RCS ist die bessere SMS – und längst überfällig 

Lange dümpelten Rich Communication Services (RCS) vor sich hin. Seit Apple an Bord ist, sieht die Sache anders aus. RCS verpassen der SMS ein interaktives Upgrade. Und sie setzen sich immer mehr durch.
Karsten Zunke hat die Marketing-Tech-Welt genau im Blick, vom MarTech-Maschinenraum bis zu kreativ umgesetzten Kampagnen.
Karsten Zunke hat die Marketing-Tech-Welt genau im Blick, vom MarTech-Maschinenraum bis zu kreativ umgesetzten Kampagnen. (© privat; Montage: Katharina Höhner)

Conversational Commerce ist momentan in aller Munde. Vor allem generative KI verleiht der Kundenkommunikation frischen Schwung – von Chatbots bis zur automatisierten Produktberatung. Doch der Trend erhält noch von ganz anderer Seite Auftrieb: Die klassische SMS – jahrelang vernachlässigt und technisch überholt – wird derzeit neu aufgelegt. Das Zauberwort heißt RCS. 

Genauer: Rich Communication Services. Was auf den ersten Blick nach einem Update aus der Tech-Ecke klingt, hat das Potenzial, zum neuen Schwergewicht in der mobilen Kundenkommunikation zu werden. Der Grund ist die kreative Spielwiese, die sich nun bietet. 

RCS: die interaktive Version der SMS 

Wo früher nur 160 Zeichen möglich waren, können Unternehmen mit RCS heute interaktive Inhalte verschicken – inklusive Bildern, Buttons, QR-Codes oder sogar durchblätterbaren Produkt-Listen. Es braucht keine separate App und keine neuen Messenger-Dienste. Die Nachrichten laufen direkt über die native Nachrichten-App auf dem Smartphone. Für Nutzer wirkt das wie WhatsApp – nur eben ohne Download, ohne Registrierung und ohne Opt-In über Drittkanäle.  

Die RCS-Funktionen sind in der üblichen Messaging-App des Smartphones aktivierbar oder standardmäßig eingeschaltet. Unternehmen, die RCS-Nachrichten verschicken wollen, benötigen ein verifiziertes, gebrandetes RCS-Profil, das beim jeweiligen Messaging-Dienstanbieter beantragt wird. 

Lange fristete RCS ein Nischendasein, weil mit Apple ein wichtiger Gatekeeper fehlte. Doch das hat sich geändert: Seit Ende 2024 unterstützt Apple den RCS-Standard ab der iOS-Version 18. Damit steht der Kanal auch iPhone-Nutzern offen, was die Reichweite deutlich erhöht.  

Metro und Kaufland nutzen RCS bereits 

Die Einsatzszenarien sind vielfältig: Reiseanbieter können beispielsweise hilfreiche Terminerinnerungen mit Schaltflächen wie „zum Kalender hinzufügen“ oder „Wegbeschreibung abrufen“ verschicken. Im Einzelhandel und E-Commerce lassen sich Produktneuheiten mit visuellen Karussells und „Jetzt kaufen“-Links ankündigen. Marken können zur Kundenbindung personalisierte Willkommenspakete oder Status-Updates in Echtzeit versenden – direkt auf den Sperrbildschirm.  

Und das kommt im Markt gut an. Metro Deutschland hat im Frühjahr 2025 bereits einen RCS-basierten Kommunikationskanal eingeführt. Auch Kaufland setzt seit August dieses Jahres auf RCS für Angebote und Updates. Weitere prominente Beispiele dürften folgen, denn der moderne Kanal lässt sich auch sehr gut in einen Omnichannel-Ansatz einfügen – beispielsweise über spezialisierte Messaging-Plattformen. Und auch hier kommt Bewegung in den Markt.  

Airship hat kürzlich RCS in seine KI-gestützte Customer Experience Plattform nativ integriert – und damit ein wichtiges Signal gesetzt. Marketingteams müssen keine neuen Workflows bauen, sondern nutzen bestehende SMS-Strecken einfach weiter. Die Plattform erkennt automatisch, ob ein Gerät RCS unterstützt, und wechselt bei Bedarf smart auf SMS oder MMS. So lassen sich durchgängige Kommunikationsstrecken orchestrieren – mit RCS, Push, E-Mail, Mobile Wallet und personalisierten Inhalten.  

Damit zeigt sich: RCS sind kein Hype. Sie sind ein zeitgemäßes Upgrade für ein altes, aber bewährtes Kommunikationsformat. Die technische Weiterentwicklung zeigt auch, dass am Conversational Commerce kein Weg mehr vorbeiführt. 

Schon gehört? 

Die drei einflussreichsten Stimmen in der deutschen Tech-Szene sind Christian Klein (SAP), Roland Busch (Siemens) und Ola Källenius (Mercedes Benz Group AG). Das hat das aktuelle, datenbasierte Tech 500 Ranking der Kommunikationsagentur Tyto ergeben. Eine weitere spannende Erkenntnis: In Deutschland betreiben bereits 70 Prozent der führenden Tech-Stimmen eigene Publikationskanäle wie Blogs, Newsletter, Podcasts oder YouTube-Formate. 

Apropos YouTube: Die Video-Plattform macht mittlerweile sogar Streamingdiensten wie Netflix und Amazon Prime Konkurrenz. In Deutschland und Großbritannien zeigt YouTube jetzt Kinofilme kostenlos und finanziert den Service über Werbeeinblendungen. Das dürfte die Branche freuen. 

Neben kostenloser Unterhaltung erfreuen sich auch kostenfreie Problemlösungen durch Künstliche Intelligenz immer größerer Beliebtheit. Aber leider nicht immer im Sinne der Arbeitgeber: Laut Digitalverband Bitkom nutzen Beschäftigte vermehrt Schatten-KI – also private KI-Tools für berufliche Aufgaben. In acht Prozent der Unternehmen ist das weit verbreitet, in 17 Prozent gibt es Einzelfälle. Die gute Nachricht: Inzwischen hat knapp ein Viertel (23 Prozent) der Firmen Regeln für den Einsatz von KI-Tools aufgestellt, vor einem Jahr waren es erst 15 Prozent.  

In diesem Sinne. Bleiben Sie inspiriert! 

(kaz) ist Fachjournalist für digitales Marketing. Seit Mitte der Nullerjahre begleitet er mit seinen Artikeln die rasanten Entwicklungen der Online-Werbebranche. Der Maschinenraum der Marketing-Technologien fasziniert ihn dabei ebenso wie kreativ umgesetzte Kampagnen. Der freie Autor lebt und arbeitet in Berlin.