Zum Trost ein Hüftsteak? 

Sind Sie engagiert in Sachen Nachhaltigkeit und wissen auch manchmal nicht, wie Sie gutgelaunt sein sollen? Nachvollziehbar! Dabei gibt es viele Leute, die an einer guten Zukunft arbeiten.
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Vera Hermes schreibt an dieser Stelle über Green Marketing. Sie ist überzeugt, dass Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Haltung die drei großen Treiber der Branche sind. (© privat; Montage: Katharina Höhner)

Lassen Sie uns nicht drumherum reden: Dieser Tage über Nachhaltigkeit zu schreiben und was sie konkret fürs Marketing bedeutet, erscheint nachgerade irrelevant angesichts der Weltlage. Dabei bleibt, wie ifo-Präsident Clemens Fuest auf der DLD in München einräumte, der Klimawandel eine der derzeit größten Herausforderungen unserer Zeit. Bloß kann sich ob des Irrsinns in der Welt anscheinend gerade niemand so recht darum kümmern.  

Feierabend!? 

Auch bei den Konsumentinnen und Konsumenten ist die Luft ein bisschen raus, denn, wie Tillmann Prüfer in seiner aktuellen Handelsblatt-Kolumne anlässlich der 100. Grünen Woche in Berlin so schön schreibt: Die Idee, man könne durch den richtigen Konsum die Welt zum Besseren verändern – zum Beispiel durch fleischlose Ernährung –, sei überfordernd und klappt ja offensichtlich auch nicht so richtig. „Stattdessen“, so Prüfer, „wenden wir uns dem Trost durch Konsum zu. Wenn die Welt doch so gruselig ist, dann hilft vielleicht ein Hüftsteak.“ Die Erbsenproteinbulette war schon mal präsenter, heißt es treffend in der Zeit. 

Dazu passt, dass im Veguanary-Spot von Rügenwalder Mühle nicht mal mehr vegane Produkte, sondern der Feierabend die Hauptrolle spielt. Ausgerechnet: Feierabend! … wenn das mal kein Omen ist. Wie jetzt bloß die Kurve kriegen vom ermatteten Idealismus Richtung zukunftsfroher Zuversicht?  

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Rekorde in der Start-up-Szene 

Da hilft ein Blick auf die Start-up-Szene, der ja stets – frei nach Hermann Hesse – der Zauber des Anfangs innewohnt und immer auch der Glaube daran, dass alles gut wird, sonst bräuchte man ja nicht zu gründen. Einen Rekordwert von mehr als 3.500 Gründungen im Jahr 2025 zählt der Startup-Verband in seinem aktuellen Report Next Generation – Startup-Neugründungen in Deutschland. Das sind ein Drittel mehr als 2024. KI ist ein zentraler Treiber; Software, Food und Medizin sind die dominierenden Branchen.  

Am Montag dieser Woche meldete die Wirtschaftsprüfung EY in ihrem Startup-Barometer, die Investitionssumme in deutsche Start-ups sei 2025 im Vorjahresvergleich um 19 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro gestiegen – der dritthöchste Wert, seit Beginn der Auswertung.  

Erst vergangene Woche schloss das Mannheimer Start-up Osapiens – spezialisiert auf KI-basierte Softwarelösungen rund um Nachhaltigkeits- und ESG-Berichterstattung – eine Finanzierungsrunde über 100 Millionen Dollar ab und ist damit laut Handelsblatt „Deutschlands erstes Einhorn 2026“. Montag kam die Meldung, das schweizerisch-deutsche Clean-Tech-Start-up Terralayr, spezialisiert auf smarte Batteriespeicherprojekte, habe 112 Millionen Euro erhalten, weitere 80 Millionen sollen folgen.  

Auch ein Blick nach Frankreich lohnt: L’Oréal gab Mitte Januar die Namen der ersten 13 Start-ups und KMU bekannt, die im konzerneigenen Programm für nachhaltige Innovation „L’AcceleratOR“ an skalierbaren Lösungen für Verpackung, Materialien, Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeits-Daten arbeiten sollen. L’AcceleratOR ist über die kommenden fünf Jahre mit insgesamt 100 Millionen Euro ausgestattet und läuft in Zusammenarbeit mit dem Institute for Sustainability Leadership (CISL) der Universität Cambridge. Laut L’Oréal hatten sich knapp 1.000 Unternehmen aus 101 Ländern beworben.  

Warum diese Aufzählung? Weil sie zeigt, dass sehr viele Menschen an Lösungen für eine gute Zukunft arbeiten. Und das ist doch mindestens so tröstlich wie ein Hüftsteak, oder?  

In diesem Sinne: Eine gute Woche noch, und behalten Sie die Zukunft im Blick!

(vh, Jahrgang 1968) schreibt seit 1995 über Marketing. Was das Wunderbare an ihrem Beruf ist? „Freie Journalistin mit Fokus auf Marketing zu sein bedeutet: Es wird niemals langweilig. Es macht enorm viel Spaß. Und ich lerne zig kluge Menschen kennen.“