Markenstreit um Spezi-Design: Paulaner zwingt Berentzen zum Flaschen-Rückruf

Paulaner siegt vor Gericht: Die Flaschen von Berentzens Mio Mio Cola+Orange sind laut Urteil zu nah am Spezi-Look. Jetzt drohen hohe Strafen – und die Vernichtung ganzer Chargen.
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Streit ums Design: Die gerichtliche Auseinandersetzung zwischen Berentzen und Paulaner geht weiter. (© Instagram / Screenshot)

Im Streit um die Gestaltung ihrer Cola-Mix-Flaschen hat die Paulaner Brauerei Gruppe vor dem Landgericht München I einen wichtigen Sieg errungen. Wie unter anderem die Deutsche Presse-Agentur berichtet, muss der Getränkehersteller Berentzen seine Mio Mio Cola+Orange Mische in der aktuellen Aufmachung vom Markt nehmen. Der Grund: Das Flaschendesign sei dem von Paulaners Spezi „zu ähnlich“ – insbesondere wegen der farblichen Gestaltung. Das Urteil könnte weitreichende Folgen für das Markenrecht im Getränkesegment haben.

Dabei ging es juristisch nicht darum, ob Verbraucher beide Produkte verwechseln könnten, sondern ob durch die Farbwahl – eine Mischung aus Gelb, Orange, Rot, Pink und Lila – der Eindruck entsteht, Mio Mio stehe in Verbindung mit Paulaner. Das sah das Gericht als gegeben an und untersagte Berentzen den weiteren Vertrieb der Flasche in dieser Gestaltung. Ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro steht im Raum, ebenso Schadenersatz und die Vernichtung bereits produzierter Flaschen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Berentzen: „Spezi-Inspiration kam von der Tapete“

„Wir freuen uns, dass das Gericht vollumfänglich unserer Rechtsauffassung gefolgt ist“, erklärte Paulaner-Sprecherin Birgit Zacher. Sie betonte, es gehe nicht primär um finanzielle Entschädigung, sondern um den Schutz der Farbmarke. Ob Paulaner tatsächlich auf die Flaschenvernichtung besteht, ließ sie offen. Man wolle zunächst das Gespräch mit Berentzen suchen.

Berentzen wiederum versuchte, sich mit einer Anekdote zu verteidigen: Die Kreise auf der Mio-Mio-Flasche seien nicht von der Spezi-Welle inspiriert, sondern von der Tapete aus dem Studentenwohnheim des heutigen Marketingchefs. Ein Argument, das das Gericht nicht gelten ließ. Die Richter folgten der Einschätzung von Paulaners Anwalt, wonach Tapeten keine schutzwürdigen Gegenrechte begründen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Paulaner mit rechtlichen Mitteln gegen mutmaßliche Nachahmungen vorgeht. Bereits im März entschied dasselbe Gericht zugunsten der Münchner Brauerei – damals gegen die Karlsberg Brauerei, deren „Brauerlimo“ dem Spezi-Design ebenfalls zu ähnlich war.

Auch Paulaner wurde bereits angeklagt

Warum Paulaner so konsequent gegen Design-Anleihen vorgeht, hat einen strategischen Grund: Die markante Farb-Wellen-Kombination soll ein eindeutiger Herkunftsnachweis bleiben. Werde sie von Wettbewerbern übernommen, schwäche das die eigene Marke – und langfristig auch die Rechtsposition.

Übrigens: Auch Paulaner stand schon auf der anderen Seite. 2022 musste sich das Unternehmen gegen eine Klage der Augsburger Brauerei Riegele wehren, die versuchte, Paulaner die Nutzung des Namens „Spezi“ zu untersagen. Auch in diesem Fall behielt Paulaner vor dem Landgericht München I die Oberhand.

Mit Material der dpa.

(amx, Jahrgang 1989) ist seit Juli 2025 Chefredakteur der absatzwirtschaft. Er ist weder Native noch Immigrant, doch auf jeden Fall Digital. Der Wahlberliner mit einem Faible für Nischenthemen verfügt über ein breites Interessenspektrum, was sich bei ihm auch beruflich niederschlägt: So hat er bereits beim Playboy, in der Agentur C3 sowie beim Branchendienst Meedia gearbeitet.