Der Januar ist zu zwei Dritteln vorbei – und hat schon einige Arbeitswelt-Trends erlebt. Debattiert wurde dieses Jahr zum Beispiel schon über „Chrono-Working“. Wer das bisher verpasst hat, muss sich nicht grämen. Der Trend basiert auf einer simplen Erkenntnis: Menschen haben zu unterschiedlichen Tageszeiten ihr Leistungshoch. Das können und sollten Unternehmen nach Möglichkeit nutzen.
Das steckt hinter den neuen Begriffen der Arbeitswelt 2026:
Chrono-Working präsentiert Schichtarbeit als Innovation
Chrono-Working, das heißt kurz gesagt: Die Anpassung der Arbeitszeit an die innere Uhr. Neu ist das Modell nicht – das Prinzip Kernarbeitszeiten ist längst bekannt. Auch Schichtbetrieb ist selbst in Büros keine Neuigkeit mehr. Sei es nur, um Erreichbarkeit zu einer besonders frühen oder späten Uhrzeit sicherzustellen. Nachrichtenmedien werden in ihren Nachtschichten seit Jahren aus anderen Zeitzonen gesteuert. Damit Redakteure nicht mitten in der Nacht arbeiten müssen, aber trotzdem auch in der Nacht Aktuelles im Angebot ist.
Zwar ist es durch KI mittlerweile leichter möglich, Meetings so zu planen, dass sie nicht im Leistungstief der Mitarbeitenden liegen. Das hilft aber auch nur teilweise, wenn Menschen schnell synchron erreichbar sein müssen. Und es schließt sich unweigerlich die Frage an: Ist es vielleicht, je nach Meeting, sogar ganz hilfreich, wenn es gerade im Tief stattfindet – wenn die Person ohnehin nur zuhören muss und ihre Leistungsfähigkeit stärker für aktivere Tätigkeiten braucht. Wie gut das Konzept in der Praxis funktioniert ist dann die andere Frage. Denn es braucht dazu natürlich echte Freiwilligkeit. Wer in einen Schichtbetrieb gedrängt wird hat hingegen ein erhöhtes Risiko, krank zu werden. Insbesondere bei Nachtschichten. Damit ist dann keinem geholfen.
Natürlich hilft es, wenn Menschen nicht permanent gegen ihre innere Uhr arbeiten. Die dafür nötige Flexibilität versuchen Unternehmen aber ohnehin schon lange herzustellen – weil sie wissen, dass es zu ihrem Erfolg beitragen kann. Das ist vielfach belegt: Eine Studie zeigt beispielsweise, dass vollkommen flexible Arbeitszeiten zu 29 Prozent höherer Produktivität führen. Wenn das nun mit Chrono-Working ein bisschen schematischer geschieht, schadet das nicht. Das Thema als eigener Trend ist aber mehr Buzzword als Hilfsmittel.
Simplicity: Konzept ist mehr als 100 Jahre alt
Ähnlich verhält es sich mit „Simplicity“ – einem Konzept zu radikaler Vereinfachung. Was mit dem Bauhaus-Stil schon in den 1920er-Jahren in der Kunst angekommen ist, schafft es mehr als 100 Jahre später auch in unsere Arbeitswelt. Na dann.
Und natürlich hat diese Vereinfachung eine sinnvolle Funktion – so wie es bei Bauhaus auch schon war. Menschen sind durch die Digitalisierung überlastet. Wir brauchen also nicht nur aufgeräumte Schreibtische, sondern auch eine aufgeräumte Digitalumgebung. Wer vor allem mit Wissen und vor dem Rechner arbeitet, verliert täglich Zeit, weil er ständig durch eine andere App unterbrochen wird.
Adaptive Digitale Workspaces ermöglichen daher die Reduktion und senken den digitalen Lärm. Nicht alles poppt mehr als Push-Benachrichtigung auf. Das ist absolut hilfreich. Ob es dafür das Buzzword Simplicity braucht, steht auf einem anderen Zettel.
Job-Hugging: Wer braucht diesen Begriff?
Dann wäre da noch das „Job-Hugging“: Arbeitnehmer klammern sich an Jobs, auch wenn sie nicht mehr zu ihnen passen. Warum? Aus Sicherheitsgründen in einem Arbeitsmarkt, der unruhiger wird. Was erst einmal gut klingt, ist für Unternehmen eine schlechte Nachricht.
Denn: Die Motivation und Selbstwirksamkeit dieser Menschen sinkt mit der Zeit – und gleichzeitig blockieren sie Positionen, in die andere motivierte Menschen aufsteigen können. Auch wer vor 30 Jahren in einer altmodischen Personalabteilung gearbeitet hat, dürfte dieses Phänomen kennen. Ob es dafür einen solch blumigen Begriff braucht, ist die andere Frage.
Coffee Badging und Corporate Love Languages: Konzepte oder Wahnsinn?
Immerhin: Die beschriebenen Trendbegriffe mögen Buzzwords sein. Sie haben aber zumindest einen Sinn. Anders sieht das beim „Coffee Badging aus“.
Wie real und groß dieser Trend tatsächlich ist, daran habe ich meine Zweifel: Angeblich kommen Menschen nur ins Büro, um ihrer Office-Pflicht nachzukommen, trinken flott einen Kaffee, führen dabei ein Gespräch, um Präsenz zu zeigen – und flüchten danach sofort zurück ins Homeoffice.
Ähnlich ist es bei den „Corporate Love Languages“. Sie übertragen das Beziehungskonzept der Sprachen der Liebe, etwa Zärtlichkeit, Anerkennung oder Hilfsbereitschaft, auf den Job. Versteht mich nicht falsch: Es ist vollkommen sinnvoll, Mitarbeitenden auf jeweils passende Art Wertschätzung entgegenzubringen. Aber wer Liebe als allgemeines Konzept in den Arbeitsalltag integrieren will, der ist auf dem falschen Dampfer.
Die Flut an Bullshit-Begriffen in der Arbeitswelt ist schier unendlich. Der Raum dieser Kolumne reicht nicht, um alle zu erklären. Vorschlag zur Güte: Hier findet ihr ein Bullshit-Bingo über die Trendbegriffe der Arbeitswelt 2026. Falls ihr von einem dieser Begriffe mehr wissen wollt: Lasst es mich gerne wissen. Wer es schafft, ein Bingo zu bekommen, der möge sich bei mir melden.
Aber Achtung: Einer der Begriffe ist frei erfunden. Das Wilde daran: Alle anderen sind real und werden diskutiert. Findet ihr, welcher Begriff erfunden ist?
Auf eine bullshitfreie Woche!


