli 2025 ein Plus von 435 Prozent bei den Videoaufrufen. Weleda nutzte den Rückenwind mit dem Rosmarin-Haartonikum, das 47,5 Millionen Aufrufe erzielte; die Kampagne steigerte die Anzeigenerinnerung um 20,1 Prozent und die Awareness um 12,4 Prozent.
Das erfolgreichste Creator-Video erreichte in den ersten sechs Sekunden eine View-Through-Rate von 9,5 Prozent. Parallel gewinnen Selfcare-Routinen an Bedeutung, etwa Abend- und „Morning Shed“-Rituale, sowie Format-Klassiker wie GRWM, Tutorials, Pony-Frisuren, Irish Curls und Princess Nails.
Home & Living: Dopamine Decor und smarter Alltag
Interiordesign wird farbiger. #DopamineDecor legte im Jahresvergleich um 500 Prozent zu; Discokugeln wandern vom Club in den Flur und setzen ungewohnte Akzente. Gleichzeitig lebt der Kontrast zum funktionalen Minimalismus: Skandinavische Küchen und graubeige Interiors stehen neben maximalistischen, verspielten Set-ups. Smart-Home-Themen ziehen stark an: #SmartLighting stieg um 297 Prozent, #SmartKitchen verzeichnete ein 57-faches Plus. In der Reinigung wächst das Interesse an Tiefenreinigung: #SteamCleaner legte um 276 Prozent zu.
Food & Drinks: Von Matcha bis Obsttorten im Haute-Pâtisserie-Look
Matcha dominierte die Suchen mit plus 969 Prozent. Die Obsttorten von Cédric Grolet trieben #fruitcakes auf das 17-fache des Vorjahres. Lidl nutzte als erster deutscher Supermarkt die Verkaufsfeatures via Partner; die „Dubai-Schokolade“ war binnen Stunden ausverkauft, die Conversion lag über Branchenschnitt. Der TikTok Shop-Report zeigt zudem, wie Produkteffekte ins Rohstoff-Narrativ übergehen: Weltweit stiegen die Suchanfragen zu „Pistazien“ im Jahresvergleich um 144 Prozent.
TikTok verknüpft dies mit dem viralen Schokoladentrend. Auch Ernährungstrends gewinnen an Relevanz. Videos mit #protein verdoppelten ihre Aufrufe; 27 Prozent der deutschen Nutzerinnen und Nutzer geben an, dass Proteine ihre Kaufentscheidungen beeinflussen. Ballaststoffreiche Rezepte wie Dense Bean Salad oder Carrot Ribbon Salad stützen das Thema Darmgesundheit.
Best Cases TikTok Shop: Hitschies und Miralina’s Halal Sweets
Hitschies führte mit gefrorenen Drachenzungen einen viralen Trend, kooperierte mit McFlurry und wurde mit den brizzl UFO Pops zum TikTok Shop-Bestseller. Das Ergebnis: über 29.000 verkaufte Produkte in drei Monaten und mehr als 300 Stunden LIVE-Shopping. Miralina’s Halal Sweets bediente die Nachfrage nach halal-zertifizierten Süßwaren, setzte früh auf Creator-Partnerschaften und kontinuierliche TikTok Shop-Optimierung; innerhalb weniger Monate erzielte das Unternehmen sechsstellige Monatsumsätze. Ein Clip zu Erdbeerringen überschritt zwei Millionen Aufrufe und ließ die Google-Suchen nach dem Produkt merklich anspringen.
Der Report über TikTok Shop formuliert klare Lehren: Trends wirken dann, wenn sie zur Marke passen und mit der Community entwickelt werden; Nostalgie schafft emotionale Anknüpfungspunkte; Nischen bergen Potenzial, wenn Content Zielgruppen präzise erreicht. Marken, die Creator-Kompetenz einbinden, profitieren von nativer Ansprache und verkürzten Wegen von der Entdeckung bis zum Kauf.
Methodik und Datensignale
Der Report stützt sich auf drei zentrale Signale: Suchtrends auf der Plattform, Hashtag-Wachstum als Indikator kultureller Relevanz sowie die Entwicklung der Shop-Bestellungen. Im ersten Halbjahr 2025 stiegen die Suchanfragen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 191 Prozent.
Das Hashtag-Wachstum – etwa bei #DopamineDecor oder #FestivalSeason – verweist laut TikTok auf breitere kulturelle Bewegungen, die Sichtbarkeit gewinnen und das Einkaufsverhalten prägen.



