Pinterest streicht weltweit 15 Prozent der Stellen – KI-Fokus als Begründung

Die Social-Media-Plattform Pinterest will knapp 700 Stellen der Belegschaft abbauen. Das Unternehmen verlagert Ressourcen in KI-Bereiche.
Die Applikation App Pinterest ist auf dem Display eines Smartphones zu sehen. Rottweil Baden-Württemberg Deutschland ***
Von den Stellenstreichungen bei Pinterest könnten Vertriebs- und Marketingbereiche betroffen sein. (© Imago)

Pinterest plant in den kommenden Monaten den Abbau von bis zu 675 Arbeitsplätzen, wie das US-amerikanische Nachrichtenportal CNBC berichtet. Das entspricht knapp 15 Prozent der Belegschaft, die laut letztem Proxy-Filing im April 2024 weltweit mehr als 4.500 Mitarbeiter umfasste. Die Maßnahmen sollen bis zum 30. September 2026 abgeschlossen sein.

Als Hauptgrund nennt das Unternehmen eine strategische Neuausrichtung. Pinterest will Ressourcen in Teams verlagern, die sich auf KI konzentrieren. Zudem soll die Vertriebs- und Marketingstrategie umgestaltet werden. Welche Abteilungen konkret betroffen sind, bleibt unklar – die Formulierung deutet aber auf personelle Einschnitte in Sales und Marketing hin.

„Unsere Investitionen in KI und Produktinnovation zahlen sich aus“, hat CEO Bill Ready noch im November betont. „Wir sind zum Marktführer in der visuellen Suche geworden und haben unsere Plattform in einen KI-gestützten Shopping-Assistenten für 600 Millionen Kunden verwandelt.“

Pinterest: Investitionen in „strategische Wachstumsbereiche“

Die Restrukturierung verursacht voraussichtlich vorsteuerliche Kosten zwischen 35 und 45 Millionen Dollar, hauptsächlich Barzahlungen. Parallel reduziert Pinterest seine Büroflächen. Trotz des Personalabbaus betont das Unternehmen, in strategische Wachstumsbereiche reinvestieren zu wollen.

Die Plattform hatte im Oktober 2024 mit einer Funktion für Aufsehen gesorgt, die es Nutzern erstmals unter großen Social-Media-Plattformen ermöglichte, KI-generierte Inhalte aus ihren Feeds zu filtern. Der Schritt war eine Reaktion auf Beschwerden über minderwertigen KI-Content, der die bildlastige Plattform zunehmend überschwemmte. Gleichzeitig treibt Pinterest aber selbst KI-Funktionen voran, etwa mit dem im Oktober gestarteten Shopping-Tool „Pinterest Assistant“.

Pinterest reiht sich damit in eine wachsende Liste von Tech-Unternehmen ein, die Stellenkürzungen mit KI-Investitionen begründen. Laut der Beratungsfirma Challenger, Gray & Christmas verloren 2025 in den USA fast 55.000 Menschen ihren Job aufgrund von KI, wie CNBC berichtet. Manche Experten bezweifeln allerdings die Angaben der Unternehmen und vermuten „AI-Washing“ – also das Vorschieben von KI als Grund, um tatsächliche Sparmaßnahmen oder Geschäftsprobleme zu verschleiern.

Zuletzt kursierten Gerüchte über eine mögliche Übernahme durch OpenAI. Belastbare Berichte dazu gibt es bisher nicht. Die Pinterest-Aktie verlor nach Bekanntgabe der Stellenstreichungen mehr als neun Prozent an Wert.

(amx, Jahrgang 1989) ist seit Juli 2025 Chefredakteur der absatzwirtschaft. Er ist weder Native noch Immigrant, doch auf jeden Fall Digital. Der Wahlberliner mit einem Faible für Nischenthemen verfügt über ein breites Interessenspektrum, was sich bei ihm auch beruflich niederschlägt: So hat er bereits beim Playboy, in der Agentur C3 sowie beim Branchendienst Meedia gearbeitet.