Kia-Marketingchef: “Kunden in Europa sollen beim Thema E-Mobilität automatisch an Kia denken” 

Seit dem 1. Januar ist Pablo Martinez Masip Vice President of Product & Marketing bei Kia Europe. Im Interview spricht er darüber, wie er den koreanischen Autobauer zu einer der führenden Elektroauto-Marken in Europa machen will.
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Pablo Martinez Masip hat mehr als 20 Jahre internationale Erfahrung in der Automobilbranche gesammelt, unter anderem bei Mercedes-Benz, Ford und Chrysler. (© Kia Europe)

Herr Masip, bitte fassen Sie Ihre ersten 99 Tage als neuer Marketingchef bei Kia Europe kurz zusammen. 

Nach 15 Jahren bei Kia, die vergangenen vier Jahre davon in Korea, bin ich nun wieder nach Europa zurückgekehrt. Diese Rückkehr fühlte sich wie eine persönliche Heimkehr an. Meine ersten 99 Tage waren unglaublich lebendig. In diesem Jahr bringen wir so viele neue oder überarbeitete Modelle wie nie zuvor auf den Markt. 

Welchen Eindruck haben Sie in den ersten Wochen in Ihrer neuen Position gewonnen? 

Wir haben ein herausforderndes und zugleich spannendes Jahr vor uns. Neben zahlreichen Modellneuheiten starten wir mit unserer neuen “Platform Beyond Vehicle”-(PBV)-Reihe vollelektrischer leichter Nutzfahrzeuge in ein ganz neues Geschäftsfeld. Das gesamte Kia-Europe-Team ist hoch motiviert. Wir wissen, wie entscheidend diese Phase ist, um unsere Marke dauerhaft als führenden Anbieter nachhaltiger Mobilitätslösungen zu positionieren. 

Was hat Sie am meisten überrascht? 

Es gibt zwei Dinge, die mich wirklich überrascht haben. Zum einen die herzliche Aufnahme durch meine neuen Kolleginnen und Kollegen, zum anderen die beeindruckende Kompetenz unseres Teams. Wir haben unglaublich talentierte Mitarbeitende, die nicht nur fachlich stark sind, sondern auch engagiert, klug und sympathisch. Da ich oft sage, dass ich mehr Zeit bei der Arbeit als mit meiner Familie verbringe, ist mir eine gute Atmosphäre im Unternehmen extrem wichtig. Genau das habe ich bei Kia Europe gefunden. 

Mit welcher Hürde hatten Sie nicht gerechnet? 

Es war eher eine persönliche Herausforderung. Ganz im Stil der koreanischen ‚Palli-Palli‘-Mentalität wurde mein Wechsel zu Kia Europe erst kurzfristig, Ende letzten Jahres, entschieden. Dadurch mussten wir mitten im Schuljahr umziehen, was nicht einfach war. Tatsächlich warten wir immer noch darauf, dass unsere Sachen aus Korea ankommen. Glücklicherweise haben wir aber inzwischen ein sehr schönes Zuhause gefunden, und meine Kinder fühlen sich an ihrer neuen Schule bereits richtig wohl. 


 

“Mich begeistert die Geschwindigkeit und Agilität, mit der hier gearbeitet wird” 

Wie unterscheidet sich die Unternehmenskultur bei Kia Europe von der an Ihren früheren Wirkungsstätten? 

Bei Kia Europe sind mir vor allem drei Dinge aufgefallen, die unsere Unternehmenskultur auszeichnen. Erstens die außergewöhnliche Internationalität unseres Teams. Kürzlich hatten wir ein Meeting mit sechs Personen, jedoch insgesamt neun Nationalitäten, da viele Kolleginnen und Kollegen eine doppelte Staatsangehörigkeit haben.  

Zweitens bringt unser Team vielfältige Erfahrungen aus unterschiedlichsten Unternehmen mit, was uns enorm bereichert. So können wir bei jeder Herausforderung von verschiedenen Perspektiven profitieren und besonders kreative und innovative Lösungen entwickeln.  

Drittens begeistert mich die Geschwindigkeit und Agilität, mit der hier gearbeitet wird. Was Kia Europe einzigartig macht, ist genau diese Kombination aus kultureller Vielfalt, Innovationskraft und der Fähigkeit, Entscheidungen schnell und pragmatisch umzusetzen. 

Was waren Ihre ersten Veränderungsmaßnahmen? 

Aktuell verantworte ich bei Kia drei verschiedene Bereiche: Produkt, Marketing und dazu bin ich COO von Kia Connect. In allen drei Bereichen setze ich meine Kenntnisse der Prozesse in unserer Unternehmenszentrale in Seoul gezielt dafür ein, dass wir besser mit dem Headquarter abgestimmt sind und Europa dadurch eine noch stärkere Stimme in Korea erhält. Durch meine Erfahrung in Korea als Leiter des Customer Experience (CX)-Teams konnte ich viele wertvolle Einblicke gewinnen. Zudem lege ich großen Wert darauf, die verschiedenen Teams innerhalb von Kia Europe sowie mit dem Headquarter bestmöglich zu vernetzen. So stelle ich sicher, dass wir wirklich ein kundenzentriertes Unternehmen sind. 

Welche weiteren Pläne haben Sie für das Unternehmen Kia? 

Ich bin überzeugt, dass wir aktuell eine einzigartige Chance haben, Kia als eine der führenden Marken im europäischen Markt für Elektrofahrzeuge zu etablieren. Wir haben dafür alle notwendigen Voraussetzungen: eine hervorragende Technologie, ein außergewöhnliches Design – geprägt durch unsere Philosophie ‚Opposites United‘ – sowie ausgezeichnete Qualität. Hinzu kommt unsere beeindruckende Produktoffensive in den nächsten Jahren. Bis 2027 wird unsere EV-Modellpalette global auf 15 Fahrzeuge wachsen. Mein Ziel ist es, sicherzustellen, dass Kunden in Europa beim Thema Elektromobilität automatisch an Kia denken – und uns als die beste Wahl wahrnehmen.  

Was waren auf diesem Weg die ersten konkreten Schritte? 

In der Automobilbranche haben wir es mit sehr langen Produktzyklen zu tun. Unser heutiger Erfolg ist das Resultat sorgfältiger Planung und einer konsequenten Umsetzung. Seit ich bei Kia bin, haben wir Schritt für Schritt alle Bereiche gestärkt: Design, Forschung & Entwicklung, Produktplanung, Marketing, Vertrieb und Customer Experience. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, der Welt zu zeigen, wozu Kia wirklich in der Lage ist. Ich freue mich sehr und fühle mich geehrt, diese spannende Aufgabe begleiten und mitgestalten zu dürfen. 

Wenn Sie sich etwas wünschen könnten: Was soll man einmal über die Kombination Pablo Martinez Masip und Kia sagen? 

Innerhalb des Unternehmens wünsche ich mir, als Führungskraft wahrgenommen zu werden, die sich wirklich um ihr Team kümmert, es motiviert und als Coach bei der persönlichen Entwicklung unterstützt. Nach außen hin würde es mich freuen, wenn mein Beitrag zum Erfolg von Kia anerkannt wird. Ich bin stolz darauf, wie sich die Marke seit meinem Einstieg entwickelt hat und wie ich mich gemeinsam mit Kia weiterentwickeln konnte.  

Wenn ich das alles in einem Satz zusammenfassen müsste, würde ich sagen: Ich möchte als jemand wahrgenommen werden, der Menschen inspiriert und gleichzeitig dazu beigetragen hat, Kia erfolgreich in die Zukunft zu führen. 

Dieses Interview wurde schriftlich geführt. 

Anna Lena Hartmann (alh, Jahrgang 1997) ist seit August 2023 Werkstudentin bei der absatzwirtschaft. Im grünen Herzen Deutschlands aufgewachsen, lebt sie nun aufgrund ihres Germanistikstudiums in Leipzig. Zuvor verbrachte sie einige Jahre an der juristischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Ihr breites Wissens- und Interessenspektrum betrifft Themen wie Sport, Wirtschaft und Gesundheit.