YouTube wird 20: Warum Marken jetzt auf Long-Form setzen sollten

Eine neue Erhebung zeigt, wie stark YouTube Creator Kaufentscheidungen treiben. Longform-Videos liefern Wirkung, Glaubwürdigkeit gibt den Ausschlag.
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YouTube ist der beliebteste Kanal, um sich vor einem Kauf zu informieren. (© Unsplash / Christian Wiediger)

YouTube ist 20 Jahre nach dem ersten Upload weit mehr als eine Videoplattform. In Deutschland erreicht die Google-Tochter monatlich 56 Millionen Menschen. Bei der Gen Z ist die Dominanz besonders ausgeprägt. Laut dem neuen Whitepaper „The Power of YouTube“ zur Influencer-Marketing-Studie 2025 von Lucky Shareman und Appinio nutzen über 92 Prozent der Gen Z YouTube mindestens wöchentlich. 47 Prozent sind sogar täglich aktiv.

Für Markenverantwortliche ergeben sich klare Handlungsempfehlungen. Creator-Werbung wirkt bei 78 Prozent der Befragten kaufentscheidend. Die Conversion-Power ist messbar, aber nur mit der richtigen Content-Strategie. Das YouTube-Ökosystem in Deutschland zählt rund 50.000 Kanäle mit mehr als 10.000 Abonnenten. Über 700 haben mehr als eine Million Follower. Monatlich erreicht YouTube 10 Millionen Menschen zwischen 18 und 29 Jahren. Das entspricht 90 Prozent der Gesamtbevölkerung dieser Altersgruppe.

Glaubwürdigkeit entscheidet: 70 Prozent nehmen Creator-Werbung bewusst wahr

YouTube ist sichtbar und Werbung gehört dazu. 70 Prozent der Befragten nehmen Creator-Werbung häufig bis sehr häufig wahr. Fast jeder Zweite nimmt sie häufig wahr, 20 Prozent sogar sehr häufig. Entscheidend für die Wirkung ist die Glaubwürdigkeit der Absender. 93 Prozent nennen diesen Faktor als wichtigsten.

Vier Aspekte beeinflussen die Glaubwürdigkeit besonders. Authentizität und persönliche Erfahrung der Creator stehen im Vordergrund. Transparente Kennzeichnung wird von der Community geschätzt. Hochwertige, unterhaltsame Videos schaffen positive Markenerlebnisse.

YouTube: Long-Form schlägt Shorts

Ein zentrales Ergebnis der Studie zeigt klare Präferenzen beim Format. 74 Prozent finden klassische Videos für Werbung besonders ansprechend. Shorts kommen nur auf 40 Prozent, Community-Posts auf 34 Prozent. Der „lange“ Content feiert sein Comeback.

YouTube-Videos bieten Raum für echtes Storytelling und tiefere Einblicke. Gerade in einer Social-Media-Welt voller kurzer Clips ermöglichen klassische YouTube-Videos echte Aufmerksamkeit. Sie schaffen langfristige Werbewirkung und authentischen Zugang zur Zielgruppe.

Conversion-Power messbar: 78 Prozent kauften bereits wegen Creator-Werbung

Die Conversion-Kraft von YouTube ist eindeutig messbar. 78 Prozent der Befragten kauften 2025 bereits mindestens einmal wegen Creator-Werbung auf YouTube. Besonders erfolgreich sind die Kategorien Technik/Elektronik sowie Reisen/Erlebnisse. Diese führen das Ranking der gekauften Produktkategorien an. Auch Mode, Beauty und Lebensmittel profitieren stark vom Creator-Marketing.

Die Plattform wirkt entlang der gesamten Customer Journey. Sie begleitet Nutzer vom ersten Kontakt bis zum Kaufabschluss. Tutorials, Reviews oder Unboxings liefern nötige Informationen für Produktvergleiche. Rabattcodes und Sonderaktionen pushen den finalen Kaufimpuls.

Performance-Tracking bleibt herausfordernd

Das Performance-Tracking bleibt anspruchsvoll. Klassische Messung funktioniert über Rabattcodes, UTM-Parameter, dedizierte Landingpages oder Affiliate-Links. Auch Tracking-Pixel können ergänzende Einblicke liefern. Doch YouTube ist kein One-Click-Channel. Die Plattform wirkt oft früher in der Customer Journey. Kaufentscheidungen werden möglicherweise später auf anderen Kanälen oder offline getroffen.

Diese Conversion Delays erschweren eine direkte Zuordnung von YouTube-Touchpoints zur finalen Conversion. Das Whitepaper plädiert für ein holistisches Tracking-Setup. Brand-Lift-Studien, Panels und Social Listening sind wichtiger als reiner Last-Click-Tunnelblick. Befragungen messen die Wahrnehmung und Erinnerung an Kampagnen. Social Listening analysiert Stimmungen rund um Marke und Produkt.

Markenkanäle: Sichtbar sein allein reicht nicht

Mehr als die Hälfte der YouTube-Nutzer folgt bereits Brand-Accounts. Das zeigt das hohe Vertrauen der Nutzer in Markenkanäle. Doch sichtbar sein allein reicht nicht. Erfolgreich sind Kanäle, die redaktionell denken. Sie liefern Mehrwert und betreiben aktives Community-Management. Das Whitepaper nennt die Kleinanzeigen-WG und den Thomann-Kanal als positive Beispiele.

YouTube-Kanäle sollten nicht wie verlängerte Werbeflächen behandelt werden. Sie sind Content-Hubs für Geschichten, Erklärungen und Expertenwissen. Erfolgreiche Marken verstehen sich als Medienmarken. Sie schaffen Inhalte, die unabhängig von der Werbebotschaft funktionieren.

„Markenkanäle entfalten ihre volle Wirkung, wenn sie echten Dialog ermöglichen“, wird Jean-Paul Daniel zitiert. Der Geschäftsführer von Lucky Shareman rät: „Mut zur klaren Positionierung ist entscheidend. Wer Haltung zeigt und die Community konsequent einbindet, schafft Relevanz.“

SEO-Hebel: YouTube-Content wirkt dauerhaft

Ein zusätzlicher SEO-/GEO-Hebel kommt hinzu. YouTube-Inhalte sind dauerhaft auffindbar. Sie lassen sich über Titel, Transkripte und Keywords optimieren. Suchmaschinen wie Google berücksichtigen sie ebenso wie generative KI-Systeme. Als eine der größten Suchmaschinen der Welt wird YouTube sowohl von Google als auch von ChatGPT, Gemini oder Perplexity berücksichtigt. Im Kontext von GEO (Generative Engine Optimization) liefern strukturierte YouTube-Informationen verwertbare Belege für Inhalt, Kontext und Autorität.

YouTube überzeugt aus Performance-Sicht mit langfristiger Wirkung durch Evergreen-Content. Dieser sichert über einen langen Zeitraum Relevanz und Reichweite. YouTube-Videos verstärken SEO, indem sie mehr Sichtbarkeit in Google bringen. Sie steigern die Verweildauer auf Websites, fördern Backlinks und decken Keywords optimal ab.

Methodik: Influencer-Marketing-Studie 2025 von Lucky Shareman x Appinio, April 2025, n = 750 YouTube-Nutzerinnen und Nutzer (16–49 Jahre), mind. mehrmals pro Woche Nutzung. Die Analyse können Sie hier downloaden.

(amx, Jahrgang 1989) ist seit Juli 2025 Chefredakteur der absatzwirtschaft. Er ist weder Native noch Immigrant, doch auf jeden Fall Digital. Der Wahlberliner mit einem Faible für Nischenthemen verfügt über ein breites Interessenspektrum, was sich bei ihm auch beruflich niederschlägt: So hat er bereits beim Playboy, in der Agentur C3 sowie beim Branchendienst Meedia gearbeitet.